Mein Foto der Woche – Ein Tisch für zwei über der Seine

Ein Tisch für zwei © Michael Kneffel

Ein Tisch für zwei © Michael Kneffel

Mein Foto der Woche habe ich 2003 im Restaurant auf dem Dach des Kaufhauses La Samaritaine aufgenommen. Das im ersten Arrondissement von Paris am Quai du Louvre gelegene wunderbare alte Kaufhaus ist seit 2005 geschlossen. Der Luxusgüter-Konzern Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) will das ehemals bei den Parisern sehr beliebte Samaritaine in ein Luxushotel verwandeln.

Mit dem Rad von Essen nach Südfrankreich – Tag 8

08. Tag, Sonntag, 15.05.2011, Crepy-en-Valois – Saint-Germain-lès-Corbeil, 110 Km, 9:00-19:00 Uhr

Der Tag beginnt mit einem Hotelfrühstück, dem die Croissants und das Baguette fehlen. Der Bäcker hat noch nicht geliefert . Ich halte mich an Zwieback und Obst. Auf der Straße ist es wieder sehr windig und kühl. Als es auch noch zu regnen anfängt, habe ich alles an, was warm und trocken halten kann. Über Ormoy-Villers, wo ich etwas Obst kaufe, Nanteuil-le-Haudouin, Lagny-le-Sec, St.-Mard und St.-Mesmes nähere ich mich Paris unter einer endlosen Prozession von Fliegern, die von Osten her den Flughafen Charles-De-Gaulle ansteuern. Über mir sehe ich immer mindestens drei Maschinen am Himmel. Die flache Landschaft wird beherrscht von Getreide- und Maisfeldern. Die Dörfer dazwischen wirken menschenleer. Ich kann noch erkennen, wo es früher mal Geschäfte und Cafés gegeben hat.

In Gressy erreiche ich endlich den Canal de l´Ourcq, dessen Uferweg dafür gerühmt wird, Radfahrer schnell und komfortabel durch die nicht immer attraktiven Vorstädte in´s Zentrum von Paris zu bringen. Die ersten der über 20 Km Kanaluferweg fangen gut an. Zwei Spuren, glatter Asphalt. Eine Menge Radfahrer und Skater sind unterwegs. Nach wenigen Km lässt die Qualität des Weges aber kräftig nach, und er wird auf langen Abschnitten zur Marterstrecke für Rad und Fahrer. Kurzzeitig führt der Weg vom Kanalufer weg und durch ein Park- und Waldgebiet. Schilder und Markierungen sind hier Mangelware. Je näher ich dem Stadtzentrum komme, desto weniger andere Radfahrer sind zu sehen. Das Grün verliert sich, Gewerbeflächen und Brachen wechseln sich ab, und wenn ich Menschen sehe, sind sie dunkelhäutig und gehören nicht zu den Gewinnern der gesellschaftlichen Entwicklung in Frankreich. Am Abend möchte ich hier nicht unbedingt durchkommen. Einige Km vor dem Ende des Weges im Parc de la Vilette warnen mich Baustellenhinweise und Umleitungsschilder, dass es mit meinem Uferweg bald vorbei sein wird, da stehe ich auch schon zwischen Bauzäunen im Niemandsland. Keine weiterführenden Hinweise weit und breit. Ich schiebe über Baustellen, zwänge mich durch Absperrungen, konkurriere mit versprengten Fußgängern um schmalste Wege zwischen Metallzäunen und stehe plötzlich vor einer Treppe, die zur Metro hinunter führt und so riecht, als würde sie schon länger als öffentliches WC genutzt. Ich quetsche mich daran vorbei und stehe nach einigen Metern tatsächlich auf einer belebten Pariser Straße in der Nähe des Parks. Von hier bis zum Canal St. Martin, der mich nach Süden fast bis zur Seine bringen soll, ist nur noch ein kleiner Orientierungs- und Hindernisparcours zu überwinden, und schon erreiche ich den breiten Radweg, der den Kanal begleitet. Da am Canal sonntags Märkte aller Art abgehalten werden, ist dieser Weg zunächst nahezu lückenlos mit den Lieferwagen der Markthändler vollgestellt. Erst nach einigen Kilometern kommen Straßenabschnitte, die am Wochenende Fußgängern, Radfahrern und Skatern vorbehalten sind. Es ist inzwischen wieder sonnig und trocken, so dass ich mir einen Tisch vor dem Restaurant „L´Atmosphère“ suche, wo ich mir zur Feier des Tages einen großen Salat Nicoise und einen Weißwein bestelle. Der Wind ist allerdings immer noch so kräftig, dass er mir fast den Salat vom Teller bläst.

Beweisfoto. Ich war in Paris. (c) Michael Kneffel

Nach der späten Mittagspause möchte ich die Stadt so schnell wie möglich wieder verlassen. Über die Place de la Bastille fahre ich durch dichten Verkehr bis zur Seine und passe mich unterwegs dem offensiven Fahrstil der einheimischen Radler an, die in beachtlicher Zahl vor allem auf Mieträdern unterwegs sind. Auf dem südlichen Seine-Ufer schlage ich den Kurs Südost ein und komme besser voran als gedacht, zunächst noch auf Radwegen, später dann auf der Straße. Der Pariser Glanz verflüchtigt sich bald. Die Gegend wird immer schäbiger und staubiger. An Gewerbegebieten und Verladeeinrichtungen vorbei folge ich der Seine bis Choisy-le-Roi, wechsle auf das andere Ufer und fahre auf Hauptstraßen weiter bis Montgeron. Hier ist die Straße für ein Fest gesperrt. Auf Nebenstraßen gelange ich endlich in den Foret Domaniale de Sénart, ein Waldgebiet, das mir anzeigt, dass ich die Metropole hinter mir gelassen habe. Mit mir zusammen genießen viele Spaziergänger, Radler und Skater den späten Sonntagnachmittag im Grünen. Mein Hinterteil signalisiert allerdings, dass ich mir allmählich eine Bleibe für die Nacht suchen muss. Campingplätze habe ich bei meiner Vorbereitung auf die Tour in dieser Gegend keine entdeckt. Es läuft also wieder auf eine Hotelübernachtung hinaus. In Tigery entdecke ich an der Straße einen Hinweis auf ein Hotel, das allerdings komplett ausgebucht ist. Ich werde weiter geschickt nach Saint-Germain-lès-Corbeil und finde dort schließlich ein Etap-Hotel neben der Autobahn. Ich zahle noch weniger als am Vorabend, dafür ist das Zimmer aber auch deprimierend. Dass ich wieder bei McDonalds essen muss, hebt meine Stimmung auch nicht gerade.

Paris Photo ohne zu verhungern

Paris Photo 2009 (c) M. Kneffel

Vom 19. bis zum 21.11. wird im Pariser Carroussel du Louvre wieder die PARIS PHOTO stattfinden, die größte Foto-Kunst-Messe der Welt, beliebter Treffpunkt der Foto-Szene und darüber hinaus ein guter Anlaß, mal wieder einen Streifzug durch eine der schönsten Städte der Welt zu unternehmen. Noch ist nicht ganz klar, ob ich mir auch in diesem Jahr dieses Vergnügen gönnen werde, aber die Reiseplanung läuft im Hinterkopf schon mit und dabei spielt natürlich die Frage eine Rolle, wo ich etwas zu essen und zu trinken finden werde, und zwar zu vernünftigen Preisen.  Seit Paul Strand wissen wir, dass man auch in Paris schlecht essen kann. Das gegenwärtige große Café-Sterben trägt nicht gerade zur Verbesserung der Situation bei. Fast-Food, Nepp und miese Qualität gehören auch in Paris längst zum Alltag. Um so wichtiger ist es, jene Adressen wieder aus dem Gedächtnis hervorzukramen, mit denen ich angenehme Erinnerungen verbinde, und nach neuen Tipps im Internet zu fahnden.

im „Café qui parle“ (c) M. Kneffel

Von meinem letzten Paris-Trip sind mir einige Lokale in besonders guter Erinnerung geblieben. Als erster Treffer erwies sich direkt nach dem Einchecken in einem Hotel am Montmartre das Mittagessen im Le Café qui parle in der Nachbarschaft auf der Rue Coulaincourt 24. In dieses kleine, etwas szenemäßig, aber gleichzeitig sehr französisch aufgemachte Restaurant / Bistro / Café gehen offensichtlich die Menschen aller Altersgruppen aus der Nachbarschaft zum Essen, was immer ein gutes Zeichen ist.

Mit den Tagesgerichten, die wir bestellt hatten und deren Preise unter 15 Euro lagen, waren alle sehr zufrieden. Die Bedienung war freundlich, es gab keine langen Wartezeiten, obwohl das Lokal gut besucht war, gleichzeitig wurden wir nicht bedrängt, sondern konnten unser Essen und die Mittagspause in Ruhe genießen. Sehr empfehlenswert für alle, die ihre Zelte am  Montmartre aufschlagen, und wahrscheinlich auch am Abend noch eine gute Wahl, um mit Freunden und Kollegen einen Schluck zu trinken.

(Nachtrag aus 2014: Als wir in diesem Jahr nach längerer Zeit mal wieder abends am Café qui parle vorbei kamen, standen einige Menschen draußen bei Regen und Kälte an, um einen Tisch zu bekommen. Das spricht weiterhin für die Qualität der Küche.)

Am ersten von zwei Abenden waren wir mit Kollegen auf der Suche nach einem einfachen und preiswerten Lokal und wurden in unmittelbarer Nähe des Centre Pompidou fündig.  Die Créperie Beaubourg an der Rue Brisemiche 2 und damit an dem kleinen Platz mit großem Brunnen und Figuren von Niki de Staint-Phalle, der sich südlich an das Centre Pompidou anschließt,  wird in diversen Paris-Blogs als beste Créperie von Paris gefeiert und bietet tatsächlich großartige Qualität zum kleinen Preis, womit man an diesem touristischen Hotspot nicht unbedingt rechnen kann. Richtig angenehm ist es vor allem an den Tischen draußen. Im Lokal kann die Luft sehr stickig werden.

im „Chez Janou“ (c) M. Kneffel

Einen tollen Eindruck hinterließ bei uns auch das Bistrot Chez Janou an der Rue Roger Verlomme 2 Ecke Rue de Tournelle im Maraisviertel nahe der Place des Vosges. Das sehr schön nostalgisch eingerichtete Lokal mit Plakaten von alten Tati-Filmen an der Wand, einer gewaltigen Pastis-Auswahl und gemäßigten Preisen (Tagesgericht ab 10 Euro) war leider für den Abend schon komplett ausgebucht, so dass wir dort nur zu einem Aperitif kamen. Sehr schade. Ohne Reservierung wird es wahrscheinlich immer schwer sein, einen Tisch zu bekommen, aber der Versuch lohnt auf jeden Fall. Unser Ersatzrestaurant am zweiten Abend, das Caruso in der Rue de Turenne 3, gerühmt wegen seiner guten italienischen Küche, war leider eine Enttäuschung: steif, ziemlich teuer und allenfalls mittelmäßig. Aber selbst schuld, wenn man ausgerechnet in Paris italienisch essen geht.

Wer auf das übliche Hotel-Frühstück verzichten und sich in großbürgerlichem Ambiente etwas Besonderes gönnen möchte, und zwar in unmittelbarer Nähe der Fotokunst-Messe, in einem Flügel des Louvre mit Blick auf die Glaspyramide, ist im Café Marly bestens aufgehoben. Das Frühstück ist hervorragend, aber auch nicht ganz billig. Dafür kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit schon am frühen Vormittag dabei zusehen, wie die Großen der Fotokunst-Szene noch vor Öffnung der Messe mit den wichtigsten Galeristen Geschäfte machen.

im Café Marly (c) M. Kneffel