Poilhes – Idylle am Canal du Midi

„Ob an der Küste oder im Hinterland, in der Ferienregion Languedoc-Roussillon herrscht ein heiteres Lebensgefühl, das Gäste auf Anhieb in den Bann zieht. Am Strand, in Bistros und Restaurants, auf Märkten und bei Festen, überall herrscht diese typische Art de vivre, die den Urlaub im Süden Frankreichs so bereichert.“ So hat die PR-Agentur Ducasse / Schetter, spezialisiert auf die Vermarktung von Reisezielen in Frankreich und der Schweiz, unlängst das Languedoc-Roussillon beschrieben. Schon vorher hatten wir diese Region im Süden Frankreichs für unseren diesjährigen Frühjahrsurlaub ausgesucht. Nach fünfzehn Jahren wollten wir noch einmal vor allem die Gegend am Canal du Midi durchstreifen – überwiegend mit dem Rad. Als Ausgangspunkt für unsere Streifzüge hatten wir das kleine Örtchen Poilhes ausgesucht. Und das war ein großer Glücksgriff.

der Canal du Midi in Poilhes © Michael Kneffel

der Canal du Midi in Poilhes © Michael Kneffel

Direkt am Canal gelegen wirkt das Weinbaudörfchen ein wenig wie aus der Zeit oder einem Bilderbuch gefallen. Große alte Wirtschaftsgebäude zeugen vom Reichtum ansässiger Weinbauern, die Wohnhäuser machen einen sehr gepflegten Eindruck. Es gibt ein kleines, altes Chateau im Dornröschenschlaf, dessen Dach gerade renoviert wurde, eine leicht zu übersehende, aber nicht zu überhörende Kirche, deren Glocke zu jeder Viertelstunde schlägt, und ein bemerkenswert gut sortiertes winziges Lebensmittelgeschäft, in dem sich alles findet, was man für die Grundversorgung benötigt. Souverän geführt wird der Laden von einer freundlichen alten Dame, weit im Rentenalter, aber mit einer so würdevollen Haltung und korrekten Sprache, dass es nicht verwundern würde, wenn sie früher einmal die benachbarte Grundschule geleitet hätte. Dort wird immer noch unterrichtet, und in den Pausen sind die Stimmen der Kinder auf dem Schulhof fast im ganzen Dorf zu hören.

gefiederte Einwohnerin von Poilhes © Michael Kneffel

gefiederte Einwohnerin von Poilhes © Michael Kneffel

Und während in vielen südfranzösichen Dörfern die alten Restaurants und Cafés längst für immer geschlossen haben, bietet Poilhes gleich drei Restaurants mit ambitionierter Küche. Die Lage am Kanal und das ständige Defilee von Hausbooten mit zahlungskräftigen Touristen sichern das Überleben. Hausbootfahrer, die von der Küste kommen und hier Station machen, sehen schon bei der Einfahrt ins Dorf die Terrasse des „Tour Sarrasine“ und müssen nach dem Anlegen nur noch – an der Dorfgans vorbei – eine schmale Straße überqueren, um dort Platz nehmen zu können. Die Speisekarte ist umfangreich, das Essen großartig, und die Preise sind mehr als fair. Drei Gänge in dieser Qualität muss man anderswo schon etwas länger suchen und bekommt sie garantiert nicht für dreißig Euro, sondern bestenfalls für das Doppelte. Drinnen ist das Restaurant elegant eingerichtet, Steifheit kommt trotzdem nicht auf, dafür sorgt die herzliche Besitzerfamilie, mit Mitgliedern aus drei Generationen. Clemence, die Jüngste, lernt gerade das Laufen. Der aus Liège stammende Kellner scheint in allen auf dem Canal vorkommenden Sprachen zu Hause zu sein und bringt die bunte, internationale Gästeschar mit Humor und Gelassenheit durch einen entspannten und genussreichen Abend.

das wunderbare kleine Restaurant Les Platanes in Poilhes © Michael Kneffel

das wunderbare kleine Restaurant Les Platanes in Poilhes © Michael Kneffel

Etwas versteckter im Ort, neben der Kirche, liegt ein völlig anderes, aber ebenso empfehlenswertes Restaurant, das „Les Plantanes“ von Amanda und Dave, zwei sympathischen Neuseeländern, die vor sieben Jahren nach Frankreich übersiedelt sind und sich vor einem Jahr in Poilhes niedergelassen haben. Ihre Speisekarte ist überschaubar, dafür wechseln die angebotenen Gerichte häufig. Mit frischen Zutaten aus der Region bietet „Les Platanes“ Klassiker der französischen Küche wie den gebackenen Camembert oder die Zwiebelsuppe in seltener Qualität und zu noch günstigeren Preise als die Konkurrenz im Ort. Aber auch das neuseeländische Dessert „Pavlova“ sollte man sich nicht entgehen lassen. Als Besitzer eines Chateaus am Atlantik, das gerade zum Verkauf steht, und eines Hauses in den Pyrenäen haben die beiden viel zu erzählen und lassen sich gern am Nachmittag auf einen kleinen Schwatz auf der Terrasse ihres Lokals ein. Angesichts des hohen Wohlfühlfaktors in beiden Restaurants haben wir es gar nicht mehr bis zum dritten gastronomischen Anbieter geschafft. Am Rand des Ortes gelegen bietet das „Vinauberge“ neben Speisen auch Gästezimmer und verkauft Weine aus der Region.

Capestang mit der Kirche Saint Etienne © Michael Kneffel

Capestang mit der Kirche Saint Etienne © Michael Kneffel

Erster Anziehungspunkt außerhalb von Poilhes war für uns das nur vier Kilometer entfernte, ungleich größere und ebenfalls am Canal gelegene Capestang. Am Sonntag zieht der große Wochenmarkt sehr viele Menschen an. Unter der Woche wirkt der Ort mit seiner weithin sichtbaren, immer wieder erweiterten, imposanten Kirche jedoch merkwürdig unbelebt, was er mit vielen anderen Dörfer und Städten gemein hatte, die wir noch besuchen sollten. Auf Naturliebhaber, insbesondere Vogelfreunde, müsste Capestang eigentlich eine starke Anziehungskraft ausüben. Südlich der Stadt liegt der sogenannte Etang de Capestang, ein versumpfter, von mehreren Kanälen und einigen Wegen durchzogener ehemaliger See mit großen Schilfgebieten. Als wir ihn auf einer unserer Fahrradtouren eher zufällig durchquerten, sahen wir schon mit bloßem Auge so viele Störche, Reiher und andere Wasser- und Watvögel, die wir nicht identifizieren konnten, dass wir mit Hobbyornithologen in großer Zahl und von überall her rechneten. Weit gefehlt! Im Tourismusbüro von Capestang sah uns die freundliche Mitarbeiterin ziemlich verständnislos an, als wir nach Wanderwegen und geführten Touren durch dieses Gebiet fragten. Und auch andere Menschen, die vor Ort leben, fanden unsere Berichte von den Tieren im Etang sehr interessant, gestanden aber, noch nie dort gewesen zu sein. Etwas weiter ist man am Etang de Vendres, der etwa 15 Kilometer weiter südöstlich und damit unmittelbar vor der Küste liegt. Hier gibt es immerhin schon einen großen Beobachtungsstand mit einigen Informationen zu den dort anzutreffenden Vögeln. Dass in den Weinfeldern der Gegend unzählige Bienenfresser leben und fliegen, sei nur am Rande erwähnt.

im Beobachtungsstand am Etang de Vendres © Michael Kneffel

im Beobachtungsstand am Etang de Vendres © Michael Kneffel

Nicht viel weiter als Capestang, aber in östliche Richtung, liegt der etwas kleinere Ort Colombiers am Canal du Midi. Auf dem Weg dorthin ist der Kanaltunnel von Malpas zu besichtigen, ebenso wie das Oppidum d´Ensérunes – berühmte gallische Siedlungsreste, auf einem Hügel gelegen. Das benachbarte Informationszentrum von Malpas bietet viele Modelle, Karten und Reliefs und ein großes Literaturangebot zum Weltkulturebe Canal du Midi und zur Region. Durch den Bau eines großen Hafens im Jahr 1989 hat sich Colombiers zu einem Zentrum des Hausboottourismus entwickelt. Schön ist was anderes. Als wir mit unseren Rädern etwas irritiert im Rummel des Hafens standen und die hässlichen Zweckbauten betrachteten, fragte uns eine ältere Dame – offensichtlich aus dem Ort – was wir suchten und ob sie uns helfen könne. Auf unsere etwas ironische Antwort, wir suchten den Ort, hob sie resignierend die Schultern und entgegnete, es sei halt praktisch und einen Arzt gebe es auch. Wie viele Planungs- und Bausünden sind wohl schon mit dem Satz: „Es ist halt praktisch“, begründet worden?

im Hafen von Colombieres © Michael Kneffel

im Hafen von Colombieres © Michael Kneffel

Von unserem ersten Besuch am Canal du Midi vor 15 Jahren hatten wir das kleine Le Somail, etwa zwanzig Kilometer weiter westlich, in bester Erinnerung. Und auch heute noch wird der Ort in jedem Führer als Schönheit am Kanal beschrieben. Uns hat das Wiedersehen eher enttäuscht. Zu der malerischen Ansiedlung weniger Häuser an der alten Brücke hat sich eine große Neubausiedlung gesellt, die sich scheinbar planlos in die Landschaft ausdehnt. Neu hinzugekommene Gastronomie und ein großer Parkplatz für Wohnmobile haben auch nicht gerade den Charme des Ortes erhöht. Da gefiel es uns schon wesentlich besser am benachbarten Canal de Jonction, der den Canal du Midi als Verbindungskanal mit der Küste bei Narbonne verbindet und von herrlichen Pinien gesäumt wird. Wer mit dem Hausboot auf dem Canal du Midi unterwegs ist, sollte sich den Abstecher nach Sallèles-d´Aude nicht entgehen lassen. Auch wenn der Ort selbst bei unserem Besuch nahezu ausgestorben wirkte, gehören die dortigen Liegeplätze zu den schönsten, die man weit und breit ansteuern kann.

Hausboot in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

Hausboot in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

umgebaute Lastkähne in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

umgebaute Lastkähne in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

Es stimmt also, dass sich immer noch wunderschöne Dörfer und Landschaften in diesem Teil des Südens finden lassen. Auf der anderen Seite ist aber auch hier nicht zu übersehen, dass sich Frankreich in einer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise befindet und dass vielen Menschen das „heitere Lebensgefühl“, von dem eingangs die Rede war, abhanden gekommen ist. In zwei Wochen haben wir Armut, Elend und die Verödung von Städten in einem Ausmaß erlebt, wie wir es bisher nicht für möglich gehalten hätten. Wir sahen erschreckend viele Menschen, die vor einer karitativen Einrichtung um Lebensmittel anstanden, eine Familie mit Kind, die in Narbonne auf der Straße lebt, Dutzende von Frauen, die sich an der Landstraße zwischen Bèziers und Narbonne prostituierten. Das und einiges mehr hat uns sehr nachdenklich gemacht und ließ uns ahnen, warum gerade hier der rechtsradikale Front National bei der jüngsten Europawahl in vielen Kommunen weit über dreißig Prozent der Wählerstimmen bekommen hat.

aufgegebene Boulangerie in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

aufgegebene Boulangerie in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

 

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Gut gegessen in Paris

Üppig war der Platz nicht gerade, der uns im Bô Zinc für unser Mittagessen zugewiesen wurde. Ein kleiner Tisch unter einem großen Spiegel hinten im Lokal. Die Brasserie war nahezu ausgebucht. Hier saßen wir nun zwischen zwei Handwerken in Arbeitskleidung auf der einen und einem jungen Paar mit zwei kleinen Kindern auf der anderen Seite und konnten das rege Treiben in der Brasserie beobachten. Seit dem Morgen waren wir, beginnend an der Place du Trocadéro, über die idyllische Seine-Insel aux Cygne, durch die Rue Jean-de-la-Fontaine mit ihrem gediegenen Straßenmarkt zwischen prächtigen Jugendstilhäusern, durch das 16. Arrondissement bis zur beschaulichen Rue Boileau gestreift und waren nun auf der eleganten Avenue Mozart gelandet, wo sich unsere Mägen bemerkbar machten. Unterwegs hatten wir uns zuletzt schon einige Speisekarten angesehen, aber so richtig angesprochen hatte uns keine. Und auf die zahlreichen Pizzerien, die sich auch in dieser Gegend ausgebreitet haben, hatten wir so gar keine Lust. Vielleicht wären wir auch am unscheinbaren Bô Zinc im Haus Nummer 59 vorbeigegangen, wenn uns nicht eine geschäftstüchtige Kellnerin auf sympathische Weise hineinkomplimentiert hätte. Auch die anderen Mitglieder eines auffallend jungen Teams machten einen höchst professionellen Eindruck. Freundlich und schnell wurden die Karten gebracht und  die Bestellungen aufgenommen. Obwohl es im Lokal sehr lebhaft zuging und alle frei werdenden Tisch schnell wieder belegt wurden, blieb die Geräuschkulisse angenehm. Bei den meisten Gästen schien es sich um Stammgäste zu handeln, Menschen aller Alters- und sehr unterschiedlicher Einkommensgruppen aus den Büro und Geschäften der Nachbarschaft, die hier regelmäßig ihre Mittagspause verbringen. Im vornehmen 16. Arrondissement hatten wir mit höheren Preisen gerechnet. Die Tagesgerichte – traditionelle französische Küche – wurden unter 10 Euro angeboten, das kleine Glas Wein um die 3, der Café für 2, und die Desserts lagen bei 5 Euro. Da alles auch noch ausgesprochen gut schmeckte, war uns leicht nachvollziehbar, warum kein Tisch länger als 5 Minuten frei blieb.

Wand mit Serviettenregal in der Bar du Marché © Michael Kneffel

Wand mit Serviettenregal in der Bar du Marché © Michael Kneffel

Eine ähnlich gute Erfahrung machten wir am nächsten Mittag in einem anderen Teil der Stadt in der traditionelleren Brasserie Le Colibri an der Place de la Madeleine 8 im 1. Arrondissement. „Es kommt der Tag, da bedienen alte Männer alte Männer“, steht auf einer Postkarte, die in unserem Lieblingscafé zu Hause an der Wand hängt. Was dem deutschen Autor anscheinend als Schreckensvision erschienen war, gehört in Paris zum Glück immer noch zur Normalität: in Ehren ergraute Kellner mit weißem Hemd, schwarzer Fliege, Schürze und mit einer weißen Serviette über dem Arm, die ihre Stammgäste per Handschlag begrüßen und sie eigentlich gar nicht fragen müßten, welches der Tagesgerichte sie ihnen bringen sollen. Das Team im Le Colibri war alles andere als jung, aber ebenso professionell und kompetent wie bei unserem Mittagessen am Vortag. Hier geht die Chefin mittags von Tisch zu Tisch und plaudert mit den Stammgästen. Der Patron, der in Kellnermontur mit bedient, setzt sich auch schon mal zu den Gästen, die bereits beim Café angekommen sind, und bringt solche, die sich noch nicht kennen, miteinander ins Gespräch. Netzwerken auf traditionelle Art. Preislich spielt das Colibri in einer höheren Liga als das Bô Zinc, was in dieser Lage auch nicht völlig überrascht. Allerdings machen hier viele Gäste von der traditionellen Art, die Rechnung niedrig zu halten, Gebrauch: sie essen und trinken im Stehen am Tresen. Dort kostet das Tagesgericht 10 Euro und das Glas Wein ungefähr halb so viel wie am Tisch. Nach einem langen Vormittagsspaziergang durch das Szene-Viertel Belleville und später dann durch den Park der Tuilerien und die mondäne Gegend rund um die Place Vendôme waren wir jedoch sehr froh, das Treiben im Restaurant im Sitzen beobachten zu können.

Abschließend soll ein Restaurant nicht unerwähnt bleiben, das uns dort mit gutem Essen und Service und ebenfalls einer sehr traditionellen Atmosphäre überrascht hat, wo wir es am wenigsten erwartet hatten: mitten im rummeligen und touristischen Marais. In der Bar du Marché des Blancs-Manteaux in der Rue Vielle du Temple 53, findet sich sogar noch ein Regal an der Wand, in dem die Stoffservietten der Stammgäste über mehrere Tage aufbewahrt werden, bevor sie schließlich in die Wäsche gehen. Wer kein Stammgast ist und hier mittags essen möchte, sollte am besten schon früh um 12:00 Uhr kommen oder etwas Zeit mitbringen. Das Warten lohnt sich aber, wenn man die klassische französische Küche und Esskultur mag.

Klasse Rezepte auf Deutsch für die französische Küche von Aurélie Bastian

Nach einer mittleren Back- und Kuchenorgie – es gab eine Pfirsich-Tarte, den ersten Pflaumenkuchen der Saison und zum Sattwerden (schließlich waren wir zu viert!) einen Käsekuchen – bekamen wir gestern den Hinweis auf ein deutsches Blog mit französischen Rezepten unter dem Titel www.franzoesischkochen.de von Aurélie Bastian. Unsere beiden Kuchenmitesser schwärmten in den höchsten Tönen von Aurélies Tarte au citron und ihren Brioches. Zum Nachkochen / -backen der Rezepte war noch keine Zeit, aber schon das Ansehen des Blogs macht richtig Spaß und Appetit. Tolle Fotos!

unsere Pfirsich-Tarte, frisch aus dem Ofen © Michael Kneffel

unsere Pfirsich-Tarte, frisch aus dem Ofen © Michael Kneffel

Menüempfehlungen für den August

Mit einer urlaubsbedingten Verzögerung reiche ich die Menüempfehlungen für den Monat August von Monsieur Phileas Gilbert aus dem Jahr 1884 nach. Damals nahm die Begeisterung für das Meer bei den Franzosen aller Schichten gerade erst ihren Anfang. Viele Seebäder und die Eisenbahnlinien dorthin waren noch in Planung oder Aufbau. Spätere Menüempfehlungen für diesen Monat wären kaum ohne Meeresfrüchte ausgekommen. Aber auch so läuft mir das Wasser im Munde zusammen.

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Menu de Déjeuner (Mittagsmenü)

Beurre – Melon – Saucisson d´Arles

Oeufs froids Marinette

Filets de rougets à la Villeroy

Entrcote Robinson

Terrine de Caneton au sang

Grenade aux cerises

Menu de Diner (Abendmenü)

Potage crème Maria

Turbotin à la Dugléré

Poularde poelée financière

Contrefilet roti

Fonds d´artichauts Montrouge

Melon aux fraises

Im Bistrot de Pays von Claudette

Wir wurden gewarnt. Wenn wir am Sonntagmittag nicht früh ins Bistrot „Chez Claudette“ gingen, würden wir keinen Platz mehr bekommen. Also machten wir uns zeitig auf den Weg und stellten fest, dass die Warnung mehr als berechtigt war. Auf der Straße vor dem Bistrot standen mehrere Menschen in kleinen Grüppchen und schienen noch zu überlegen. Also nichts wie rein! Ein Großteil der Bevölkerung aus St. Roman-de-Malegarde und den umliegenden Dörfern schien bereits im gut gefüllten Gastraum versammelt zu sein. Zum Glück hatte die resolute Namensgeberin des Bistrots  den Ansturm souverän im Griff und fand auf der Terrasse auch für uns noch ein Plätzchen.

Ein wirklich guter Roter („Wir sind hier in einer Weinbauregion!“) stand schon auf dem Tisch, unsere Bestellung war zügig aufgenommen und wir konnten uns ohne jede Wartezeit am gut bestückten Vorspeisenbuffet bedienen. Favorit bei den vielen Stammgästen war hier eindeutig die gewaltige Fleischpastete, von der beachtliche Scheiben auf die Teller wanderten. Als Hauptgerichte gab es gute Hausmannskost. Wir hatten die Auswahl zwischen einem Fleisch- und einem Fischgericht. Danach konnten wir zwischen einem Dessert und der Käseplatte wählen. Und auch beim Käse musste sich niemand zurückhalten. Das Ganze kostete  12 Euro pro Person! Der kleine Schwarze, den wir anschließend im vorderen Gastraum an der Theke tranken, um nicht länger als nötig den begehrten Tisch zu blockieren, kostete gerade mal einen Euro und war vorzüglich. Kein Wunder also, dass die Stimmung im Restaurant ausgezeichnet war. Es wurde viel gelacht und von einem Tisch zum anderen parliert. Die familiäre Atmosphäre und das gute Essen bei Claudette haben wir so genossen, dass wir gern auch unter der Woche wieder zu ihr gegangen sind.

Claudettes Bistrot erwies sich für uns als Glücksfall. In den ersten Tagen unseres Frühjahrsurlaubs hatten wir feststellen müssen, dass Restaurants in der Umgebung unseres Ferienorts Villedieu, einige Kilometer nördlich von Vaison-la-Romaine in der Vaucluse, Mangelware sind. Und schon seit Jahren beobachten wir auf unseren Reisen in Frankreich, dass dort in vielen ländlichen Regionen Geschäfte, Cafés und z. B. Postämter auf dem Rückzug sind. Große Supermärkte am Rande der Oberzentren, Versandhändler, veränderte  Ess- und Lebensgewohnheiten haben ihnen die Existenzgrundlage entzogen. Pro Jahr schließen etwa 1000 ländliche Bistrots, womit wichtige Treffpunkte für die Bevölkerung verloren gehen. Zurück bleiben oft seltsam unbelebte Orte, manchmal gerade noch für wenige Wochen in den Ferien mühsam reanimiert. Betroffen sind von dieser Entwicklung vor allem die Menschen, deren Mobilität eingeschränkt ist.

ImprimerUnter dem Label „Bistrots de Pays“ versucht in Frankreich bereits seit zwanzig Jahren eine landesweite Initiative gegenzusteuern und die Grundversorgung sowie das Zusammenleben in Kommunen mit weniger als 2000 Einwohnern abzusichern. Sie unterstützt gegenwärtig etwa 250 selbständige Gastronomen, aber nur wenn diese auch  bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Dazu gehört, dass sie täglich eine Auswahl an Speisen und Getränken aus der regionalen Produktion zu moderaten Preisen anbieten, und zwar das ganze Jahr über. Wenn es keine Lebensmittelgeschäfte mehr im Ort gibt, müssen die Bistrots diese Aufgabe mit übernehmen. Viele von ihnen fungieren auch als Verkaufsstellen für Zeitungen, Tabakwaren und Briefmarken. Daneben wird von ihnen erwartet, dass sie mindestens drei Mal im Jahr kulturelle Veranstaltungen organisieren und für ihre Gäste lokale touristische Informationen bereit halten.

Wer nach Frankreich fährt, kann sich leicht auf der Internetseite http://www.bistrotdepays.com einen Überblick über die Standorte verschaffen, unter anderem auf der Übersichtskarte http://www.bistrotdepays.com/bistrots-de-pays-carte/. Wir suchen bei unseren Planungen inzwischen gezielt nach diesen ländlichen Bistrots und nehmen für sie auch schon mal einen Umweg in Kauf.

Menüempfehlungen für den Juli

Im Jahr 2010 hat die UNESCO die französische Küche zum schützenswerten immateriellen Weltkulturerbe ernannt. Diese Anerkennung von höchster Stelle galt weniger den Spitzenleistungen von Köchen wie Paul Bocuse oder Alain Ducasse als vielmehr der ganz speziellen Kultur des Essens in Frankreich. Die UNESCO ehrte ausdrücklich das französische Menü mit seinen mindestens vier Gängen. Laut UNESCO fördere das traditionelle französische Essen das gesellige Beisammensein, die Freude an Aromen und die Balance zwischen Mensch und natürlichen Produkten. Der klassische Ablauf mit Apéritif, Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch, Käse und Kaffee finde nur noch selten statt und müsse deshalb als Kulturerbe besonders geschützt werden.

Dieser Auffassung möchte ich mich nicht nur ausdrücklich anschließen. In meinem neuen Blog werde ich vielmehr regelmäßig Menüvorschläge vorstellen, die erstmalig 1884 in einem Kochbuch mit dem Titel „LA CUISINE DE TOUS LE MOIS“  (Die Küche für alle Monate) veröffentlicht wurden. Wann und wie dieses alte Schätzchen in unseren Bücherschrank gelangt ist, lässt sich beim besten Willen nicht mehr feststellen. Es steht in einer Reihe mit alten Reiseführern und Wörterbüchern, die uns immer wieder gute Dienste leisten.  Im besagten Kochbuch stellte der Autor Philéas Gilbert mindestens sechs Menüs für jeden Monat des Jahres zusammen, jeweils drei für das Mittag- und für das Abendessen. Dazu  lieferte er selbstverständlich auch die genauen Rezepte der einzelnen Gänge und ergänzte seine Monatsempfehlungen durch Vorschläge, wie die Gemüse und Früchte der Saison haltbar gemacht werden konnten.

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Mir kommen seine Menüvorschläge wie kleine Gedichte vor, welche die Phantasie anregen, Erinnerungen an gesellige Stunden in Frankreich lebendig werden lassen und Bilder von schönen Orten herauf beschwören.

Die ersten Menüvorschläge  für den Juli lauten:

Menu de Déjeuner (Mittagsmenü)

Beurre – Macédoine – Sprotts à l`huile

Oeufs froids Germaine

Poitrine de veau farcie purée de pois verts

Poulet grillé à la Diable

Tomates frites

Flan de cerises meringue

Menu de Diner (Abendmenü)

Potage crème de Laitues

Carpe à la Juive (ou à l´Orientale)

Foie de Veau étuvé à la Briarde

Petite Dinde à la broche

Aubergines au gratin

Pudding de riz à la groseille

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Zwischen Pierrefonds und Compiègne – 3. Teil

im Schlosspark von Compiègne (c) Michael Kneffel

Das am anderen Ende des großen Waldgebietes liegende Compiègne haben wir bei dem sehr instabilen Wetter dann doch lieber mit dem Auto als mit dem Rad besucht, und zwar gleich mehrmals. In der hübschen und lebendigen Kleinstadt mit vielen Verwaltungseinrichtungen und großem Theater hat uns besonders das Schloss angezogen. Von seiner rückwärtigen Terrasse führt die 4,5 Kilometer lange schnurgerade Allée des Beaux Monts durch Garten, Park und Wald bis zu einem Aussichtshügel, dem Ziel- und Wendepunkt vieler Spaziergänger und Jogger. Auf den weiten Wiesen des Parks lassen sich bei schönem Wetter nicht wenige Bürger der Stadt nieder und genießen die Natur.

Über das schöne Senlis führte unser weitester Ausflug zum rund 50 Kilometer entfernten Schloss von Chantilly, das mit dem Museum Condé die größte Sammlung alter Gemälde außerhalb des Louvre beherbergt.

Musée Condé im Schloss Chantilly (c) Michael Kneffel

Fast noch eindrucksvoller als das Schloss selbst sind die Pferdeställe seines Reitgestüts aus dem Jahr 1719, die größten und prächtigsten der Welt – auch olfaktorisch ein umwerfendes Erlebnis. Besser hat es uns dann doch im Restaurant des Schlosses gefallen, das in der alten Schlossküche untergebracht ist. Hier soll 1671 Francois Vatel, Haushofmeister und Koch des Prinzen von Condé, die berühmte Crème Chantilly erfunden haben. Alle Gerichte im Restaurant sollen nach Original-Rezepten Vatels zubereitet werden, der zu den bedeutendsten Küchenmeistern seiner Zeit zählte. Kann sein, dass heute noch seine Rezepte verwendet werden, dann aber von weniger begnadeten Köchen. Unser Essen war eher mittelmäßig und konnte mit dem historischen Ambiente nicht mithalten.

Abteiruine in Soissons (c) Michael Kneffel

Von Besuchen des östlich von Pierrefonds gelegenen Soissons wird in vielen Reiseführern zwischen den Zeilen eher abgeraten. Diese uralte und für die Geschichte Frankreichs wichtige Stadt lag im ersten Weltkrieg 80 Tage lang auf der heftig umkämpften Frontlinie. Dabei blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Im Zuge des Wiederaufbaus hat sich um Soissons herum eine Menge Industrie und Gewerbe niedergelassen, was den Tourismus auch nicht gerade fördert. Einen Besuch wert sind jedoch allemal die Ruine der Abteikirche Saint-Jean-des-Vignes und das benachbarte Museum.