Mit dem Rad von Essen nach Südfrankreich – Tag 7

07. Tag, Samstag, 14.05.2011, La Fère – Crepy-en-Valois, 91 Km, 9:30-18:00 Uhr

die Aisnes bei Rethondes, (c) Michael Kneffel

Der Himmel am Morgen ist grau und sieht nach Regen aus. Es bleibt trocken, ist zunächst kühl, wird später am Tag aber wieder sonnig und warm . Durch das ziemlich hässliche Tergnier fahre ich nach Chauny, das mir wesentlich besser gefällt. Dort finde ich einen guten Fahrradladen und freundliche Menschen, die mir meine inzwischen etwas weichen Reifen mit einer vernünftigen Standpumpe aufpumpen. Mit meiner Handpumpe habe ich einfach nichts rein bekommen in die Reifen. Der Wind scheint etwas auf Nordwest zu drehen. Das wäre einfach zu schön. Nicht mehr den ganzen Tag frontal gegen den Wind strampeln müssen. Über Manicamp, Brétigny, Pontoise-lès-Noyon und Carlepont erreiche ich den schönen Wald von Compiègne mit seinen schnurgeraden Forststraßen. Rethondes an der Aisnes gefällt mir besonders gut. Frankreich wie im Bilderbuch. Impressionisten-Land. Die alte Brasserie „Le Grand Marechal“ hat es mir angetan. Hier würde ich gern mal Station machen. Jetzt ist es mir dafür allerdings noch zu früh am Tag. Das Dorf bereitet sich für ein Fest vor.

„Le Grand Marechal“, (c) Michael Kneffel

Bis Paris ist es nicht mehr weit. Gutsituierte Bürger aus der Hauptstadt  scheinen hier in den Dörfern ihre Wochenenden zu verbringen und kleine, aber sehr feine Häuser zu besitzen. Auf die Infrastruktur wirkt sich das spürbar aus. Es gibt plötzlich wieder Geschäfte, Cafés und Restaurants, die ich in den letzten Tagen meist vergeblich gesucht habe. Das Postkartendorf St.-Jean-aux-Bois, das ich als nächstes erreiche, scheint ganz in der Hand von Wochenendtouristen zu sein.  Wer hier wohnt, hat Geld, aber nicht unbedingt Kenntnis der Gegend, wie ich bei meinen Fragen nach dem richtigen Weg feststelle. Beim Verlassen des Waldes muss ich unerwartet eine lange und üble Steigung nehmen.

Campingplätze sind in dieser Gegend Fehlanzeige, aber bei einer Pause habe ich den Hinweis auf ein einfaches Hotel in Crépy-en-Valois erhalten. Der Ort, den ich am späten Nachmittag erreiche, macht einen sehr lebendigen Eindruck, am Ortsrand beeindrucken mich die ersten reifen Kirschen des Jahres. Leider liegt das Hotel „Akena“ in einem Gewerbegebiet weit außerhalb, zwischen Netto-Riesensupermarkt und Tankstelle. Bis ich meine Sachen in dem schlichten Zimmer untergebracht, meine Sachen und mich gewaschen habe, ist es so spät, dass ich keine Lust mehr habe, weit bis in den Ort zu laufen. Ich esse schließlich zusammen mit der lauten Jugend des Ortes bei McDonalds in der Nähe des Hotels, für das ich 42 Euro bezahle, plus 6 Euro für das kommende Frühstück. Weil es vor dem Hotel keine Möglichkeit gibt, das Rad sicher festzumachen, kommt es mit auf´s Zimmer.

Sicher ist sicher. Mein Drahtesel im Hotelzimmer. (c) Michael Kneffel

Im Fernseher laufen den ganzen Abend Berichte über Dominique Strauss-Kahn und seine Festnahme in New York.

Bis hierhin bin ich nun in meiner ersten Woche schon gute 600 Km gefahren und bin trotzdem noch nicht in Paris. Das Zentrum der Hauptstadt, die ich gern am ruhigen Sonntagvormittag durchfahren hätte, liegt noch schätzungsweise 60 km weit weg. Soll ich am nächsten Tag noch einmal Station vor Paris machen? Dazu habe ich eigentlich keine Lust. Das würde auch eine weitere Hotel-Übernachtung bedeuten, da ich bis zur Stadtgrenze keine Campingplätze mehr gefunden habe. Soll ich in Paris auf Hotelsuche gehen? Vielleicht finde ich ja was am angesagten Canal St. Martin, der auf meiner Strecke durch die Metropole liegt.

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Ein Gedanke zu “Mit dem Rad von Essen nach Südfrankreich – Tag 7

  1. Nach der Tour habe ich herausgefunden, dass es in dem Postkartendorf Pierrefonds mit dem berühmten, gleichnamigen Schloss einen Campingplatz gibt. Pierrefonds liegt nur wenige Kilometer von St.-Jean-aux-Bois entfernt und ist jeden Abstecher wert, zumal die kleinen Straßen und Radweg bis dorthin durch flaches Gelände führen.

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