Ma douce France

Trouville-sur-Mer im Juli 2016 © Michael Kneffel
Trouville-sur-Mer im Juli 2016 © Michael Kneffel

Erinnerungen von Regine Möllenbeck

Beinahe das ganze Jahr 2020 und nun offenbar auch mindestens die erste Hälfte des Jahres 2021 bestimmt Corona in hohem Maße unseren Alltag, vor allem bestimmt es unser Reisen und, was schlimmer ist, unser Nicht-Reisen. Je mehr und je länger das wirkliche Verreisen mir versagt bleibt, umso mehr gehe ich dazu über, in Gedanken auf Reisen zu gehen.

Ein erster Impuls dafür war die Fernsehübertragung der Tour de France im Sommer 2020. Anders als in den Vorjahren hatte ich viel Zeit zuzusehen. Sportlich interessiert mich die Tour überhaupt nicht, aber ich habe trotzdem ganz gerne zugeschaut bei dieser Frankreichrundreise aus der Hubschrauberperspektive. Viele Streckenabschnitte waren so interessant, dass ich das ständige Reden über Radfahrer gut überhören konnte.

La Tour de France © Michael Kneffel
La Tour de France © Michael Kneffel

Die Tour de France im Sommer 2020 war ganz überwiegend im südlichen Teil Frankreichs unterwegs und damit in den Regionen, die ich zwar kenne, in denen ich aber schon ziemlich lange nicht mehr war. So manche Etappe hat deshalb bei mir Erinnerungen an längst vergangene Urlaube geweckt. Oft habe ich dann gedacht: es ist wirklich richtig schön da — um mich dann zu fragen: möchte ich noch einmal an all die Orte, die ich als schön in Erinnerung habe – vorausgesetzt man darf es wieder?

Inzwischen zieht es mich vor allem an die Atlantikküste, wegen ihres Lichtes, glaube ich, oder wegen der Farben oder wegen des Himmels oder wegen des Essens – oder weil dort einfach alles stimmt.

Ich freue mich schon sehr darauf, hoffentlich bald wieder hinfahren zu können.

Vor allem der Norden Frankreichs und seine Küsten, die von Nord-Pas de Calais, die der Picardie und der Normandie liegen doch ganz nahe, nur einen Katzensprung entfernt, wie man so sagt. Es ist so schade, dass man zur Zeit  noch nicht einmal eine solchen Katzensprung tun kann.

Bis es so weit ist, ist es eine nette Beschäftigung in Gedanken zu reisen und sich an viele schöne Orte zu erinnern, auch an solche, an denen ich vor langer Zeit war. Zahlreiche Begegnungen kommen mir wieder in den Sinn, denn sie gehören zum Urlaub ebenso dazu wie Landschaften und das Wetter.

Und warum schreibe ich es auf?

Aus Freude – Freude daran, mir durch das Aufschreiben selbst einen Anlass zu schaffen, an Frankreich und an Urlaub zu denken, und sicherlich auch aus Freude daran, mich in tendenziell eher langweiligen Corona-Zeiten mit etwas Schönem zu beschäftigen. Ich schreibe also eher für mich und wer mag, kann es gerne lesen. Im Sinne einer Gebrauchsanweisung möchte ich aber betonen, dass es lediglich meine Erinnerungen sind; ihnen wohnt kein Aufforderungscharakter inne, womöglich hinzufahren. Es scheint sich die Haltung zu verbreiten, man müsse ganz unbedingt gewisse Dinge tun oder eben auch bestimmte Orte besuchen, weil alle anderen es auch tun. In unseren Urlauben und vor allem auch in den großen Städten wundern wir uns über diejenigen, die auf uns wirken, als  seien sie eigentlich nur dort, weil ein Reiseführer sie denken läßt, dass sie ganz unbedingt hin müßten, wo sie nun tatsächlich auch sind. Sie stehen auf Plätzen und vor Aussichten, machen ein Photo, ein Selfie selbstredend, und auf uns wirkt es, als würden sie dabei vor allem in Gedanken einen Haken machen, im Sinne von „dagewesen-abgehakt“. Letztendlich scheint es ihnen recht egal zu sein, ob sie wirklich da waren, wo sie waren.

Diese Entwicklung befremdet mich, um es vorsichtig auszudrücken, und ganz bestimmt werde ich also von keinem Ort in Frankreich behaupten, man müsse dort hin. Man muss noch nicht einmal nach Frankreich, wer so drauf ist, ist nicht nur, meiner Ansicht nach, im falschen Film, sondern er wäre auch im falschen Land.

Michael ist sowieso dafür, dass wir gar nicht laut preisgeben, wo es uns bisher besonders gut gefallen hat – damit nicht so viele Menschen dort hin fahren. Nun ja, ganz ernst scheint er es doch nicht zu meinen, sonst dürfte er nicht so sehr von Les Sables-d’Olonne schwärmen.

Ein wenig sentimental gebe ich mich also meinen Erinnerungen hin und lasse vor meinem geistigen Auge noch einmal Revue passieren, was ich in inzwischen mehr als 50 Jahren von Frankreich so alles gesehen habe.

Wenn ich dabei, zumindest vage, der Chronologie folge, in der ich Frankreich kennengelernt habe, dann muss ich im Süden starten, werde mich anschließend in die Bretagne begeben, von dort in die Vendée und an die Küste Aquitaniens. Erst zum Schluss bringt mich diese Streckenführung dann an die Küsten im Norden, an die in Nord-Pas de Calais, die der Picardie und der Normandie. So oder zumindest so ungefähr entspricht es meiner sukzessiven Entdeckung des Landes, die sich lange hingezogen, aber immer wieder neue angenehme Überraschungen mit sich brachte.

Ein großes Land langsam kennenlernen

Als ich anfing, Frankreich zu bereisen, führten mich meine Fahrten zunächst immer in den Süden. Mein erstes französisches Reiseziel war Les-Saintes-Maries-de-la-Mer. Ich war damals 14 Jahre alt und mein Bruder war der Meinung, wir müßten unbedingt bei der procession à la mer dabei sein. Also sind wir hin – für zwei Tage übrigens, wahrscheinlich war die Fahrtzeit ungefähr ebenso lang wie der Aufenthalt. An die Prozession erinnere ich mich nicht mehr, wohl aber an unsere Anfahrt oder genauer an die Camargue, wie sie damals war. Über einen unbefestigten und nur knapp einspurigen Weg kamen wir nur langsam voran durch die sumpfige Camargue mit ihren Flamingos. Ich fand es abenteuerlich, aber großartig. In der Folgezeit habe ich die Richtung beibehalten. Frankreich war für mich zunächst das Languedoc und wenig später dann auch die Provence. Wobei diese Orts- bzw. Regionsangaben, zugegeben, recht grob sind und möglicherweise bei Geographen Kopfschütteln auslösen. Aber einen Alleingang mache ich bei dieser Einteilung wohl auch nicht, mindestens Kommissar Maigret weiß ich auf meiner Seite: in einem der Krimis sagt er auf einer Zugfahrt von Paris aus in den Süden in Valence, also ein wenig südlich von Lyon, dass sich Licht und Landschaft verändern, und nimmt das als klaren Hinweis darauf, dass nun die Provence beginne.

So sehe ich es auch und stehe deshalb zu groben räumlichen Einteilungen, die nicht unbedingt eindeutig ist. Mit den beiden regionalen Bezeichnungen Languedoc und Provence meine ich ganz bestimmt keine administrativen Einheiten, sondern Frankreichs Süden zu beiden Seiten der Rhône, und wenn ich dafür zwei Begriffe nutze, dann weil diese beiden Seiten, trotz mancher Ähnlichkeiten, aus meiner Sicht dennoch in ihrem Charakter sehr unterschiedlich sind.

Außer dem Languedoc und der Provence gibt es noch mehr Südfrankreich. Biarritz zum Beispiel ist selbstverständlich auch Südfrankreich, ebenso wie die gesamte südwestliche Atlantikküste und ihr Hinterland. Zwischen dem hübschen Badeort Soulac-sur-mer an der Mündung der Gironde und Saint-Jean-de-Luz kurz vor der spanischen Grenze liegen einige sehr beliebte Reiseziele, beliebt auch in meinem Freundeskreis, aber ich habe sie erst einigermaßen spät entdeckt. Weitere Regionen wie die Vendée, die Bretagne, die Normandie folgten noch später und die Picardie im Norden Frankreichs habe ich noch länger links liegen lassen. Bis ich mich dort erstmals umgesehen habe, war ich längst im Burgund und in Lothringen, an der Loire und der Dordogne, in den Alpen und den Pyrenäen. Eigentlich müßte ich mich, wenn es ginge, dafür bei Frankreich entschuldigen. Offenbar bin ich als Deutsche genau denselben Vorurteilen erlegen, die es auch in Frankreich selbst gegenüber dem Norden des Landes gibt. In den „Sch’tis“ und, noch ein bißchen giftiger, in „Ziemlich beste Freunde“ wird mit den Vorurteilen, die man dem Norden und seinen Bewohnern gegenüber hat, gespielt. Dabei ist jede Hochnäsigkeit dieser Region gegenüber reichlich unangemessen. Es gibt dort alles, was man von Frankreich erwartet: schöne Städte mit und ohne Kathedralen, Schlösser, die es mit Versailles aufnehmen können, mondäne ebenso wie bescheiden-stille Badeorte, traumhafte Badestrände und Landschaften, bei deren Anblick man sofort versteht, warum so viele Maler sie auf der Leinwand festhalten wollten.

Das alles ist province, lediglich Provinz also in einem Land, in dem Paris das eigentliche Maß der Dinge ist.

Paris habe ich parallel und Stück für Stück kennengelernt. Ich glaube, mit 16 Jahren war ich zum ersten Mal dort, zum Abschluss einer Klassenfahrt. Nachdem wir vorher 10 Tage lang in Besançon waren und dort ein straffes Programm unserer Klassenlehrerin absolviert hatten, waren wir noch drei Tage in Paris – und ich fürchte, ich habe damals weder die Stadt verstanden noch habe ich viel in Erinnerung behalten. Ich war danach in unterschiedliche Zeitabständen immer mal wieder dort, anfangs immer mit Leuten, die sich auskannten. Faszinierend und gleichzeitig irritierend fand ich, dass auch Menschen, die in Paris lebten, den Stadtplan studieren mußten, um in die Stadtteile zu gelangen, in denen sie mir etwas Besonderes zeigen wollten. Inzwischen weiß ich allerdings nur zu gut, dass Paris so groß und vielfältig ist, dass man wahrscheinlich schon froh ist, sich immerhin in dem Arrondissement, in dem man wohnt, auszukennen. Es hat viele Jahre gedauert, bis ich mir aus den sukzessive kennengelernten Versatzstücken einigermaßen ein Gesamtbild zusammensetzen konnte. Auch heute entdecke ich natürlich immer noch Neues, aber aufregend ist es auch, wenn ich gelegentlich überrascht feststelle, dass ich offenbar vor sehr lange Zeit schon einmal an derselben Stelle gewesen sein muss. Im Bereich des heutigen Centre Pompidou geht es mir zum Beispiel so. Ich weiß, dass ich in der Rue Coquillière die erste Zwiebelsuppe meines Lebens gegessen habe, zu einem Zeitpunkt, als die Markthallen noch standen oder zumindest Reste davon, und in einem China-Restaurant, das sich genau dort befunden haben muss, wo heute das Museum steht, habe ich gestaunt, als ich zum ersten Mal zugesehen habe, wie der Kellner die Rechnung auf das papierene Tischtuch geschrieben hat. Natürlich haben die Freunde, die mich dorthin – wo ich es übrigens ganz heftig unaufgeräumt bis runtergekommen fand – mitgenommen haben, gewußt, welche Veränderung Paris damals bevorstand. Ich habe es nicht verstanden, verstehe es aber heute. 

So alt, dass ich mich an die Drehorte von Irma la Douce noch erinnern würde, bin ich nun auch wieder nicht, aber dass es an dem seltsamen und heute etwas unwirtlichen Loch Forum-Les Halles mal ganz anders ausgesehen hat, daran erinnere ich mich.

Leichte Wehmut

Wenn ich – wie z.B. bei der Gelegenheit einer Tour de France-Berichterstattung – einmal wieder an die Durance oder in die Cevennen geführt werde, kommt mir der Gedanke, ich könnte doch einmal wieder hinfahren, wo es mir seinerzeit gefallen hat; aber ich werde es wohl nicht tun.

Einerseits weil es immer noch genug Neues zu entdecken gibt. Andererseits und vor allem aber weil ich es lieber bei schönen Erinnerungen belassen möchte.

Das heißt nicht, dass ich die inzwischen eingetretenen Veränderungen – sofern ich sie überhaupt alle und alle im Detail kenne – schlecht finde, ganz und gar nicht. Meine ersten Begegnungen mit Frankreich liegen immerhin mehr als 50 Jahre zurück, es wäre schlimm, hätte sich nichts verändert. Manche Stadt habe ich, ehrlich gesagt, ziemlich heruntergekommen kennengelernt; gut, dass sie inzwischen umfassend saniert wurden. Der Ausbau des Verkehrsnetzes ist für die Menschen, die in Regionen leben, die früher wirklich völlig abgehängt bis beinahe unerreichbar waren, sicherlich ein Gewinn. Aber das heißt ja nicht, dass ich es, schön finden muss, wenn ich so manchen Ort, den ich als lebendiges kleines Städtchen kennengelernt habe, jetzt zwischen lauter Umgehungsstraßen und hinter Lidl- und Aldifilialen gelegen, kaum noch wiederfinde.

Als am bedauerlichsten empfinde ich, dass in so vielen kleinen Orten heute fehlt, was meines Erachtens doch eigentlich ganz zwingend dazu gehört: die Bar-Tabac oder das Bistrot und all das, was nicht nur Touristen, sondern eigentlich auch die Franzosen und Französinnen selbst für ihre Lebensart und Alltagskultur halten.

Solche Veränderungen gibt es nicht nur in Frankreich, in Deutschland machen wir ja dieselbe Entwicklung durch – hier verschwindet zwar keine Bar-Tabac, aber das ja nur, weil es sie hier nie gegeben hat. Im Prinzip passiert aber genau dasselbe, in ländlichen Bereichen und in den Städten ebenso.

Es ist wohl der Lauf der Dinge. Das kann man sehr bedauern, aber daran ändern kann man derzeit recht wenig. Selbst wenn ich während meines Urlaubs im letzten noch verbliebenen Lebensmittelladen im Ort einkaufe, davon wird der kleine Laden nicht bestehen können gegen die Konkurrenz des Hypermarché draußen am Kreisverkehr.

Aber dennoch: solange und wo ich es mir aussuchen kann, möchte ich nicht gerne in Orten Urlaub machen, die so gar nichts mehr von dem haben, weswegen ich nach Frankreich fahre.

Wir freuen uns, wenn wir noch irgendwo ein bißchen von dem Frankreich finden, das wir so gerne mögen. Ein Café, ein Bistrot alter Art, ein Restaurant, in dem es einen bezahlbaren plat du jour mit regionaler Küche gibt, und insgesamt eine Atmosphäre, die einen glauben läßt, dass wir von recht normalen Französinnen und Franzosen umgeben sind, die einen Lebensstil pflegen, den wir als „französisch“ empfinden.

das wunderbare kleine Restaurant Les Platanes in Poilhes © Michael Kneffel
das kleine Restaurant Les Platanes in Poilhes © Michael Kneffel

Ich habe nicht vor, jetzt politisch korrekt klarzustellen, was an solchen Vorstellungen und Zuschreibungen Klischee und was Wirklichkeit ist; das haben andere schon ausführlich und richtig gut gemacht,  Ulrich Wickert z.B. in seinem Frankreich-Buch – dessen Untertitel bezeichnenderweise „wunderbare Illusion“ heißt. Deutlich kürzer als Wickerts ganzes Buch, aber beinahe ebenso gut ist die Einleitung zum Photoband „Maigrets Frankreich“. Der Bildband versammelt die vielen alten schwarz-weiß Photos von Robert Doisneau, Henri Cartier-Bresson, Willy Ronis und ihren Kollegen, die zu Klassikern geworden sind und die unsere Vorstellungen von Frankreich stark geprägt haben. Das Frankreich der Photos gibt es auch als Musik, Charles Trenet z.B. hat es oft besungen und nennt es La Douce France. Die Bilder und diese Musik sind im letzten Jahrhundert entstanden und es ist vielleicht ein bißchen viel verlangt, heute noch die Atmosphäre finden zu wollen, die sie seinerzeit eingefangen haben. Aber letzte Ausläufer gibt es noch und wir freuen uns, wenn wir sie finden. Wir haben mehr als einmal erlebt, wie Jung und Alt mitsingt bei den Chansons von Trenet und erst recht bei denen von Edith Piaf, um nur ein Beispiel dafür zu geben, was einem an einem klassischen Urlaubsort in Frankreich abends auf der Promenade passieren kann. Vielleicht ist es nicht immer der schönste Gesang, aber uns gefällt er und er ist in der Regel Hinweis darauf, dass wir uns an einem Wohlfühlort befinden.

Und an solche Wohlfühlorte erinnere ich mich natürlich ganz besonders gern.

Frankreichs Süden  östlich der Rhône

Nizza war Startort für die Tour de France im Sommer 2020. Keine schlechte Idee, dort anzufangen. Die Provence gilt ja vielen als die Region schlechthin, in der es sich leben läßt „wie Gott in Frankreich“. Jedes Jahr aufs Neue schaffen es die Kalenderverlage problemlos, eine Auswahl traumhafter Bilder zusammenzustellen von Lavendelfeldern, von verwunschenen Dörfern, die wie Adlerhorste am Berg kleben, und von farbkräftigen Marktauslagen mit allen für die französische Küche typischen Köstlichkeiten. Während in den 80er Jahren über die Toskana-Fraktion öffentlich gelästert wurde, saßen die wahren Genießer in der Provence, um genau zu sein: überwiegend saßen sie im Luberon. Und auch heute noch wohnt, wer es sich leisten kann, gerne dort, manche still und leise und von der Öffentlichkeit unbemerkt wie z.B. der oben schon zitierte Ulrich Wickert, und manche aufgeregter und großen Wirbel um sich selber machend wie z.B. Angelina Jolie und Brad Pitt es eine Weile taten. Sie alle wissen schon, warum sie dort wohnen: weil es dort traumhaft schön ist. Auch ohne es in den letzten Jahren mit eigenen Augen gesehen zu haben, bin ich sicher, dass es nach wie vor so ist. Die Liste der plus beaux villages für diese Gegend ist ausgesprochen lang; in der Provence ist ein Ort schöner als der andere. Uns hat es an vielen Orten sehr gefallen und ich könnte hier eine lange Namensliste von Orten folgen lassen, die mich beeindruckt haben. Ich könnte alphabetisch vorgehen und bei Aix-en-Provence beginnen. Aix-en-Provence gefällt mir, weil es ein Ort ist, in dem nicht nur der Markt Bilderbuchcharakter hat, vor allem aber weil es ein lebendiger Ort ist, mit dem ganz normalen Leben einer Universitäts- und Verwaltungsstadt. In den Straßen und Cafés gibt es nicht nur Touristen, sondern auch Aixois. Irgendwann würde ich dann, nachdem ich zu vielen großen und kleinen Orten etwas Nettes geschrieben haben würde, in Vaison-la-Romaine angekommen sein. Allerdings ist es gar nicht mein Ziel, Vollständigkeit zu erreichen, und so funktioniert Reiseerinnerung ja auch nicht, jedenfalls nicht bei mir. Sie ist nicht systematisch und sie ist auch nicht objektiv. Das Erleben ist ja auch nicht objektiv, im Gegenteil. Wie man einen Ort wahrnimmt, ist ganz subjektiv. Es hängt von mir selbst ab, was ich sehe und wie ich es erlebe. Oft spielt auch der Zufall eine Rolle, zum Beispiel die Tageszeit, zu der man ankommt. Der Charme eines Ortes erschließt sich vielleicht nicht sogleich, wenn man gerade die Zeit des Tages erwischt, zu der der Müll schon vor die Tür gestellt, aber noch nicht abgeholt ist. Und ebenso gilt, dass die Caféterrasse, auf der man am ersten warmen Tag nach einem eisigen Mistral den Kaffee trinkt, sehr gute Chancen hat, sich für lange Zeit positiv im Gedächtnis zu verankern.

Was mich an Orte und Landschaften gerne zurückdenken läßt, ist also nicht unbedingt das, was der Reiseführer groß herausstellt und oft sind es auch in Touristenhochburgen eher Kleinigkeiten am Rande, die in Erinnerung bleiben. Das gilt zum Beispiel für Isle-sur-la-Sorgue. Auch uns hat der Ort, wie alljährlich viele Touristen, begeistert. Reiseführer nennen ihn „das Venedig der Provence“, da kann man vermuten, dass es viele Gründe gibt, begeistert zu sein. Außer der schönen Lage am Fluss sind es auch die zahlreichen Antiquitätenhandlungen, die ganzjährig geöffnet sind; zur Osterzeit bilden sie die Rahmung für einen riesigen und vorzüglichen Antiquitätenmarkt, zu dem man von weither anreist. Es ist wirklich ein Ereignis, das den Besuch lohnt, aber das I-Tüpfelchen war aus unserer Sicht, dass wir am Rande des Trubels ein Bistrot entdeckt haben, das uns glauben ließ, dass es in der Gegend nicht nur Engländerinnen und Engländer gibt, sondern auch noch einige Franzosen. Die Normalität neben der großen touristischen Aufregung hat uns beinahe am meisten gefallen.

Und wenn ich mich bis heute an Cotignac erinnere, ein kleines Dorf, zu dem es eigentlich nicht viel zu sagen gibt, dann auch wegen einer Wahrnehmung am Rande. Wir waren einmal am Markttag dort und es hat uns gefallen; deshalb sind wir ein paar Tage darauf noch einmal losgefahren, beim zweiten Mal allerdings von unserer Ferienunterkunft aus mit dem Fahrrad, recht gemächlich durch die Weinfelder. In Cotignac hatten die Restaurants ihre Terrassen erweitert um Flächen, die vorher mit Marktständen belegt waren. Es herrschte auch ohne den Markt reges Leben, aber es war viel angenehmer und erst bei diesem zweiten Besuch haben wir den Ort dann wohl richtig entdeckt und sind dabei auf eine schöne alte Quincaillerie gestoßen, wie es sie wohl nur in Frankreich gibt.

Aber es ist nicht so, dass ich mich womöglich nur an Bistrots und alte Quincaillerien erinnere. Einen wirklich starken Eindruck haben auf mich natürlich auch die drei Zisterzienser-Klöster gemacht, die man die drei Schwestern der Provence nennt. Als erste Anlage haben wir die von Senanque kennengelernt, wahrscheinlich die bekannteste der drei. Auf den meisten veröffentlichten Photos dient ein blühendes Lavendelfeld als Vordergrund, in der Realität ist die Klosteranlage auch bei abgeerntetem Feld großartig. Am besten ist es, hinzuwandern; dann erspart man es sich, sich im Pulk mit Reisebussen über die engen Straßen zu schlängeln, und man kann an schönen Aussichtspunkten schon vorher eine Blick auf die Anlage tun. Es ist wirklich erstaunlich, welche Friedlichkeit und Ruhe Zisterzienser-Klöster ausstrahlen, das ganz touristische Drumherum kann ihnen nichts anhaben, so scheint es.

Das gilt auch für die beiden Schwestern, die etwas weniger bekannt sind, Silvacane und Thoronet. Auch sie entfalten mit der Schlichtheit, den alte Zisterzienserklöster eben haben, einen besonderen Charme. Egal was um sie herum los ist, sobald man die Klöster betritt, fühlt es sich an wie völlige Weltabgeschiedenheit. Nach Thoronet konnten wir seinerzeit von unserer Unterkunft aus auch mit dem Fahrrad fahren, und wir haben es gerne und wiederholt getan.

Je mehr ich mich darauf einlasse, umso mehr Erinnerungen steigen wieder auf. Immerhin waren wir wirklich häufig in der Provence, wir haben Vieles gesehen und es ist Vieles in guter Erinnerung geblieben. Auch wenn ich es lange nicht mit eigenen Augen gesehen habe, so bin ich doch sicher, dass es dort immer noch alles recht schmuck ist, manches vielleicht sogar noch schöner als wir es gesehen haben, denn inzwischen werden noch weitere der schönen alten Häuschen aufgekauft und saniert worden sein, nicht unbedingt nur von Franzosen, vielleicht noch nicht einmal überwiegend – schon vor vielen Jahren haben Fans der Gegend aus England, Schweden, den Niederlanden etc sich eingekauft und wieder auf Vordermann gebracht, was sie teilweise schwer baufällig vorgefunden haben.

Würde ich noch einmal hinfahren, dann auf jeden Fall wieder, wie wir es meist getan haben, im Frühjahr. Für viele gehört zur Provence unbedingt der blühende Lavendel und er sieht auch tatsächlich grandios aus, aber uns war der Sommer meist viel zu warm. Umso mehr gefiel es uns im Frühjahr. Die zeitlich glücklichste Fügung war, anzukommen an einem der Tage, an denen der Mistral noch kalt durchs Land blies. Währenddessen bleibt die Natur nämlich gewissermaßen noch in Deckung, um dann, kaum dass der Wind sich gelegt hat, geradezu zu explodieren. Alles beginnt in einem Tempo zu sprießen, dass man den Blättern beim Wachsen zusehen kann. Selbst wenn uns der Klimawandel inzwischen ja auch in unseren Breiten manchen sommerlichen Tag schon im Februar und März beschert, die Pflanzenwelt, die Insekten und die Gerüchte sind in Frankreichs Süden wohl doch noch andere.

und westlich der Rhône

Dass wir das Erwachen der Natur im Frühling ganz besonders genossen haben, gilt nicht nur für die Provence, sondern gleichermaßen auch für den rechts der Rhône gelegenen Teil Südfrankreichs.

Ohnehin gilt Vieles, was für Provence beschrieben wird, auch für die Landschaften auf der anderen Seite der Rhône. Trotzdem sind sie weit weniger bekannt. Der Südwesten galt vielen Urlaubern lediglich als Transitregion auf dem Weg nach Spanien und die schwärmerischen Assoziationen mit „Südfrankreich“ beziehen sich überwiegend auf die Côte d’azur und die Provence. Zu Unrecht, finden wir, das Languedoc hat viel zu bieten – Orte, Landschaften, Baudenkmäler und Ambiente sowieso: wenn Filmteams auf der Suche nach Kulissen für einen „Provencefilm“ sind, werden sie oft im Languedoc fündig. Leben wie Gott in Frankreich kann man nämlich auch auf dieser Seite der Rhône bestens.

Das Languedoc ist, jenseits des unmittelbaren Küstenstreifens, mit seinen Flüssen und deren Schluchten, die sie in das Kalkgestein gegraben haben, mitunter nur schwer zugänglich. Als wir es kennengelernt haben, was es noch weit abgeschiedener als es heute ist. Gerade diese Abgeschiedenheit hat uns oft besonders beeindruckt. Nicht nur bei mancher Wanderung, sondern auch vor durchaus berühmten Bauwerken stehend konnte man sich einbilden, beinahe allein zu sein mit dem Schönen, dem man begegnete.

Ein wahrhaftig berühmtes Bauwerk ist der Pont du Gard. Ich glaube, dass beinahe jede Frankreich-Broschüre, auch wenn sie nur ein einziges Photo aus Frankreichs Süden haben sollte, eine Abbildung des Pont du Gard zeigt. Bevor ich ihn zum ersten Mal tatsächlich gesehen habe, hatte ich folglich auch bereits in meinem Schulbuch ein Bild von ihm gesehen. Davor, darunter und darauf zu stehen war dann unglaublich beeindruckend. Damals, vor mehr als 45 Jahren, gab es keinerlei touristische Infrastruktur rundherum, weit und breit nicht. Es gab nichts als den Fluss, manchmal kahles und überwiegend bewaldetes Kalkgestein und die drei Etagen übereinander besterhaltener Torbögen, die die Römer im 1. Jahrhundert hier in die Landschaft gebaut haben. Ich fand und finde es immer noch unglaublich beeindruckend. Den Anblick einfach nur still zu genießen, ist der beste Umgang damit.

Das Languedoc hat noch ein weiteres Baudenkmal, das man ebenso als technisches Meisterwerk bewundern muss und das darüberhinaus insgesamt eine unvergleichliche Atmosphäre schafft: den Canal du Midi. Im 17. Jahrhundert ist der Kanal gebaut worden, vom Mittelmeer nach Toulouse, über 200 Kilometer ist er lang, er überwindet Berge, führt über Flüsse hinweg, kann damit umgehen, dass Wasserläufe in ihn einmünden, führt angemessene Wassermengen im heißesten Hochsommer ebenso wie nach heftigem Regen – und funktioniert bis heute. Vor dieser Leistung stehe ich staunend. Und was noch schöner ist: es ist ausgesprochen schön am Kanal. Man kann an ihm entlangradeln oder -spazieren, man kann sich, zum Beispiel in Le Somail, auf eine der alten Brücken stellen und den Anblick genießen. Wenn man so viel Glück hat wie wir vor vielen Jahren und eine schöne Ferienunterkunft am Canal findet, kann man auch einfach dort sitzen und stundenlang schauen, zwischendurch kann man den Kopf etwas heben und sieht in der Ferne die Pyrenäen. Am Kanal werden Hausboote verliehen, mit denen man ihn entlang fahren kann. Das bringt in der Saison an bestimmten Tagen ein bißchen Betriebsamkeit mit sich. Aber offenbar geschieht die Ausleihe an einem festen Wochentag. So fahren dann fast alle am selben Tag los und wenn sie durch sind, ist wieder Ruhe. Dann kann man die ganz besondere Atmosphäre an diesem sich durch die Landschaft schlängelnden Band aus Wasser, Platanen und Pinien wieder genießen.

Wenn ich mich zurückerinnere an Aufenthalte im Languedoc, dann habe ich nicht nur den Canal du Midi, sondern die Bilder gleich einiger Flüsse und Flusslandschaften vor meinem geistigen Auge, den Hérault, die Cèze, die Vis, wie auch immer sie heißen mögen. Sie haben sich tief eingegraben in das Karstgestein und dabei Spektakuläres geschaffen, tiefe und enge Schluchten oft oder auch so Verrücktes wie den Cirque de Navacelles, wo das Wasser einen beinahe kreisrunden Ring ausgewaschen hat, in dessen Mitte ein Felsen stehen geblieben ist. Wir haben viele schöne Wanderungen unternommen. Seinerzeit war man schnell als Tourist zu erkennen, allein daran, dass man zu Fuß in der Natur unterwegs ist. Das hat sich inzwischen geändert. Zumindest am Wochenende ist das Wandern auch zum Sport der Französinnen und Franzosen geworden, von daher sollte man am Samstag und Sonntag die Klassiker unter den Wanderrouten eher meiden, aber das kann man ja: es gibt jede Menge Alternativen.

Außerdem ist es auch nicht so, als sei das Lanquedoc etwa nur weites Land und karstige Landschaft. Das ist ganz und gar nicht der Fall, auch hier gibt es sehr schöne Städte und Städtchen, vielleicht nicht solch mondäne wie Cannes oder Saint Tropez, aber dafür durchaus spektakuläre, wie Carcassonne, dessen mittelalterlicher Ortskern komplett noch so aussieht, als könne jeden Augenblick d’Artagnan auf seinem Pferd um die Ecke biegen.

Meine Lieblingsstadt ist allerdings Montpellier. Mindestens die Ansicht der Place de la Comédie ist ebenso schön wie Paris – jedenfalls finde ich das. Schon als 17Jährige hat es mir dort gefallen, mit damals noch unsanierter Altstadt und Autoverkehr vor Opéra und Comédie. Damals kannte ich Paris noch kaum, das kann meine Bewertung von Montpellier beeinflusst haben. Aber wahrscheinlich wäre Paris mir als 17- und 18Jährige eine Nummer zu groß gewesen; Montpellier war klein genug, um es einigermaßen überschauen zu können, und hatte trotzdem, als Stadt mit großer Geschichte und berühmter Universität, alles, was ich mir damals unter französische Lebensart vorstellte. Und so habe ich mich unter den vielen Studentinnen und Studenten damals schnell wohlgefühlt.

Mit der Sanierung und der Verbannung der Autos aus der Altstadt hat Montpellier aus meiner Sicht enorm gewonnen. Wir haben später dann auch noch Antigone kennengelernt, eine modernere Erweiterung der Stadt in Richtung Küste, wobei der neu gebaute Stadtteil, durch den wir vor vielen Jahren gelaufen sind, offenbar erst ein kleiner Anfang war im Vergleich zu dem, was daraus inzwischen geworden ist. Es sind seither nicht nur deutlich mehr Gebäude geworden, vor allem scheint es eine Ansammlung von optisch interessanter Architektur und Umsetzung von Konzepten für nachhaltiges Bauen zu sein. Auch darüber hinaus habe ich, aus der Ferne und wenn ich gelegentlich französische Radiobeiträge höre, den Eindruck, dass sich in Montpellier viel entwickelt und die Stadt mehr als nur einen Modernisierungsschub durchgemacht hat seit ich zum letzten Mal dort war – vielleicht sollte ich mal wieder hinfahren und nachsehen, wie es heute dort aussieht.

weiter nördlich

Das Périgord schließt sich nördlich an und ist nicht mehr Languedoc, aber durchaus auch Südfrankreich. War die Region und die sie durchfließende Dordogne früher eher ein Geheimtipp, vor allem  unter Kanufahrern, so hat diese Gegend inzwischen, wie so viele Regionen Europas, dank einer Serie von Krimis gewisse Bekanntheit erlangt. Die Büchertische in den Buchhandlungen klären mich darüber auf: für das Perigord muss niemand mehr werben, der britische Schriftsteller Martin Walker tut es offenbar gründlich, mit Krimis und mit diese ergänzenden Kochbüchern. Ich habe nichts davon gelesen, weiß aber aus eigener Erfahrung, dass es im Perigord malerische Orte gibt, dass man dort gutes Essen liebt und leckere Getränke. Ich habe also eine Vorstellung davon, worum es in den Büchern gehen mag. Wahrscheinlich hat sich herumgesprochen, dass es dort leider immer noch üblich ist, Gänse recht qualvoll zu stopfen, um foie gras zu produzieren, immerhin gibt es aber inzwischen auch landwirtschaftliche Betriebe, die das ablehnen. Gänse zu essen kommt für uns ja sowieso nicht in Frage, und eine gestopfte Entenleber noch viel weniger. Wir freuen uns über Walnüsse, und davon gibt es dort reichlich. Was die Urlaubserinnerungen angeht, gibt es für die Region Dordogne bei uns einen eindeutigen Favoriten. Anders als Freunde uns vorhergesagt haben, ist es nicht die mehrtägige Paddeltour geworden, die möchte ich lieber vergessen, sondern unser Aufenthalt in Aillac. Die drei Musketiere als open air-Theateraufführung im Ortskern von Sarlat, das hatte was. Aber für die schönsten Überraschungen haben unsere damaligen Nachbarn gesorgt. Wir sind in diesem kleinen Ort von unserer Nachbarschaft unglaublich freundlich aufgenommen worden, wie Familienangehörige. Michael wurde zu seiner ersten Mountainbiketour mitgenommen – unsere Nachbarn hatte gerade neue tous-terrains Räder und Michael sollte kennenlernen, wie es ist, quer durchs Gelände zu fahren. Außerdem reservierte man für uns einen Platz an der Strecke der Tour de France, die ganz in der Nähe vorbeiführte, und so konnten wir diese sehr besondere und wahrscheinlich urfranzösische Mischung aus Karnevalszug und Sportereignis hautnah miterleben – wir saßen in der Ebene, die Radfahrer waren deshalb in Sekundenschnelle durch, aber das Aufgebot an Wagenkolonnen mit Werbung für alles Mögliche und noch mehr Unmögliches hat uns nachhaltig beeindruckt. Beeindruckende Mückenstiche hatte ich in dem Urlaub allerdings auch, aber die schönen Erinnerungen überwiegen deutlich.

Um mich weiter entlang bedeutender Flüsse durch Frankreich zu arbeiten: an den noch weiter nördlich fließenden Fluss zieht es die Menschen nicht wegen einer Krimiserie. Die Loire braucht eine solche Werbung nicht. Ihre Schlösser sind schon immer ein Touristenmagnet und das aus gutem Grund. Chambord, Blois und Amboise.… fast ist jedes einzelne der Schlösser die Reise nach Frankreich wert, und ihre Reihung entlang der Loire macht sie noch beeindruckender. Im Halbbogen, den die Loire von Blois über Orléans bis Gien beschreibt, liegt die Sologne, eine ruhige Wald- und Heidelandschaft ohne Touristen, die uns mindestens ebenso gut gefallen hat.

Mann mit Rad vor Chambord (c) Michael Kneffel

ganz anders: die Bretagne

Weil es uns, zumindest in den Sommerurlauben, in den Regionen, in denen wir bis dahin unterwegs waren, sehr oft zu warm war, folgten wir dann doch mal dem Hinweis, wir sollten in die Bretagne; dort sei es kühler.

Kühler war es nur selten, aber eine Entdeckung.

Dass sich die französischen Regionen ganz erheblich voneinander unterscheiden und man sich nicht einbilden sollte, Frankreich zu kennen, wenn man dessen Süden bereist hat, wußten wir natürlich, aber die Bretagne ist wirklich noch einmal etwas ganz Eigenes. Das wird schnell erkennbar, wenn man die Namensschilder der Orte ansieht: Bretonisch ist definitiv nicht französisch. Auch wenn es in anderen Regionen sehr eigene Dialekte gibt, vor allem das im Süden teilweise wieder belebte Okzitanisch, bislang war mir kein Dialekt gänzlich fremd. Die Sprachen des Südens sind immerhin auch romanische Sprache und damit irgendwie herleitbar, aber Bretonisch ist eine keltische Sprache, womit viele Ortsnamen für mich einfach nur zu Zungenbrechern werden. Ebenso wie die Sprache ist auch manches andere wirklich ganz anders, so anders, dass das übrige Frankreich lange so getan hat, als würde die Bretagne gar nicht dazu gehören. Im französischen Fernsehen pflegt allabendlich eine chice Dame vor der Frankreichkarte stehend das Wetter für den nächsten Tag zu beschreiben. Immer steht sie auf der linken Seite der Karte, weshalb sie, während sie liebevoll erklärt, wie das Wetter in Paris, Nizza und auf Korsika wird, mit ihrem Körper die Bretagne komplett verdeckt. Ich empfinde das als einigermaßen vielsagend: das Fernseh-Frankreich interessiert sich recht wenig für die Bretagne und die Bretagne interessiert sich recht wenig für das Fernsehwetter, hier ist man meist so nah mit der Natur verbunden, dass man ohnehin besser als die chice Dame weiß, mit was man am nächsten Tag zu rechnen hat.

Inzwischen haben sich Frankreich und die Bretagne aneinander angenähert.

Es gibt zwei TGV-Strecken, sicheres Zeichen dafür, dass es auch in Paris ein Interesse daran gibt, in die Bretagne zu gelangen, offenbar sowohl um dort Urlaub zu machen als auch um dort zu leben. Es hat sich wohl bis nach Paris rumgesprochen, dass man an den Stränden der Bretagne, vor allem ganz im Westen, auch trendigen Sportarten nachgehen kann, jedenfalls ist die Bretagne inzwischen als Urlaubsregion durchaus angesagt. Außerdem hat sie nicht die schlechtesten Wirtschaftsdaten aufzuweisen, in einigen Regionen sind jede Menge IT-Arbeitsplätze entstanden. In der Bretagne zu leben ist auch für junge Familien eine Option.

Uns gefällt die Südseite der Bretagne am besten, oder genauer: die Cornouaille. Das ist der südwestliche Teil des westlichsten Departments, dem Finistère, also dem „Ende der Welt“. Auch wenn es sich liest, wie aus der Broschüre der Touristenbüros, es stimmt trotzdem: lange Strände mit feinstem Sand, felsige Küstenabschnitte, malerische Fischerhäfen, schöne Städtchen und eine nach wie vor lebendige Tradition, die mit Umzügen und großen Festen vor allem im Sommer öffentlich gezeigt wird. Es ist die Heimat der Bigoudenfrau, der fröhlich tanzenden Dame in Tracht mit hoher Haube, die als Aufkleber inzwischen auf Autos aus allen französischen Regionen klebt. Ihre Lebensfreude scheint ansteckend und die Feste, die wir bislang besucht haben, haben uns begeistert. Bei der Planung eines Sommerurlaubs sollte man durchaus den Veranstaltungskalender vorher beachten. Das Highlight ist sicherlich das Festival der Cornouaille in Quimper, das eine ganze Woche lang bretonische Kultur auf durchgängig hohem und auch höchstem Niveau bietet.

Dabei ist Quimper auch schon ohne Festival eine unbedingt besuchenswerte Stadt: als alte Bischofsstadt mit Kathedrale und als Wirtschafts- und Verwaltungszentrum der Region ist Quimper schon recht groß und man kann in den Gassen mit alten Fachwerkhäusern und prächtigen Granitsteinhäusern interessante und manche witzige Entdeckung machen. Hier pflegt man bretonisches Kulturerbe und macht sich gleichzeitig einen Spaß damit.

Den Urlaubsort für unseren ersten Bretagneaufenthalt haben wir damals vollkommen auf gut Glück gewählt, haben dabei aber offenbar alles richtig gemacht. Wir haben eine Bretagne vorgefunden, wie wir sie uns kaum schöner vorstellen können, und Vieles von dem, was uns bis heute, nachdem wir inzwischen noch weitere Bereiche der Bretagne, auch ihren Norden, kennen, am besten gefällt, war ganz in der Nähe unserer hübschen Unterkunft: Concarneau mit seiner ville close und Pont Aven, vor allem aber die vielen noch viel kleineren Orte oder manchmal auch nur Ansammlungen von schmucken reetgedeckten Häusern. Auf unseren Fahrradtouren waren wir immer wieder begeistert von den meist nur kleinen Granitsteinhäusern, die kaum höher schienen als die Reihen blühender Hortensien oder Stockrosen davor.

Kerascoët und Kercanic sind zwei kleine Örtchen, die nahezu komplett aus solchen hübschen Häusern bestehen. Manchmal macht auch die besondere Lage den Reiz aus. Das gilt zum Beispiel für Kerdruc; es ist kaum mehr als eine Stichstraße zu einem ganz kleinen Hafen am Aven. An der Anlegegestelle dort gibt es ein Restaurant mit großartiger Aussicht — wobei, vielleicht hätte sich der Ort in unserer Erinnerung trotzdem nicht so lange gehalten, hätte es nicht über unseren Köpfen ein ungewöhnliches Spektakel gegeben, das die vom reichlichen Verzehr überreifer Feigen offenbar strunksbesoffenen Stare im Baum über uns veranstaltet haben.

Unsere Urlaubsunterkunft lag auf dem Gebiet der Gemeinde Nevez, eigentlich ebenfalls ein kleiner Ort, aber dennoch Oberzentrum des Gebietes. Der Ort macht seine touristischen Punkte mit den auffallenden Häusern aux pierres débout, Häuser aus aufrecht stehenden Steinen. Was sich seltsam anhört, sieht in der Realität sehr hübsch aus: die Häuser sind aus schmalen Granitsteinen gebaut, die so hoch sind wie die flachen reetgedeckten Häuser. Die Außenmauern sind parallel nebeneinander aufgereihte aufrecht stehende Steine, wie der Name es schon sagt. Jedes Haus für sich, mit farbig gestrichenem Holzfensterläden und Stockrosen an der Mauer entlang, ist ein perfektes Postkartenmotiv. In unserem ersten Urlaub in der Gegend gab es in Nevez zudem gleich mehrere gute Restaurants, besonders gerne möchten wir eines, in dem nicht nur die fruits de mer sehr gut, sondern auch die Besitzer so freundlich waren, uns deren richtiges Zerlegen zu zeigen.

Die Feste, die wir miterleben konnten, haben wir als echte Höhepunkte unserer Urlaube in Erinnerung. Meist kamen die besten Trachtenvereine der halben Bretagne zusammen. Es gab Musik und diverse Tänze. Mancherorts wurde darüber hinaus altes Handwerk präsentiert, und natürlich gab es reichlich zu essen und zu trinken: gegrillte Sardinen oder Muscheln und bretonischen Kuchen. Das hört sich vielleicht nicht so aufregend an, aber anders als etwa beim sogenannten Oktoberfest mitten in Rüttenscheid spürte man auf diesen Festen, dass die Macherinnen und Macher, die, die den Kuchen selbst gebacken hatten, die, die die Sardinen auf den Grill legten, und grad erst recht die, die in den Trachten ihrer jeweiligen Regionen die Tänze ihrer Region zeigten, stolz auf ihre Geschichte waren und sind und den Touristen mit diesem Stolz und mit Spaß etwas von dieser Geschichte zeigten.

Beinahe hätte ich es vergessen: schöne Strände gibt es auch noch. Wir werden wahrscheinlich nie den Ausruf eines kleinen Mädchens vergessen, das, als es den Strand von Raguénez erblickte, begeistert ausrief: Papa, il y a une superplage, plein de sable! Wer weiß an welchen Kieselstränden die Familie bis dahin Urlaub gemacht hat – hier jedenfalls, das hat das Mädchen schnell erkannt, gibt es allerfeinste Sandstrände. Und damit das nicht langweilig wird, gibt es auch jede Menge Klippen und Felsen, zwischen denen bei Ebbe Jung und Alt rumkrauchen.

Mit anderen Worten: es gibt alles, was man für einen schönen Sommerurlaub braucht, Strände, schöne Häuser, kleine alte Kirchen, Menhire, Kalvarien, Leuchttürme (auf dem Festland zumindest einen: den Phare d’Eckmühl),  idyllische Flusslandschaften, vor allem entlang von Aven, Odet und Bélon, es gibt Austern und sardines grillées, ganz besonderes Licht, Wasser und Wellen für alle, die Spaß daran haben …. und bestimmt gibt es immer noch Einiges zu entdecken, was wir seinerzeit nicht gesehen haben.

Einen Geheimtipp gebe ich hier wahrhaftig nicht preis. Seit Herr Bannalec, der nicht so heißt, sondern sich nur als Autor seiner Bretagne-Krimis so nennt, diese Region einem großen deutschen Lesepublikum nahe bringt, scheinen die Deutschen in Scharen dort Urlaub zu machen. Ein wenig ärgert es mich, wie da jemand mit eher mäßigen Krimis, bei denen er auch noch überdeutliche Anleihen bei Simenons Maigret macht – Georges Simenon hat seinen Kommissar Maigret bereits 1931 im Restaurant L’Amiral in Concarneau essen und trinken lassen – viel Geld macht, aber es ist der Gegend natürlich nur zu gönnen, wenn sie dadurch womöglich wirtschaftlich profitieren kann.

Die ersten beiden seiner Krimis habe ich gelesen, die Nachfolger nur noch auf den Büchertischen gesehen. Seine ersten Schauplätze waren just die Orte, mit denen auch wir begonnen haben, die Bretagne kennenzulernen: Concarneau, Pont Aven und deren unmittelbare Umgebung. Inzwischen ermittelt sein Kommissar auch in den Salzgärten bei Le Croisic, obwohl die schon ziemlich weit entfernt sind vom Büro des Kommissars, aber eine gute Ortsauswahl ist auch das. Und so wird man wohl sagen müssen, dass Herr Bannalec gute Öffentlichkeitsarbeit für die Bretagne macht, hoffentlich nicht zu gute, denn nicht alle von ihm erwähnten Orte vertragen Touristen in Reisebuseinheiten.

An manchen Orten spürt man ganz besonders, wie sehr der Atlantik dieses Stückchen Land prägt, und das nicht nur, indem er an warmen Sommertagen zu einem erfrischenden Bad einlädt. Er kann auch durchaus ruppig mit Land und Menschen umgehen. An an der Pointe du Raz z.B., ganz weit westlich, da, wo das französische Festland als schmale, aber hohe Felsenklippe endet, merkt man es. Wenn man dort steht, auch an harmlosen Sommertagen, weiß man, warum das Meer eine Urgewalt genannt wird. Das gilt auch für die ganz nahe gelegene Bucht, die Baie des trépassés. Es ist ein wunderschönes Plätzchen und am besten kommt man abends, um am Strand oder im Restaurant, das es hier gibt, zu sitzen, die Surfer zu beobachten und der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Es wirkt dann alles ganz friedlich, und doch erinnert ja nicht zuletzt der Name der Bucht, die Bucht der Verstorbenen, daran, dass für die Bretonen der Atlantik nicht nur nettes Surf-Revier ist.

Alles in allem sind wir in weiteren Urlauben dann noch ziemlich rum gekommen in der Bretagne. Wiederholt waren wir auch an der nördlichen Küste, die natürlich auch ihre Fans hat. Für das Nord-Finistère und für die Côtes-d’Armor mit u.a. der Côte de Granit Rose schwärmen manche mit ebenso großer Begeisterung wie ich von meiner Lieblingsregion, der Cornouaille. Wie auch immer, wir haben uns dort nie so recht wohl gefühlt.

Eine Mitte, ein Binnenland hat die langgezogene Halbinsel auch noch. Das, was wir davon bislang auf unseren Durchfahrten gesehen haben, gefiel uns auch. Um einmal nachzusehen, ob womöglich noch mehr so schön ist wie z.B. Josselin oder der Wald von Brocéliande, haben wir auf unserer Vorhabenliste noch stehen, mit dem Fahrrad den Canal de Nantes à Brest entlang zu radeln.

Mal sehen, ob daraus noch etwas wird. Im Moment jedenfalls kann ich mir eher vorstellen, noch einmal dorthin wieder hinzufahren, woran wir beste Erinnerungen haben.

Beste Erinnerungen haben wir zum Beispiel an Quiberon, eine sehr schmale Halbinsel, die in der Nähe von Vannes vor der Südküste der Bretagne in den Atlantik ragt. Die Form als langgezogene Halbinsel bringt den Vorteil, dass Quiberon sowohl eine Strandküste hat als auch eine beeindruckende felsige Côte sauvage. So bietet sich auf wenigen Quadratmetern eine große Vielfalt und für unseren Geschmack alles, was man für einen abwechslungsreichen Bretagneurlaub braucht. Quiberon hat viele Vorteile, z.B. auch den, dass es mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Von Paris aus kann man prima mit dem Zug anreisen, was auch viele Menschen tun. Im Takt des SNCF Fahrplans hört man, wie die Koffer durch die Stadt gerollt werden. Besonders auch im Herbst, an Tagen, an denen wahrscheinlich Herbststürme das Wasser an die Côte sauvage  drücken, male ich mir aus, auch einmal mit dem Zug dorthin zu reisen und mich in einem der gemütlich aussehenden Hotels einzumieten, um auf’s Meer hinaus zu schauen.

Die Ferien des Monsieur Hulot: wo Frankreich Urlaub macht

Anders als für die Bretagne gibt es bei uns, den deutschen Urlaubern, gar nicht unbedingt den einen griffigen Namen für die Region, die sich an der Atlantikküste weiter südlich anschließt. Namen wie Loire-Atlantique und Vendée sind bei uns eher wenig geläufig. In Frankreich gilt es als die Urlaubsregion schlechthin. Formal nicht mehr Bretagne, aber oft kommt einem auch hier alles reichlich „bretonisch“ vor, weil der Baustil noch sehr ähnlich bleibt, und vor allem weil das Licht bleibt und die Strände und deren Beeinflußt-Sein durch Ebbe und Flut so, wie wir es auch in der Bretagne lieben.

Einige unserer Lieblingsurlaubsorte liegen hier, aber nicht nur unserer Lieblingsorte: es ist eine Gegend, in der die Franzosen gerne Urlaub machen. Damit meine ich: die Franzosen und die Französinnen und französische Kinder, französische Großeltern und französischen Enkelkinder. Und französische Hunde sieht man auch. Hier macht Frankreich Urlaub. Internationale Touristen sind Randfiguren, französische Familien prägen das Bild.

An der Küste reiht sich ein Urlaubsort an den anderen und was dabei besonders schön ist: sie sind nicht etwa alle gleich. Ganz und gar nicht. Jeder Ort hat, so scheint es uns, seine Zielgruppe und jeder Ort hat etwas ganz Eigenes.

Ich werde es nicht schaffen, jede Ortschaft, jeden Hafen, jede Bucht aufzuzählen, die wir schon entdeckt und als schön empfunden haben; das ist aber gar nicht schlimm, auch wenn ich nur Lieblingsorte aufzähle, wird es schon eine recht lange Liste werden.

Die Inseln

Ich fange mit den Inseln an. In der Gegend gibt es einige und ich finde, dass allein der Status, Insel zu sein, schon etwas Besonderes ist. Die Île de Noirmoutier, die wir eigentlich gar nicht so gut kennen, erwähne ich, weil regelmäßige Tour de France-Beobachter sich vielleicht erinnern. Ihre Besonderheit ist, dass sie über einen schmalen befestigten Steg mit dem Auto erreicht werden kann, aber nur bei Ebbe. Das machte sie einmal zu einem tückischen Streckenabschnitt im Rahmen der Tour de France: die langsameren Fahrer der Tour sind da schon einmal nur knapp bei auflaufender Flut wieder auf’s Festland zurückzukommen. Knapp wird es in der Urlaubssaison immer wieder für Autofahrer und vor allem für Parker, die den Warnschildern nicht glauben wollen.

Die deutlich größere Île d’Oléron ist unkomplizierter zu erreichen, wobei man gar nicht weiß, ob das unbedingt gut ist, denn im Sommer wird es richtig voll dort. Wenn man einmal angekommen ist, kann man am besten das Auto stehen lassen und auf’s Fahrrad wechseln. Neben dem hübschen Hauptort in der Mitte der Insel und zwei Spatzen, die in der Wand unseres Ferienhauses ihren Schlafplatz hatten, haben uns damals die chenals der Austernzüchter besonders fasziniert, die Wasserläufe, die bei Ebbe trocken fallen und in denen dann die Boote der Fischer schief im Schlick liegen. Sie werden gesäumt von Buden, meist einfachen Holzverschlägen, in denen Material gelagert wird. In einigen kann man auch Austern essen kann – und das sollte man auch unbedingt tun. Man reist aus nah und fern an, um hier zu schlemmen. Franzosen, die gutes Essen schätzen, wissen, was sie Gutes in diesen schlichten Bretterbuden erwartet. Das Thema Austernzucht  geht gegenüber der Insel, im Bassin de Marennes, noch weiter. Die ganze Gegend ist geprägt davon, dass sie im Wechsel der Gezeiten immer wieder geflutet wird und trocken fällt, es ist ein großes Feuchtgebiet mit entsprechender Flora und Fauna. Wer es nicht so mit Austern hat, der kann deshalb ersatzweise zum staunenden Vogelbeobachter werden. Auch wer die 250 Vogelarten, die es dort, zum Teil durchziehend, gibt, nicht alle beim Namen kennt: es ist ein auch für Menschen ohne vertiefte ornithologische Kenntnisse beeindruckendes Erlebnis. Wer auch damit nichts anfangen kann, geht in Brouage, einem kleinen Ort mit Welterbestatus, einen Kaffee trinken. Ursprünglich als Hafenstadt angelegt und durch den Salzhandel reich geworden, liegt Brouage inzwischen im Landesinneren, mitten im Marais de Brouage und dabei vollständig von einer intakten Stadtmauer umgeben. Ich finde, dass es heute so mitten im Nichts gelegen noch um so beeindruckender von alter Pracht und Wichtigkeit zeugt.

Und wem auch das nicht so zusagt, der kann an den Strand gehen; schöne Strände gibt es reichlich.

Dann gibt es noch die Belle-Île-en-Mer. Was für ein Name! Unsere kleine Fahrradtour damals ließ mich denken, das sie den Namen wohl zurecht trägt. Aber nach einem Tagesausflug kenne ich die Insel natürlich nicht, ebenso wenig wie die anderen, zum Teil sehr kleinen Inseln der Region. Aber eine weitere fehlt noch und es ist die meiner Ansicht nach schönste: die Île de Ré. Ich kannte sie, lange bevor ich wirklich da war, aus der französischer Literatur. Die Île de Ré, so hatte ich aus meiner Schullektüre bereits begriffen, ist der Ort, an dem das französische Bürgertum Urlaub macht. Und selbst wenn meine Lektüre aus dem 19. Jahrhundert gestammt haben mag und folglich eigentlich überkommen ist, ein wenig fühlt es sich immer noch so an. Auch im Vergleich zu den Nachbarinseln, die alle ihren Insel-Charme haben, hat sie noch mal ein bißchen etwas Besonderes. Sie ist sicherlich die gepflegteste der Inseln, die ich hier vorstelle, vielleicht auch die schickste, obwohl mir dieses Wort eigentlich nicht ganz paßt, denn sie ist trotzdem kein Ort, an dem es um das Sehen-und-Gesehen-Werden geht. Im Gegenteil. Hier machen gerne auch die Größen aus der Film- und Musikbranche Urlaub sowie bekannte Politiker. Aber das sorgt für keine besondere Aufregung. Sie gehen unbehelligt auf dem Markt einkaufen, so wie alle anderen auch. Die Inselhauptstadt St. Martin, das kann ich nicht leugnen, neigt ein wenig zu Chichi, aber es gibt genug andere Orte, in denen es ganz entspannt zugeht. Alles wirkt gehegt und gepflegt und man hält sich sehr strikt daran, die alte Anmutung der Häuser und Plätze zu erhalten. Die meisten Häuser sind eher Häuschen, alte Fischerhäuser nämlich und eigentlich ursprünglich recht bescheiden. Auch die teilweise durchaus stattlichen Gouverneurs- und sonstigen Bürgerhäuser sind nicht protzig, aber sehr schön anzusehen. Die allermeisten Häuser sind weiß gestrichen, die hölzernen Läden an den Fenstern sind natürlich alle bestens in Ordnung und zudem alle in ähnlichen Farben gestrichen, die Blumenkästen sind alle ähnlich bepflanzt und wahrscheinlich gibt es eine Inselvorschrift, der zu Folge verwelkte Blüten innerhalb eines Tages zu entfernen sind. Es ist proper auf der Insel, die zwar etwas kleiner ist als ihre Nachbarin, aber trotzdem vieles zu bieten hat. Die Insel hat die ideale Größe für’s Fahrrad. Wir haben am einen Ende gewohnt und konnten gut mit dem Rad auch ihr anderes Ende erreichen, den Leuchtturm dort und vor allem den kleinen Ort Ars-en-Ré. Beim Streunen durch dessen Straßen wurde uns, als wir vor einem der Häuser stehen geblieben sind, beiläufig mitgeteilt, dass es das Haus von Lionel Jospin sei; dass sein Nachbar womöglich Dany Boon ist, ist nicht auszuschließen, aber wie gesagt: es wird nicht viel Aufhebens darum gemacht. Die Katzen dösen trotzdem völlig tiefenentspannt wo immer sie ein warmes Plätzchen finden.

So weit die Inseln, an der Küste kommt’s noch besser.

Les Sab das klingt schon gleich wie Urlaub

Les Sables d’Olonne – bei uns reicht es, den Ortsnamen zu nennen und wir fühlen uns in Urlaubsstimmung. Wenn wir dort sind, sehen wir kaum Deutsche, vielleicht hat der Ortsname also hier in Deutschland nicht für alle den gleichen Klang wie für uns und wie in Frankreich definitiv auch.

Es gibt reichliche 75 Maigret Romane, nur einer ist dabei, in dem der Kommissar Urlaub macht. Und wo macht er Urlaub? Natürlich in Les Sables d’Olonne, wo denn wohl sonst. In Frankreich paßt das perfekt zusammen.

Ich glaube, jetzt ist es sinnvoll, einen kleinen historischen Exkurs zu machen und das Entstehen so vieler Urlaubs- und Badeorte, die man heute traditionell nennt, zu erklären. Die ganze Küste, direkt neben Belgien beginnend bis an die spanische Grenze, kennt sie, die stations balnéaires, die wir im Deutschen wahrscheinlich Seebäder nennen würden. Sie sind eben nicht nur Urlaubsorte, sie haben Geschichte und den schönsten unter ihnen sieht man das auch noch an. Die Mode, an die Küsten zu fahren, um sich dort zu erholen und womöglich im Meer zu baden, entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Was genau den Ausschlag gegeben hat, ist strittig, vielleicht einfach mehreres gemeinsam: eine einigermaßen große Zahl von Menschen hatte ausreichend Geld und Zeit für solche Vergnügen, Mediziner behaupteten, das Baden im Meer sei besonders gut für Gesundheit, und es gab moderne Verkehrsmittel, die die Urlauber an die Küsten brachten. Der Bahnanschluss war neben einem attraktiven Strand etwa ebenso wichtig. Nicht selten ist die Eröffnung des Bahnhof der Startpunkt, dem schnell der Ausbau einer Infrastruktur folgte, die alle Wünsche der Klientel  bedienen sollte. Neben großen Hotels entstanden fantastische Feriendomizile, denn wer es sich leisten konnte, ließ sich am Urlaubsort eine Villa bauen. Und so entstanden, manchmal als Erweiterung vorhandener Orte, aber gerne auch im Nichts und nach einer Planung auf dem Reißbrett, Urlaubsorte, die bis heute Jahr für Jahr die Badegäste anziehen. In manchen Orten sind zahlreiche der oft verschnörkelten, phantasievoll verzierten und auf jeden Fall architektonisch vielfältigen Villen erhalten, in manchen Orten erinnern prachtvolle Grand Hotels in Strandlage an die Geschichte, oder das Casino oder das Bahnhofsgebäude. Ob sehr schnell sichtbar oder etwas versteckter, aber irgendwo finden sich in diese alten stations balnéaires immer noch Spuren ihrer Geschichte und uns gefällt es, sie zu finden.

Auch Les Sables d’Olonne ist so eine station balnéaire, oder genauer gesagt: der Ort war bereits reicher Fischereihafen, als er, dank des Baus eines Bahnhofs und der Anbindung an die Eisenbahnstrecken, zum attraktiven Urlaubsort wurde. Und so finden sich heute Spuren von beidem: von langer Tradition als Hafenstadt und verspieltem Luxus des 19. Jahrhunderts. An der heutigen Promenade sieht man dann leider auch ein paar Bausünden aus der jüngeren Vergangenheit, aber es gelingt einem gut, sie zu ignorieren, denn es ist tatsächlich noch recht viel von der alten Architektur vorhanden und sie wird inzwischen auch wieder herausgeputzt. Besonders ist der Ort vor allem durch seine vielen kleinen Quartiere, deren Gassen nicht nur unglaublich eng, sondern geradezu verwirrend angeordnet sind. Aber was kompliziert wirkt, ist gut durchdacht, denn die Anordnung verhindert es, dass Wind und Sturm ungebremst durch die kleinen Straßen fegen.

Strand gibt es auch, jede Menge, und einen kilometerlangen Remblai – so heißt hier die Promenade der abends ein Zweitleben hat.

Als wir vor vielen langen Jahren das erste Mal dort waren, waren wir fasziniert vom allgemeinen und allabendlichen Flanieren: offenbar gehörte das Schlendern über den Remblai  genauso unverzichtbar zum Sommerurlaub wie der Strandaufenthalt tagsüber. Die Kinder freuten sich über Zuckerwatte oder gebrannte Mandeln und alle gemeinsam über die gebotenen Kleinkunst. Besonders beliebt waren die Sängerinnen und Sänger, die französische Chansons zum Besten gaben. Bei ihnen blieb man gerne stehen und alle, alle sangen mit. Insbesondere bei Edith Piaf ist Frankreich textsicherer als unsere Fußballnationalmannschaft bei der Hymne. Wir standen staunend daneben. Aber nicht nur das hat sich in unsere Erinnerung eingegraben. Insgesamt hatten wir nicht selten den Eindruck, wir seien mitten in den Ferien von Monsieur Hulot gelandet. Im Restaurant des Hotels, in dem wir damals übernachtet haben, glaubten wir manches Mal, z.B. wenn die beim letzten Abendessen angefangene Weinflasche aufbewahrt und mit den Stoffservietten am nächsten Abend wieder eingedeckt wurde, er müsse gleich durch die Schwingtür kommen. Alles in allem gefiel uns diese Art, Sommerurlaub zu machen, und sie gefällt uns immer noch. Zwar sind wir in das Hotel dann aber doch lieber nicht noch einmal zurückgekehrt, aber nach Les Sab durchaus. Als wir nach vielen Jahren wiederkamen, hatten wir den Eindruck, dass sich eigentlich gar nicht so viel verändert hatte, vielleicht dass in dem ein oder anderen der vielen Restaurants, Bistrots, Cafés und Bars die Besitzer gewechselt haben, aber im Grunde war alles gleich geblieben. Schön fanden wir, dass einige Verschandelungen früherer Jahre wieder zurückgebaut worden sind. Das ist ein Gewinn; auf dem Remblai gibt es inzwischen viel mehr Fahrräder und er ist tagsüber in nur eine Fahrtrichtung von Autos befahrbar. Am frühen Abend wird er für Autos komplett gesperrt und damit Raum gegeben für die uns im Prinzip schon bekannte Kleinkunst, nur dass die sich ganz schön gemausert hatte. Zumindest für den Sommer 2017 war ein Programm vom Allerfeinsten zusammengestellt.

Ein beeindruckendes Aufgebot mit offenbar professionellen Bands, die komplette Licht- und sonstige Anlagen aufbauten, Schülerbands und Solistinnen und Solisten, sowohl einige, die damit leben mußten, dass kaum jemand auch nur einen ganzen Song anhören mochte, als auch solche, bei denen sich riesige Menschentrauben bildeten, Artistinnen und Artisten, deren Programm staunen ließ – Schülerinnen und Schüler der Artistenschulen in Lille, Paris und Madrid wie wir erfuhren – , Jongleure, Clowns und noch viel mehr, machte jeden Abend den Remblai zu einer großen Bühne. Von wirklich verführerischen Animateuren, die es wunderbar verstanden, Kinder für Mitmachaktionen zu gewinnen, waren wir genauso begeistert wie die eigentlich angesprochene Altersgruppe. Große Anziehungskraft hatte auch der öffentlich Tanzunterricht. Sobald die ersten Töne der Musik erklangen, begannen prompt die ersten, sich danach zu bewegen. Manche hatten das Tanzen offenbar einmal gelernt und hatten Spaß daran, sich mal wieder im Takt zu bewegen, andere lernten es neu. Ich habe nicht ganz rausbekommen, wer da von vornherein in der Rolle von Tanzlehrern in Verantwortung war, jeder und jede tanzte mit jeder und jedem, und wer es schon konnte, half gerne denen, die noch stolperten. Das Repertoire reichte von einfachen Sachen, die ich, die Nicht-Tänzerin, Disco-Fox nennen würde, bis zu Walzer, Tango und Rock’nRoll. Alles auf offener Straße, beinahe jeden Abend. Wer bisher nur die Klemmigkeit früherer Tanzschulzeiten kennt, wird es mir kaum glauben, aber es war ein Riesenspaß.

Wer eine richtige Bühne und einen Backstagebereich benötigte, dem stand beides in einem Innenhof, direkt am Remblai gelegen, zur Verfügung, wo auch anspruchsvolle Theaterstücke zur Aufführung kamen. Im sehr schönen Museum des Ortes, das in einem ehemaligen Kloster und seinem Kreuzgang untergebracht ist, gab es ein Jazzfestival von allerfeinster Qualität. Kultur für alle, im besten Sinne des Wortes.

Am Ende eines solchen Urlaubs könnte man sich entscheiden, fortan jeden Sommer in Les Sables d’Olonne zu verbringen. Viele tun das wohl auch. In beinahe allen unseren Urlauben haben uns Menschen begeistert erzählt, dass sie seit Jahrzehnten jeden Sommer an eben dem Ort verbringen, an dem sie gerade sind. Die höchste Jahreszahl, die mir gegenüber in einem solchen Zusammenhang gefallen ist, ist 72: ein rüstiger freundlicher Herr am Strand St. Michel, einem der Strände von Batz, erzählte mir, dass er, der in Marseille zu Hause ist, seit 72 Jahren jeden Sommer dort verbracht habe. Und er schien sich immer noch nicht zu langweilen.

La Baule.das ohne Le Pouliguen nur halb so schön wäre

Wir haben uns allerdings entschieden, doch nicht jedes Jahr wieder an denselben Ort zu fahren, noch nicht einmal nach Les Sab, sondern uns noch weiter umzusehen. Dabei sind wir dann auf La Baule gestoßen.

La Baule – diesen Ortsnamen kennt in Frankreich vermutlich jede und jeder. In Büchern und Filmen gibt es oft jemanden, den man im Sommer nicht in Paris, Lyon oder wo immer sein zu Hause ist, erreichen kann, weil er oder sie in La Baule ist. Dabei schwingt immer gleich ein wenig die Vorstellung von Luxus mit. Auch wenn man sich bei einer Beschreibung der Vorzüge von La Baule bemüht, das, worum es eigentlich geht, nämlich das Mondäne, nicht ganz nach vorne zu stellen, so dauert es aber trotzdem nie lange, bis es klar wird. In der Regel wird im ersten Satz als besonderes Merkmal auf den mit über 9 km Länge wirklich beeindruckenden Sandstrand hingewiesen, der sich in sanftem Bogen vor La Baule ausdehnt, und der tatsächlich noch beeindruckender ist, weil er an seinen Rändern nahtlos in die weiteren Strände der Nachbarorte übergeht. Strand so weit das Auge reicht. Auffällig ist, dass eben dieser Strand gerne als gepflegt beschrieben wird, was er tatsächlich auch ist, aber der Rest des Ortes ist es erst recht: sowohl das Casino als auch die beeindruckenden alten Grandhotels am Strand als auch die Tennisplätze als auch die Reitwege, einfach alles, auch die Preise.

Das Publikum in La Baule ist gemischt, hier sieht man mehr gebotoxte Menschen als in den Orten, in denen wir uns sonst aufhalten; im Zentrum des Ortes kann man schnell erkennen, in welches Lokal man geht, um etwas zu trinken, und in welches, um gesehen zu werden. Aber auch in La Baule gibt es die anderen, die Großeltern, die mit den Enkelkindern Sandburgen bauen, die Kinder, denen Sand und Muscheln und Matsche völlig ausreichen, um sich zu vergnügen, die Erwachsenen, die geduldig nach was auch immer im Schlick suchen, um es, wenn die Flut zurückkommt, im Eimerchen stolz nach Hause zu tragen. Es gibt ein Urlaubs- und Strandleben, wie an vielen Orten an der Atlantikküste. Wirklich in einer eigenen Klasse spielt die zweite Reihe von La Baule. Dort sind noch richtig viele der alten Villen erhalten, die zum Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, und es scheint, als seien viele im Familienbesitz gehalten worden sind und somit heute, herrlich im Schatten großer Kiefern gelegen, echte Urlaubsparadiese. Ähnliche Häuser haben auch einmal die Strandpromenade gesäumt, alte Postkartenansichten und die erhalten gebliebenen alten Hotels bezeugen es, aber die Promenade  ist heute geprägt von großen, wenig attraktiven Appartementhäusern und auch das Rathaus von La Baule verdient wohl den Titel: Bausünde. Aber in den kleinen Nebenstraßen gibt es viel verspielte Bäderarchitektur mit Ziergiebeln und Bogenfenstern an den Häusern, echte Hingucker, eins neben dem anderen. Das läßt die wenig schöne Wasserfront vergessen.

Und dann ist da noch der größte Vorteil von La Baule: es liegt direkt neben Le Pouliguen. Man geht nur gerade mit einer Brücke über die Einfahrt zum Yachthafen und schon ist man da, in einem Ort, den wir noch viel mehr mögen, er wirkt auf uns lebendiger als La Baule und ungleich lebenswerter.

Den Hafen Le Pouliguen gab es lange bevor nebenan, nach einem Plan vom Reißbrett, La Baule neu entstanden ist, als Ort, der nie anderes war, als allein Urlaubsort. Le Pouliguen ist ein alter Fischerort, mit reihenweise weißen bretonischen kleinen Fischerhäusern und einigen der typischen solideren Granitsteinhäuser, Häuser der Schiffskapitäne und Notablen des Ortes. Schöne alte Ferienvillen gibt es auch, weniger als im Nachbarort, aber in Le Pouliguen säumen die schönsten die Wasserkante, da, wo der Sandstrand allmählich in die steile, wilde Küste übergeht. Damit sind sie von Weitem zu sehen und prägen die Ortsansicht von der Wasserseite aus.

Einen schönen Strand gibt es auch, sehr viel kleiner als der von La Baule, aber dafür genau so, wie man ihn mag: mit viel Platz, mit Strandzelten, mit einem Holzweg über den Sand und mit einigen der besten Restaurants so nahe dran, dass Eltern von der Terrasse aus die Kinder am Strand beobachten können und alle anderen entspannt auf’s Meer schauen kann. Der Strand gehört zum Ort, ebenso wie der Hafen oder eigentlich eher die Hafeneinfahrt. Hier sind viele Geschäfte, Restaurants, Bars, Cafés und den ganzen Tag über Leben, bis in den Abend hinein. Am Zugang zur Hafenmole gibt es einige Geschäfte mit Zuckerwatte, Lakritz, aber auch ein Buchantiquariat, ein Kurzwarenladen mit Wolle und Knöpfen, deren Vorläufer schon auf alten Postkarten zu sehen sind, und manchmal merkt man, dass Großeltern, die ihren Enkeln ein Eis kaufen, sich noch gut erinnern, wie sie selbst hier als Kind eines bekamen.

Jeden Tag ist Markt, dessen Zentrum eine vorzüglich bestückte Markthalle ist, es gibt Bäckereien, eine richtig gute Buchhandlung und die Restaurants sind so gut, dass auch überzeugte La-Baule-Urlauber zugeben, zum Essengehen Le Pouliguen den Vorzug geben.

ein paar Kilometer weiter und es ist immer noch schön

Und das sind immer noch nicht alle Vorteile. Es gibt in der Nachbarschaft noch viel zu sehen und zu genießen.

Mit Le Pouliguen beginnt die sogenannte Halbinsel Guérande. An der Antlantikküste entlang wird aus dem Sandstrand eine abwechslungsreiche Steilküste, mit Zugängen zu kleineren Badebuchten. Im nächstgelegenen kleinen Ort Batz überwiegen dann wieder schöne Strände, z.B. der schon erwähnte von St. Michel. An der äußersten Spitze der Halbinsel liegt der Ort Le Croisic, der auch heute noch durchaus als Fischereihafen zu erkennen ist, aber mit seinen zahlreichen Restaurants vor allem doch deutlich Urlaubsort ist. Bis hier heraus fährt der TGV, aus Paris kommend. Ich finde das großartig. Der Bahnhof ist ungefährt so groß wie der in Kray-Nord, aber was braucht man mehr als einen Bahnsteig. Paris – Le Croisic en direct, sofern man nicht vorher in le Pouliguen schon aussteigen möchte.

Das namengebende Städtchen für die Gegend, Guérande, liegt ein bißchen im Binnenland – jedenfalls heute, gegründet wurde es als Hafenstadt. Aber die Gegend ist verlandet und heute dort als ein ganz besonderes Naturschauspiel, das mit jeder Flut wieder neu aufgeführt wird: eine riesige Fläche fällt bei jeder Ebbe nahezu trocken, um von der Flut dann wieder unter Wasser gesetzt zu werden. So werden die sogenannten Salzgärten bedient, große angelegte Becken, in die in einem ausgeklügelten System regelmäßig hinreichend Meerwasser hineingeleitet wird, das verdunstet, so dass man auf den großen Oberflächen dann Salz abschöpfen kann. Das Salz hat Guérande reich und berühmt gemacht und ist heute ein touristisches Mitbringsel, ohne dass die Salzgärten unbedingt touristischer Magnet wären. Das ist eher das mittelalterlich wirkenden Städtchen, die etwas entfernt liegenden Salzgärten sind ganz das Gegenteil von rummelig. Hier ist es wunderbar ruhig und man fühlt sich ganz weit ab von allem – also jedenfalls wenn man sich ein wenig abseits der Straßen bewegt, die für Autos frei gegeben sind. Über zwei schmale und kurvenreiche Sträßchen geht im Sommer sowohl der Autoverkehr, der durch die Salzproduktion entsteht, als auch der Tourismus; die wuchtigen Campingmobile von heute sind hier ziemlich unpassend, aber leider sind sie dennoch häufig. Aber zu Fuß oder auf dem Rad und abseits der Straße geht’s dann, und dann kann man auch in Ruhe die zahlreichen Wasservögel bewundern.

Für den touristischen Verkehr sorgt vor allem Guérande, ein Bilderbuchort mit Stadtmauer, beeindruckender und von Weitem sichtbarer Kirche und allem, was Touristen erwarten. Das kann man sich durchaus ansehen, aber ruhiger ist es woanders. In der Brière z.B., einer riesigen Sumpflandschaft, die sich jenseits von Guérande erstreckt. Man kann sich, wie im deutschen Spreewald, in Booten durch das Wasserlabyrinth schippern lassen oder sich zu Fuß oder auf dem Rad auf den Weg machen.

Wer weder Lust auf Salzgärten noch auf den ganz großen touristischen Auflauf hat, kann, am besten mit dem Rad, in Le Croisic mit einer Fähre übersetzen, um weiter an der Atlantikküste entlang zu fahren. Es folgen dort eine ganze Reihe netter Orte, gleich als erster La Turballe, mit viel Strand, aber auch mit offenbar noch gut genutztem Hafen und Fischauktionshalle, und etwas weiter Piriac-sur-Mer, ein Ort wie eine Postkarte mit Kopfsteinpflastergassen und schönen alten Granitsteinhäusern. Bisher haben wir es auf unseren Ausflügen von Le Pouliguen aus bis Kercabellec gebracht, um genau zu sein bis an die Pointe de Merquel und anschließend in das Café du Port, vor allem das letzte lohnt den Besuch: très typique! 

Es gibt auch einen Film, der La Baule heißt und zwei Familien durch ihren Sommerurlaub im Jahr 1958 begleitet. Gedreht wurde der Film „La Baule“ überwiegend in Le Pouliguen. Für dieses Schummeln haben wir vollstes Verständnis.Eine gute Entscheidung, finden wir. Außerdem dienten die Salzgärten, die Hafenmole von Le Croisic und Le Turballe als Kulissen – womit auch cineastisch der Beweis dafür erbracht ist, dass man hier so ziemlich alles beieinander hat, was man braucht.

Ich bleibe ehrlich, das Filmteam war noch an einem weiteren Ort: in Saint-Brévin-les-Pins. Auch St. Brévin kennen wir. Der Ort liegt weiter südlich, jenseits der Loire-Mündung. Führe man von La Baule aus mit dem Auto hin, so käme man durch Saint-Marc-sur-Mer. Der Ort verdient unbedingt Erwähnung, immerhin handelt es sich hier um den Ort, an dem Monsieur Hulots verfilmte Sommerferien stattgefunden haben, beziehungsweise in dem dieser Kultfilm  mit Jacques Tati gedreht worden ist. Genau davon lebt der Ort, so scheint es, heute noch, und man setzt einiges daran, dass es weiterhin so aussieht, als könne sich alles jederzeit wiederholen: das Hotel de la Plage, der Tennisplatz, alles ist noch da und der Strand sowieso. Aber für die Nicht-Cineasten: die Auswahl ähnlicher Orte ist groß, für uns wäre Saint-Marc-sur-Mer als Urlaubsadresse nicht unbedingt die erste Wahl.

Saint Brévin war einmal unsere Urlaubsadresse und es ist uns in sehr guter Erinnerung. Es war zwar nicht unser erster Aufenthalt am Atlantik, aber ich glaube, es war letztendlich dieser Urlaub, der uns zu Atlantikliebhabern gemacht hat.

Ich finde es am Atlantik leichter als am Mittelmeer – und ahne, dass das eine schwierig zu verstehende Beschreibung ist. Vielleicht ist es das Wetter, hier weht auch an sehr warmen Tagen immer ein leichter Wind; vielleicht sind es das Licht und der Himmel, auch zu einem strahlend blauen Himmel gehören weiße Wolken; vielleicht sind es die Gezeiten, dadurch sehen Meer und Strand beinahe in jedem Augenblick anders aus. Ich weiß es nicht und mache mir auch selten Gedanken dazu. In Saint Brévin gehörte auf jeden Fall auch der Geruch dazu, der Geruch von Kiefernwäldern. Damit habe ich, glaube ich, dann alles aufgezählt, was für mich die Atmosphäre am Atlantik ausmacht.

In Saint Brévin haben wir kennengelernt, was wir danach am Atlantik oft wiedergefunden haben und was für uns viel vom Charme des französischen Sommerurlaubs am Atlantik ausmacht: die großen und mehr als hundert Jahre alten Ferienhäuser, die in Saint Brévin nicht unmittelbar am Strand, sondern, mit großen Gärten um sie herum, im schattigen Kiefernwald stehen, und vor denen an großer Tafel gemeinsam gegessen wird. In Saint Brévin, wir können da inzwischen ja vergleichen, waren die Villen vielleicht nicht so prächtig wie in La Baule, aber die Grundstücke dafür um so größer – und das Essen schien den oft riesigen Familien- und Freundeskreisen sehr gut zu schmecken! Um zum Strand zu kommen, muss man zunächst durch die Dünen laufen. Offenbar war das Filmteam des Films „La Baule“ für diesen Dünenstrand nach Saint Brévin gezogen, weil man am Set wohl glaubte, obwohl es ihn weder in Le Pouliguen noch La Baule gibt, er gehöre zum Sommerurlaub am Meer. Ob man ihn und damit den sandigen Marsch im eigenen Urlaub unbedingt haben möchte oder nicht, ist Geschmacksache.

In Frankreichs Südwesten

Noch weiter südlich, jenseits der Garonne-Mündung, liegt das, was man verallgemeinernd als Frankreichs Südwesten bezeichnet. Nouvelle Aquitaine heißt die Region seit dem jüngsten Verwaltungsneuzuschnitt. Das hört sich dröge an, finde ich. Das Bordelais, die Gegend, aus der der berühmte Wein kommt, mit Bordeaux, der Stadt, die manche so schön finden wie Paris, und die Gascogne, die Heimat von d’Artagnan – das hört sich doch schon besser an. Es, egal wie man es nennt, der Bereich, dessen Atlantikküste man hier in Deutschland wahrscheinlich besser kennt als der nördlich davon gelegene und von mir bisher beschriebene Abschnitt. Hier kommt der Atlantik oft mit ziemlicher Kraft und hohen Wellen auf den Strand zu, das macht die Gegend bei guten Surfern beliebt, bei Familienurlaubern freut man sich darüber, dass es in zweiter Reihe hinter der Küste große Seen gibt, in denen man auch baden und auf denen man auch surfen kann, allerdings vergleichsweise ungefährlich und mit Windkraft.

Unsere schönste Erinnerung verbindet sich allerdings gar nicht mit der Küste, sondern mit dem Hinterland. Les Landes heißt die Landschaft hinter den Sandstränden und uns erschien sie damals beinahe wie ein einziger riesiger Kiefernwald. Hier haben wir eine  große Fahrradrundreise gestartet, und dabei sehr genossen, dass wir uns in dieser ruhigen und vor allem topfebenen Gegend erst einmal einradeln konnten, und beim Zurückkommen aus Regionen, die vergleichsweise städtischer waren, haben wir ihren herrlichen Duft noch um so mehr genossen. Auf dem allerletzten Stück unserer letzten Tagesetappe, von Bordeaux nach Villandraut, hatten wir zur falschen Zeit Hunger. Als wir nach einigem Suchen einen Gasthof fanden, war die Mittagessenszeit eindeutig schon zu Ende.  Hier war die Schlacht geschlagen – die Tische im Garten sahen so aus, dass man diese Redewendung gut versteht.  Aber freundlicherweise wollte man uns als Radfahrer nicht hungrig weiterfahren lassen und so setzte man uns dann  nicht nur reichlich, sondern vor allem Leckeres vor. Auf unserer Weiterfahrt schloss dann noch ein älterer Herr auf seinem Rennrad zu uns auf, um sich auf den nächsten Kilometern nett mit uns zu unterhalten, und damit fand unsere große Tour einen so schönen Abschluss, dass wir nach wie vor gerne an Les Landes zurückdenken.

Für die meisten ist die Gegend aber wegen der Küste als Urlaubsregion beliebt und jede und jeder wird seinen Lieblingsort haben, es gibt ja einige. Für eine Autorin in der Zeit, so hat sie kürzlich preisgegeben, ist es Soulac-sur-Mer, ein Ort gleich an der Garonne-Mündung. Überschwänglich hat sie von diesem Örtchen und seinem alten Kino geschwärmt. Sie ist, schreibt sie, als Tochter groß geworden in einer Familie, die seit vielen Jahren jedes Jahr dort Urlaub macht. Offenbar hat also auch bei ihr die Atlantikküste ihre süchtigmachende Wirkung entfaltet.

Arcachon

Unsere Lieblinge in diesem Küstenabschnitt sind Arcachon und Biarritz.

Beide Ortsnamen kennt man auch in Deutschland, den von Arcachon, so vermute ich, nicht zuletzt wegen der berühmten Düne von Arcachon oder des Bassin d’Arcachon, des großen Beckens, in dem Austern gezüchtet werden.  Wie auch immer: es ist ein bekannter Ferienort, mit schönen Stränden, Stränden, die die Besonderheit haben, nahtlos in schattenspendenden Kiefernwald überzugehen. Auch Arcachon war bereits im 19. Jahrhundert als Badeort beliebt und erfreulicherweise sind noch zahlreiche der exklusiven Villen aus jener Zeit erhalten. Sie bilden einen eigenen Stadtteil, die ville dhiver, in Abgrenzung von der ville d’été, zu der die Einkaufsgegend und der Strand gehören. Obwohl wir im Sommer da waren: uns hat es die ville dhiver angetan.

An der Landzunge, die das große Becken von Arcachon auf der gegenüberliegenden Seite abschließt, gibt es auch noch einiges zu entdecken: auf dem Weg zur Spitze raus gibt es auf der dem offenen Meer zugewandten Seite ewig lange Strände und auf der dem Becken zugewandten Seite einige Austerzüchter-Hütten-Dörfer. Die meisten der Hütten sind so schön hergerichtet, bunt angestrichen oder liebevoll verziert, dass man sie für Urlaubshütten halten könnte; das sind sie aber nicht. Eine gesetzliche Regelung, die ich nicht genau verstanden habe, sorgt dafür, dass hier nur wohnen darf, wer wirklich noch etwas mit der Austernzucht zu tun hat. Einige Züchter haben aus ihren Cabanes mehr als nur Austernprobierstuben gemacht, sie betreiben richtig gute Restaurants – mit allerfrischesten Austern und Meeresfrüchten, und das bei schönster Aussicht.

  und Biarritz

Die Küste weiter südlich, auf die spanische Grenze zu, liegt das Baskenland, in dem die eigene Sprache und viele Traditionen gepflegt werden. Auf französischer Seite ist Biarritz die Hauptstadt der Region, die uns allerdings gar nicht so baskisch vorkam. Der Beschreibung „elegantes Seebad“ können wir da eher zustimmen. Auch Biarritz war, wie so viele Orte an der Küste, ursprünglich ein Fischerort bis es sich im 19. Jahrhundert auch zum Seebad wandelte. Weil aber ausgerechnet Kaiserin Eugénie besonders gerne und oft nach Biarritz kam, kamen auch andere von hohem Rang und mit großen Namen, die in Europa jeder kannte. Biarritz war also in jenen Jahren nicht nur ein Seebad, sondern das Seebad. Später kamen dann die Surfer. Heute hat die Stadt eine recht wilde Mischung aus beinahe noch ursprünglichem Fischerort, prunkvollen Gebäuden in unterschiedlichen Baustilen von Jugendstil und Art déco bis Barock, durchsetzt mit baskischen Stilelementen — und durch das alles hindurch wuseln die Surfer, unter Umständen auch im Neoprenanzug mit Brett unterm Arm mitten durch die Markthalle. Biarritz ist gewöhnungsbedürftig. Bei unserer Ankunft waren wir kurz davor, gleich wieder zu fahren, was wir übrigens bei einem früheren Anlauf, die Stadt anzusehen, wirklich getan haben. Es war unglaublich voll und es gelang uns bei unserem ersten Rundgang auch nicht ansatzweise, die Stadt zu verstehen. Wir sind trotzdem geblieben und hatten Glück, denn die, die die Stadt an unserem Ankunftssonntag so übermäßig voll gemacht haben, waren am Montagmorgen weg. So hatten wir dann Zeit und Muße, Biarritz zu entschlüsseln. Es hat sich gelohnt, wegen der Gebäude einerseits, schon allein das über dem Strand thronende alte Hotel du Palais ist beeindruckend, aber mehr noch wegen der gesamten Atmosphäre. Alles in allem macht es sehr den Eindruck, als verstünde man in Biarritz recht gut, das Leben zu genießen.

Genauso wichtig wie die Stadt selbst ist ihr Strand, oder besser: die Küste. Die ist eher wild und jeder kleine Sandstrandabschnitt ist gesäumt von Felsen, an denen sich die Wellen brechen. Es ist also ganz bestimmt nicht sanft und seicht, aber alles wirkt recht unbeschwert. Die Surfer, die ständig in großer Zahl auf dem Wasser sind und auf die nächste gute Welle warten, tun das Ihre dazu, diese Stadt unverwechselbar zu machen.

Nach Lektüre der Reiseführer wollte ich unbedingt auch Bayonne besuchen. Es liegt direkt neben Biarritz und ist viel älter, historisch viel interessanter und mit den zahlreichen noch komplett erhaltenen alten Quartieren am besten wohl als malerisch zu bezeichnen. Bayonne hat viel zu bieten, aber es hat keinen Strand und folglich keine Surfer. Wenn man sich erst an Biarritz gewöhnt hat, kommt einem Bayonne, eine unglaublich schöne alte Stadt, geradezu luftgetrocknet vor. Vielleicht hätten wir Regen haben sollen, ich würde die beiden Nachbarorte in der Erinnerung womöglich heute anders bewerten – schließlich hat Bayonne die besseren Museen. 

Im Norden

Die Namen vieler Regionen und Orte Frankreich braucht man nur auszusprechen und sofort ist man sich darin einig, dass sie sich definitiv als Urlaubsziele anbieten. Frankreichs Norden gehört nicht unbedingt zu diesen Regionen – und wir finden: zu Unrecht. Frankreichs Norden hat viel zu bieten und schöne Küstenabschnitte gibt es wahrhaftig nicht nur im Süden zu entdecken. Zugegeben, der Ärmelkanal ist nicht der offene Atlantik, aber schöne Küstenorte und beeindruckende Landschaften gibt es dort auch und sie sind von Deutschland aus natürlich ungleich schneller zu erreichen.

La Baie de la Somme

So genau weiß ich nicht mehr, in welcher Reihenfolge wir Frankreichs Norden für uns erschlossen haben. Eine der frühen und besonders schönen Entdeckungen war die Somme-Bucht und die Orte, die auf den beiden Seiten dieser Mündung liegen. Bevor die Somme ins Meer übergeht, bildet sie eine breite Bucht, die bei Ebbe trocken fällt, während bei Flut das Salzwasser weit ins Binnenland eindringt und dabei die sogenannten Salzwiesen wässert, auf denen die Schafe grasen. Diese Bucht, die Baie de la Somme, ist die größte ihrer Art im Norden Frankreichs und sie macht die Flußmündung zu einer ganz besonderen, weiten Landschaft, in der Strand und Watt ineinander übergehen. Das macht die Gegend attraktiv für zahlreiche Wattvögel, die nach Essbarem picken, und für Menschen, die gerne Vögel beobachten. Bei den zahlreichen Robben, die sich auf den Sandbänken ausruhen, weiß man manchmal nicht, wer wen beobachtet. Vor allem aber macht diese riesige Fläche, die eben manchmal eine Wasserfläche und manchmal sandige Fläche ist, ein ganz eigenes Licht und eigene Farben, zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter.

Auf der nördlichen Seite der Bucht liegt Le Crotoy, ein alter Fischerort mit alter Festung, wo man nicht unerwähnt läßt, dass Jeanne d’Arc dort vorübergehend gefangen gehalten wurde. Allerdings haben spätere Gäste den Ort dann doch mehr geprägt, vor allem der Parfumeur Pierre Guerlain, den die Schönheit der Bucht überzeugt und dazu veranlasst hat, ein Grand Hotel zu bauen. Königlicher Besuch, auf den er gehofft hat, kam nicht, aber dafür kamen andere, vor allem Künstler wie Georges Seurat, Alfred Sisley und Toulouse Lautrec. Ein wenig ist vom ehemaligen Grand Hotel noch stehen geblieben. Heute ist das hübsche Haus mit Türmchen direkt am Strand wieder ein Hotel, mit einem richtig guten Restaurant übrigens.

Wer mag und die Flut nicht fürchtet, kann bei Ebbe zu Fuß auf die andere Seite der Bucht laufen, 6 Kilometer sind es. Alternativ umrundet man die Bucht mit dem Fahrrad oder man nutzt den Chemin de fer de la Baie de Somme, eine alte Schmalspurbahn mit roter Dampflok und bunten Waggons, die im Sommer regelmäßig fährt.

Wie auch immer man hingelangt, man sollte die andere Seite der Bucht nicht versäumen. Dort liegt Saint-Valérie-sur-Somme, ebenfalls alter Fischerort, aber mit noch älteren Wurzeln. Auf dem Hügel über der Somme kann man durch einen noch mittelalterlich anmutenden Teil des Ortes laufen und von dort die Aussicht genießen.

.und Mers-les-Bains

Von der Somme-Bucht hatten wir gelesen bevor wir hinfuhren, wir hatten eine  Erwartung, nämlich die, dass es dort schön sein würde. Beinahe nichts haben wir erwartet, als wir einen kleine Tagesausflug von dort aus unternommen haben – jedenfalls haben wir ganz und gar nicht das erwartet, was wir dann entdeckt haben.

Villen in Mers-les-Bains (c) Michael Kneffel

Wir waren ein wenig an der Küste entlang gefahren und eigentlich war meine Aufmerksamkeit gerade vor allem auf die Straßenkarte auf meinem Schoß und gleichzeitig auf Ausschilderungen zum nächsten Ort gerichtet, als ich nur aus dem Augenwinkel heraus etwas wahrgenommen habe, wovon ich den Eindruck hatte, wir sollten es uns näher ansehen. Wenn ich mich nicht täuschte, waren da gleich mehrere Straßenzüge mit Häusern in alter Bäderarchitektur. Ich hatte mich nicht getäuscht. Als wir uns zu Fuß auf den Weg durch den Ort Mers-les-Bains  gemacht haben, konnten wir kaum glauben, was wir sahen, nämlich offenbar ursprünglich wunderschöne und wunderschön verzierte Häuser in großer Zahl. Allerdings waren die meisten davon in eher traurigem Zustand; Mers-les-Bains schien recht verlassen und man hatte den Eindruck, die Häuser verdankten ihr Überleben womöglich der Tatsache, dass man sie schlicht vergessen hatte. Wir sind seither wiederholt dort gewesen und konnten beobachten, wie der Ort aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde. Inzwischen wissen wir, dass es in Mers-les-Bains in seiner Blütezeit als station balnéaire 600 schmucke Sommerhäuser gab. Das sind wahnsinnig viele. Sie reihen sich den Strand entlang und in den Seitenstraßen in Strandnähe recht nahe aneinander, oft bilden sie mit dem unmittelbaren Nachbarhaus durch bewußte architektonische Gestaltung ein Pärchen. Aber was auch immer die Architekten sich haben einfallen lassen, es lohnt das Anschauen und es ist ein Glück, dass man es heute noch oder wieder kann. Das gesamte Quartier steht inzwischen unter Denkmalschutz, einzelne Gebäude sind Denkmal. Seit unserem ersten Besuch dort waren viele Handwerker in den Häusern, vielfach hochspezialisierte, die wirklich kenntnisreich und liebevoll versuchen, alles wieder so herzustellen wie es war: die bunten Fenster, die Keramik, die Holzverzierungen, alles. Nun muss nur das Leben auch wieder zurückkehren, damit dieser hübsche Ort kein potemkinsches Dorf wird.

Dünkirchenim Ausnahmezustand

Von wirklich ganz anderer Art war die Entdeckung, die wir Dünkirchen gemacht haben.

Kaum in Frankreich und auf einem ganz kurzen Ausflug von Belgien aus, haben wir in Dünkirchen eine Überraschung erlebt. Der Ort Dünkirchen ist, wie leider so schrecklich viele Orte und letztendlich ganze Landstriche in Frankreichs Norden, in den Kriegen erheblich zerstört worden. Ausgerechnet für mich als Deutsche wäre es etwas unpassend, zu bemängeln, dass vielen Städten der romantische Altstadtkern fehlt. Die Wunden, die die beiden Weltkriege Frankreich beigebracht haben, sind immer noch zu sehen, in der Landschaft, in den Städten, als riesige Friedhöfe und als endlos scheinende Namenslisten auf den Kriegerdenkmälern. Ich erinnere mich gut, dass ich mich bei meinen ersten Fahrten entlang der sogenannten Landungsküste in meinem Auto mit deutschem Autokennzeichen irgendwie fehl am Platze fühlte. Ob ich es wirklich war, weiß ich nicht. Ältere, wie mein Bruder zum Beispiel, berichten, dass sie auf ihren Touren viele Jahre vor meinen tatsächlich gelegentlich noch angespuckt worden sind. Das ist längst vorbei. In unseren vielen Frankreich-Urlauben war das Verhältnis von Deutschen und Franzosen sehr oft Gesprächsthema. Der Satz, der dabei am häufigsten gefallen ist, lautet: es ist so gut, dass Sie, also wir, heute als Touristen in unser Land kommen, so lernen wir uns kennen und es wird nie wieder passieren, was früher geschehen ist. Die eindrucksvollste Begegnung, was das anbelangt, hatten wir mit einem unserer Nachbarn an der Dordogne. Es war ihm sehr offenkundig ein großes Anliegen, Michael seine Lebensgeschichte zu erzählen, die ihn als spanischen Kommunisten nach Frankreich und, vermutlich als politischen Gefangenen, als Zwangsarbeiter der Deutschen in U-Boot-Werften bei La Rochelle geführt habe. Aber er hat es nicht etwa erzählt, um sich zu beklagen, ganz und gar nicht. Vor allem wollte er von dem einen Deutschen berichten, der ihm ein Stück Brot gegeben hat, um dann wiederholt zu sagen: es gibt sie überall, neben vielen Schlechten, auch die Guten, auch unter den Deutschen habe es immerhin diesen einen guten Deutschen gegeben. Vor allem das, so hatten wir den Eindruck, hatte er loswerden wollen. Und dann hat er noch gesagt, dass er ja nun leider so alt sei, dass er nicht mehr nach Deutschland fahren könne und sich deshalb umso mehr freut, dass wir, zwei Deutsche, in seinem Ort Urlaub machen. Heimlich und vermutlich mit spitzbübischer Freude legte er uns jeden Morgen Salat, Zwiebeln oder anderes in seinem Garten Geerntetes vor unsere Tür. So geht heute deutsch-französische Beziehung.

Wenn ich diese Geschichte hier aufschreibe, dann mache ich damit wohl auch klar: wir fahren natürlich wegen des Essens, wegen des besonders schönen Lichts und wegen der Landschaft nach Frankreich, wahrscheinlich aber in Wirklichkeit für solche Begegnungen.

Womit ich wieder nach Dünkirchen zurückkomme. Eigentlich wollten wir uns das FRAC ansehen, eine alte Werfthalle im nicht mehr genutzten Bereich des Hafens, die zu dem Zeitpunkt gerade als Zentrum für zeitgenössische Kunst neu eröffnet worden ist. Und wir gerieten, Wochen nach unserem Aschermittwoch, in den Karneval. Was für ein Glückszufall. Es war ein riesiges fröhliches Fest, mit viel Musik und einer politisch wenig korrekten, aber witzigen Kostümierung. Im Laufe des Tages haben wir viel erfahren. Man war allgemein in bester Feierlaune und gleichzeitig auch sehr erzählfreudig. Dünkrichen ist eine Hochburg des Karnevals und man kommt aus Halbfrankreich um dabei zu sein. Es gab richtig, richtig gute Musik. Zum Dünkirchener Karneval gehört offenbar, dass Musikgruppen, Bands, Orchester anreisen, um hier aufzuspielen. Es war keine Feier der Antialkoholiker, eher nicht, aber das Thema Alkohol war nicht so beherrschend wie es hier auf den großen Rosenmontagszügen der Fall ist. Auch die Geschichte dieses Karnevals wurde uns von unseren neuen Freunden für einen Tag erklärt: er hat seinen Ursprung darin, dass die Seeleute, bevor sie für lange Monate auf dem Meer sein würden, um vor der Küste von Neufundland und Island Kabeljau zu fangen, noch einmal so richtig feiern wollten. Ich bin sicher, dass die, die da Musik gemacht und getanzt haben, nicht kurz davor standen, vor Neuseeland Kabeljau zu fangen – aber feiern konnten sie!

Le Touquet-Paris-Plage

Gar nicht viel weiter entlang der Côte d’opale und damit auch von Deutschland aus recht schnell zu erreichen liegt Le Touquet, oder genauer: Le-Touquet-Paris-Plage. So heißt der Ort nämlich korrekt. Monsieur Macron und Gattin wohnen in Le Touquet. Das paßt, möchte man sagen, wobei es im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad dieses Ortes gar nicht nötig war, dass ein Kind der kleinen Stadt Staatspräsident wird, Le Touquet wurde schon vor und wird auch nach seiner Präsidentschaft in Frankreich als etwas Besonderes  wahrgenommen.

Der komplette Name verrät die Geschichte des Ortes: wo vorher eine Dünenlandschaft war, ging man planvoll zu Werke, befestigte die unsteten Dünen mit Kiefernwäldern, legte Straßen an und schuf die komplette Infrastruktur für einen so attraktiven Ort, dass man wohlhabende Städter, vor allem aus Paris, dazu gewinnen konnte, hier den Urlaub zu verbringen, in den große Hotels oder den eigenen Sommerhäusern. Es liest sich wie eine Geschichte von Jane Austen, die in einem ihrer Romane die Suche nach einem Arzt für ein entstehendes Seebad an der englischen Küste beschreibt, aber es ist wirklich die Geschichte von Le Touquet, wie auch von anderen französischen Seebädern. Diese Gründung, muss man heute feststellen, war wohl eine gute Idee. Nach wie vor strömen die Gäste nach Le Touquet.

Le Touquet hat einen langen und auch bei Flut immer noch breiten Sandstrand, eine gute Voraussetzung dafür, einladender Badeort zu sein; uns hat er eingeladen, stundenlange Strandspaziergänge zu machen. Aber wir empfinden den Strand und damit das Strandleben als vollkommen und seltsam abgetrennt vom Ort. Es war sicherlich gut gemeint, unmittelbar am Strand eine breite Promenade und eine noch breitere Straße zu bauen und viele Parklätze anzulegen, aber dadurch entsteht ein recht großer Abstand zur Stadt und da die erste Häuserzeile des Ortes heute eine Ansammlung anonymer moderner Appartementhäuser ist, hat der gesamte Bereich, jedenfalls für unseren Geschmack, nichts Anziehendes.

Seinen Charme entfaltet Le Touquet strandunabhängig. In der zweiten Reihe hinter dem Strand, fängt es an, interessant zu werden, und es wird, je weiter man sich vom Strand entfernt, eher sogar noch schöner. Auch in Le Touquet war man klug genug, das wirklich schöne Architekturerbe zu erhalten. Im Ortskern gibt es bemerkenswerte alte Wohnhäuser, als gemeinsam gestaltete Häuserzeilen oder als Einzelgebäude. Der Übergang zum Kiefernwald, der Le Touquet umgibt, scheint fließend, je weiter man sich vom Ortskern entfernt, um so größer werden die Villengrundstücke, die dann oft schon Teile des Kiefernwaldes sind. Im Ort selbst gibt es einige geradezu prunkvolle öffentliche Gebäude, das alte Rathaus ist mehr als beeindruckend und die einzigartige alte Markthalle ist unbedingt sehenswert, an Markttagen ebenso an allen anderen Tagen der Woche.

Das Logo der Stadt ist ein kleiner Golf-Caddy. Das Stadtmarketing weiß, wen es ansprechen will. Erste Zielgruppe sind nicht die Familien, die vor allem an den Strand wollen und nachher noch ein Eis essen – was man im Sommer selbstverständlich tun wird – , nach Le Touquet kommt man zum Golfen, für den Reitsport, um ins Casino zu gehen und am Strand ist es auch schicker, als Strandsegler unterwegs zu sein, als schlicht baden zu gehen.

Wer aus Paris anreist, soll in Le Touquet auf keine Annehmlichkeiten verzichten müssen: vor Ort gibt es beste Patisserien, reiche Käseauswahl, exquisite Weinhandlungen, gute Herrenausstatter, ausgewählte Damengarderobe und die Markthalle, in deren Mitte sich die Fischhalle befindet, bietet alles, was der französische Gourmet braucht. Aus unserer Wahrnehmung ist Folgendes für den Urlaubsalltag in Le Touquet wichtiger als der Strand: leckere Sachen einkaufen, den Apéritif in einer der vielen Brasserien nehmen und dann das Abendessen zu Hause genießen. Wir waren unter anderem zu Silvester dort und haben nicht aufhören können, darüber zu staunen, wie viel plateaux fruits de mer in welch ungeheuren Größen an uns vorbeigetragen wurden.

Frankreichs schöner Norden hat natürlich noch viel, viel mehr zu bieten. Nicht zuletzt die Maler haben dafür gesorgt, dass die weißen Kreidefelsen der französischen Küste ähnlich bekannt sind, wie die der gegenüberliegenden englischen Küste. Das sicherlich beliebteste Motiv ist der Felsenbogen und die alleinstehende „Nadel“ am Strand von Étretat. Claude Monet und viele andere haben für alle Zeiten dafür gesorgt, dass man Étretat kennt. Wenn man in der Nähe ist, sollte man es sich ansehen. Ohnehin, auch jenseits dieser besonders markanten Stelle hat die weiße Felsenküste ihren Reiz und sie setzt sich fort bis zur Mündung der Seine. Da liegt dann wieder ein Ort, den ich sehr mag, nicht die Hafenstadt Le Havre, sondern das auf der anderen Seite gelegene Honfleur. Um es in den Kategorien von Michelin zu beschreiben: meiner Ansicht nach lohnt Honfleur unbedingt einen Umweg. Hier ist wirklich vieles ganz Altes erhalten geblieben, vor allem rund um ein altes, kleines Hafenbecken. Wer bei einigermaßen schönem Wetter kommt, dem wird vermutlich unweigerlich das Wort „malerisch“ auf den Lippen liegen. Als wir das erste Mal kamen, empfanden wir es als sehr touristisch und waren gar nicht unbedingt begeistert. Aber man kann es dem Ort ja nicht verübeln, dass so viele Menschen ihn ansehen wollen. Am besten ist es wohl, möglichen Trubel gelassen zu nehmen und sich Zeit zu nehmen, um sich in aller Ruhe umzusehen.

Trouville und der Nachbarort

Keine 20 Kilometer entfernt von Honfleur entfernt liegt Trouville, ein Ort, an dem wir es bei unserem ersten Aufenthalt dort richtig gut angetroffen haben und an den wir inzwischen oft und gerne zurückgekehrt sind.

Trouville ist ein alter Hafen- und Fischerort und hat sich viel davon bewahrt. Im Wettbewerb der Seebäder untereinander, behauptet der Ort dennoch der älteste zu sein, weil bereits sehr früh im 19. Jahrhundert die ersten Badegäste gekommen sind. Insbesondere am Strand entlang sind beeindruckende Villen entstanden und Grandhotels, die auch heute noch den Anblick von der Wasserseite aus prägen. Uns gefällt die Mischung, die sich so entwickelt hat, besonders gut: entlang der Flussmündung, dort, wo auch die Fischerboote immer noch täglich anlegen und ihren frischen Fang verkaufen, gibt es Geschäfte und Restaurants und eine Fischhalle, die gleichzeitig Fischrestaurant und zentraler Treffpunkt ist. Und es gibt einen langen Sandstrand, an dessen Rand man noch einige der Sommerhäuser und beeindruckenden Villen sehen kann, die im 19. Jahrhundert entstanden sind, auch die heutige Résidence Les Roches Noires, gebaut als seinerzeit eines der größten und komfortabelsten Hotels, in dem Marcel Proust lange Jahre Stammgast war. Jenseits von Roches Noires folgen noch einige wenige, dafür um so schönere alte Villen. Dahinter geht es bergan und zum Ort hinaus.

Das i-Tüpfelchen auf allem ist unserer Ansicht nach, dass direkt nebenan, nur gerade über den Fluß La Touques hinweg, Deauville liegt.

Diese Ansicht mag etwas überraschen, immerhin ist Deauville Frankreichs bekanntester Badeort und doch wohl mehr als das i-Tüpfelchen der wenig mondänen Nachbarstadt. Gut, vielleicht das Sahnehäubchen, denn dass Deauville etwas ganz Besonderes ist, ist tatsächlich nicht zu übersehen. Deauville ist, wie so viele andere, auch ein Ort aus der Retorte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, geplant und gebaut, um höchsten Ansprüchen zu genügen: modernste Grand Hotels, ein Hippodrom, ein Casino, Bäder…, alles, was man sich wünschen konnte. Heute durch die Straßen des Ortes zu laufen, fühlt sich so an, als liefe man durch ein großes Freilichtmuseum. Die Villa des Baron de Rothschild z.B., um einen der vielen ganz bekannten Namen zu nennen, ist inzwischen tatsächlich wie ein Museum zu besichtigen, andere oft nahezu ebenso beeindruckende Häuser sind allerdings sind normal bewohnt.

Der Strand von Deauville hat einen besonders hohen Wiedererkennungswert. Dafür sorgen nicht nur die Sonnenschirme und die Art, wie sie zusammengebunden sind, sondern vor allem der ursprünglich über 400 Meter lange und heute noch weiter verlängerte Holz-Weg, les planches, und die art-deco Badekabinen, die ihn säumen. Und dann hat Claude Lelouch hier und genau mit diesem Steg und den Kabinen auch noch einen Film gedreht, der in Frankreich zu den Klassikern gehört. Seither kennt jede und jeder diesen Strand. Seit den 60er Jahren gibt es ein Filmfestival in Deauville, ein kluger Schachzug, um weiterhin auch jene Berühmtheit anzuziehen, die dafür sorgen, dass auch andere sich angezogen fühlen. Auf hölzernen Geländern vor den Badekabinen werden nun Jahr für Jahr Namen der Filmgrößen eingraviert, die da gewesen sind; so bleibt man im Gespräch.

Trotzdem, das allein würde sicherlich nicht reichen. In Deauville wird alles gepflegt, der Strand, die Straßen, die Häuser, der Rasen vor dem großen Hotel wird mit der Nagelschere geschnitten. Die Nobelmarken haben Boutiquen vor Ort, auch da setzt sich die Tradition fort: Coco Chanel hat immerhin schon 1913 ihre erste Boutique außerhalb von Paris in Deauville eröffnet.

Deauville tut also alles, um weiterhin dem Ruf des eigenen Namens gerecht zu werden; trotzdem, uns wäre Deauville allein zu wenig, uns gefällt vor allem das Tandem, Deauville und Trouville gemeinsam. Unvergessen ist uns unser Plausch mit dem Enkel von Peggy Guggenheim, der sich am Strand von Deauville wohl langweilte und uns angesprochen hat. Ihm wären wir in Trouville nicht begegnet, aber umgekehrt können wir nur am Strand von Trouville wirklich entspannten Boulespielern zuschauen, so uneitel wie sie sind, ist man in Deauville nicht.

Damit habe ich unsere wohl liebsten Urlaubsorte beschrieben und so allmählich mag ich mich gar nicht mehr recht damit begnügen, nur in Erinnerung zu schwelgen. Wie viel lieber würde ich wieder hinfahren! Trouville und Deauville liegen ganz nah… eigentlich könnte man mal eben…wenn man dürfte.

Beim Schreiben sind mir natürlich noch viel mehr Orte und Landschaften wieder in den Sinn gekommen und viele Begegnungen mit netten Menschen. Sie fehlen hier, aber mein Anspruch war ja nicht, einen alles erwähnenden Reiseführer zu schreiben, noch nicht einmal ein vollständiger Bericht meiner bisherigen Frankreichreisen sollte es werden. Wenn ich es mir so ansehe, stelle ich fest, dass meine Auswahl stark „küstenlastig“ geraten ist, wahrscheinlich nicht nur, weil es mich zur Zeit dorthin am meisten zieht, sondern auch weil schöne Küstenorte viel zu bieten haben für einen rundum abwechslungsreichen Urlaub. Trotzdem habe ich beinahe so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil diese Auswahl anderen Regionen etwas Unrecht zu tun scheint. Aber schnell noch zu erwähnen, dass auch die Normandie schön ist – sehr hügelig übrigens, anders als wir es getan haben, sollte man sich das vor einer Fahrradtour genau anschauen – und Rennes, Rouen, Amiens und noch viele andere Städte großartige Kathedralen haben, nur um korrekt zu sein, entspräche nicht meinem Vorhaben. Mit einiger Leidenschaft könnte ich noch von Lille berichten. Viele Male waren wir auf dem Weg in den Urlaub daran vorbeigefahren, bevor wir es 2004 für uns entdeckt haben. Anlass war, dass Lille gemeinsam mit Roubaix Kulturhauptstadt war. Vieles von dem, was es nur in diesem Jahr und im Rahmen des Kulturhauptstadt-Programms zu sehen gab, hat uns sehr gefallen- unter anderem haben wir ein Akkordeon-Konzert miterlebt. Es war großartig. Aber darüberhinaus haben wir bei unseren Besuchen in diesem Jahr begriffen, was Lille so alles dauerhaft und nicht nur für ein Jahr zu bieten hat. In Lille ist viel alte Bausubstanz erhalten, der Altstadtkern mit seinen Gebäuden in flämischem Stil begeistert mich immer wieder. Bevor wir ihn besichtigt haben, war mir nicht klar, dass Lilles Palais des Beaux Arts nach dem Louvre in Paris das bedeutendste Kunstmuseum Frankreichs ist. Überhaupt wußte ich Vieles vorher nicht, auch nicht, dass es solch unglaubliche Berge von leeren Miesmuschelschalen geben kann, wie sie bei der Braderie in Lille zusammenkommen. Zur Braderie verwandelt sich die ganze Stadt in einen gigantischen Flohmarkt, zu dem zahlreiche große und kleine Händler anreisen, an dem sich aber vor allem auch die ansässigen Geschäfte mit besonderen Aktionen beteiligen. Und überall gibt es Moules Frites. Wir haben uns inzwischen einmal mutig in dieses Fest hineinbegeben, für einen Erstbesuch der Stadt rate ich allerdings, eher ein anderes Wochenende zu wählen.

À propos Braderie ….. Anfang September wäre sie eigentlich, aber wahrscheinlich wird sie nicht stattfinden, weil in diesem Herbst keine Volksfeste stattfinden werden, bei denen sich die Menschen dichtgedrängt durch die Straßen schieben. Aber es sieht so aus, als dürfe man zumindest wieder in Urlaub fahren, das ist eine gute Nachricht, denn wir hoffen zunehmend ungeduldig darauf, bald wieder losfahren zu können.

Bei meiner Rundreise in Gedanken sind mir genug Ideen dazu gekommen, wo ich würde hinfahren wolle. Das Problem ist derzeit wahrhaftig nicht, dass man vielleicht nicht wüßte, wohin die Reise gehen sollte, das Problem ist: wann darf man wieder reisen?

Und je länger Restaurants, Cafés, Hotels und sämtliches auf den Tourismus ausgerichtete Wirtschaftsleben heruntergefahren sind, um so mehr muss man fürchten, dass sie nicht in derselben Art wieder werden hochfahren können. Für Deutschland sagen einige Wirtschaftsvertreter eine große Pleitewelle voraus. Ob das so eintritt oder solche Aussagen vielleicht doch eher taktisch sind, sei dahin gestellt. Aber es steht zu fürchten, dass eher die kleineren Unternehmen finanziell nicht werden durchhalten können. Das wären dann also genau die Restaurants, Cafés und Hotels, in denen wir bisher gerne zu Gast waren? Das würde dann nicht nur uns, sondern vor allem die Ortschaften treffen, in denen schon jetzt erkennbar darum gekämpft wird, Atmosphäre und Lebendigkeit zu erhalten, und es würde in den Urlaubsregionen, die schon jetzt darunter leiden, mit weniger Touristen zurecht kommen zu müssen, die Lage noch weiter erschweren. Manche sagen, dass auch eine andere Entwicklung möglich ist. In Frankreich sehen einige einen Trend voraus, lieber auf dem Land als in den großen Städten leben zu wollen und lieber im eigenen Land als in der Ferne Urlaub machen zu wollen. Käme es so, wäre es eine Chance …. und wir müßten uns umso mehr beeilen, trotzdem noch eine Ferienwohnung zu bekommen.

ps: Mein Medium, aus unseren Urlauben zu berichten, ist die Sprache. Michael hat andere Möglichkeiten: er macht Bilder. Auf seinen Seiten https://www.michaelkneffel.de/reise/index.html und https://michaelkneffel.wordpress.com/ gibt es viele Photos aus den Regionen, die ich mit Worten beschrieben habe.

Biarritz – Liebe auf den zweiten Blick (Teil 1)

Auf unserer Fahrt nach Biarritz im äußersten Südwesten Frankreichs haben wir die Autobahn schon etwa fünfzig Kilometer vor unserem Zielort verlassen, um am Samstag vor Ostern nett zu Mittag zu essen und anschließend entspannt die Küstenstraße entlang zu bummeln. Nach dem Studium der Michelin-Karte haben wir uns für den kleinen Ort Léon entschieden, der durch einen Stern als sehenswert gekennzeichnet ist. Die Parkplätze des Ortes sind zu unserer Überraschung fast vollständig durch spanische PKW besetzt, und es dauert eine ganze Weile, bis wir eine Lücke finden und uns zu Fuß auf die Suche nach einem geeigneten Restaurant machen können. Irgendwo in Nordspanien muss ein Atomkraftwerk explodiert sein, und die gesamte Bevölkerung im Umkreis von 100 Kilometern ist über die Grenze nach Frankreich an die baskische Küste geflohen. Anders können wir uns kaum erklären, warum wir plötzlich von unzähligen spanischen Großfamilien umringt sind, deren Mitglieder aussehen, als hätten sie nur das mitnehmen können, was sie gerade auf der Haut trugen – vorzugsweise Trainingsanzüge und andere Kleidungstücke, in denen man es sich zu Hause gemütlich macht. In den Restaurants gibt es kaum noch freie Plätze, aber die Besitzer müssen mit dem spanischen Exodus gerechnet haben und sind voll auf Massenabfertigung eingestellt. Wir beschließen schnell, in einem anderen Ort unser Glück zu versuchen, und fahren irritiert weiter. Spanische Sätze rasseln und klingeln uns noch lange in den Ohren. Die Männer von jenseits der Grenze scheinen großen Wert darauf zu legen, im Umkreis von mindestens zwanzig Metern von jedem und jederzeit gut gehört werden zu können. Auf unserer Weiterfahrt machen wir noch eine weitere Entdeckung. In Nordspanien scheint eine besondere Form von Matriarchat im Straßenverkehr zu herrschen, wobei jeweils das älteste weibliche Mitglied der Großfamilie den Platz am Lenkrad für sich beanspruchen darf. In einer endlosen Karawane spanischer Autos zuckeln wir mit Tempo 30 von Küstenort zu Küstenort, machen uns schließlich über die letzten Reste unseres Reiseproviants her und hoffen nur noch, endlich Biarritz zu erreichen.

Die vermeintlich reizvolle Küstenstraße führt zuletzt durch ausgedehnte Industrie- und Gewerbegebiete von Bayonne und Anglet, und der Stadtrand von Biarritz ist nicht viel attraktiver als der von Bottrop oder Castrop-Rauxel. Als wir endlich vor unserer Unterkunft, dem Apartmenthaus Haguna von Pierre & Vacances in der Avenue de la Reine Victoria ankommen, wird uns schnell klar, dass an einem teuren Einstellplatz in der Tiefgarage unseres Hauses kein Weg vorbei führen wird. Biarritz scheint an diesem Osterwochenende vor Verkehr aus allen Nähten zu platzen, und freie Parkplätze sind im Stadtgebiet absolute Mangelware.

Unser Haus und unser Apartment überraschen uns positiv. Nur als wir ein Fenster zur Straße öffnen, beschleicht uns der Gedanke, dass es vielleicht doch keine gute Idee war, Ruhe und Entspannung in den Osterferien ausgerechnet in Biarritz suchen zu wollen. Die Stadt brummt, nein, sie röhrt. Der Verkehrslärm ist enorm. Und auch hier scheint ein Wettbewerb ausgetragen zu werden, den wir bereits aus unserem Heimatort kennen. Nur noch nicht so heftig. Während früher die brennendsten Fragen (dauer)pubertierender Führerscheininhaber lauteten: „Wer hat den Schnellsten? Wer hat den Stärksten?“, scheinen dieselben Menschen heute auf den Straßen vor allem eines demonstrieren zu wollen: „Ich habe den Lautesten!“ Alle Pariser Besitzer von Ferraris, Maseratis und ähnlichen Fahrzeugen scheinen sich dazu über Ostern in Biarritz versammelt zu haben. Den Vogel hat dann aber ein Motorradfahrer abgeschossen, der um zwei Uhr nachts mit geschätzten 120 Sachen an unserer Unterkunft vorbeigeschossen ist und dabei so einen Lärm entwickelt hat, dass uns die Vibration der Ohrenstopfen in unseren Gehörgängen geweckt hat. Bei geschlossenem Fenster! Das muss man erst mal schaffen.

Phantombild des nächtlichen Rasers © Michael Kneffel

Phantombild des nächtlichen Rasers © Michael Kneffel

Die Zweifel an der richtigen Wahl unseres Urlaubsortes verdichten sich fast zur Gewissheit, als wir am Ostersonntag bei der ersten Ortsbegehung in einem dichten Pulk von Spaniern und im Tempo einer Fronleichnamsprozession über die berühmte Strandpromenade des Ortes geschoben werden. Die spanischen Männer tragen immer noch Trainingsanzüge, einige ihrer Frauen aber haben die Frottee-Hausanzüge gegen kurze, dünne, vorzugsweise rote Kleidchen und Pumps mit mindestens 10 Zentimeter hohen Absätzen getauscht.  Am Ostersonntagmorgen. Bei eisigem Wind. Dazu haben manche von ihnen Makeup aufgetragen, als wollten sie an einem Dragqueen-Wettbewerb teilnehmen. Beschallt werden wir von einer riesigen Lautsprecheranlage neben dem Casino, die mühelos selbst die Iberer und die neben der Promenade dicht an dicht entlangröhrenden Autos und Motorräder übertönt. Über Ostern werden vor der Promenade die französischen Surfmeisterschaften ausgetragen, und fachkundige Kommentatoren preisen zwischen wummernden Disco-Bässen die sportlichen Leistungen auf den Wellen.

Ostertrubel am Strand von Biarritz © Michael Kneffel

Ostertrubel am Strand von Biarritz © Michael Kneffel

Wir fliehen Richtung Ortskern und landen schließlich an der Markthalle oben in der Stadt, wo sich eine ganz andere Szene versammelt hat. Frauen jenseits der 50, mindestens einmal zuviel geliftet und im Look ihrer Töchter, und ihre gleichaltrigen männlichen Begleiter in zu engen Lederjäckchen drängen sich zwischen der Halle und den Bars und Restaurants auf der anderen Straßenseite. Mit Weißwein- und Champagnergläsern in der Hand werden hier gute Laune und Reichtum demonstriert. Wir haben die Insassen der  Pariser Luxuskarrossen mit den lärmenden Auspuffanlagen gefunden, hätten darauf aber auch gut verzichten können und schwören uns innerlich, in diese Gegend der Stadt nie wieder einen Fuß zu setzen. Wo sind wir hier bloß hingeraten? Erste Gedanken an sofortige Abreise keimen in uns auf.

Gedämpft wird dieser Impuls allerdings von der Schönheit unzähliger Gebäude in dieser Stadt. Wir wissen oft gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollen. Prächtige Stadtvillen überall. Der Hochadel Europas hat sich in Biarritz ab der Mitte des 19. Jahrhunderts architektonisch verewigt, nachdem Napoléon III. seiner Gemahlin Eugénie eine imposante Residenz in dem vorher unbedeutenden Fischerort errichten ließ. Das Gebäude thront über dem Strand am nördlichen Ende der Promenade und dient heute als Luxushotel. Mit dem Adel kam der internationale Jetset und festigte ein Jahrhundert lang das Image eines  mondänen Badeortes. Rund um die kaiserliche Residenz entstanden Sommerwohnsitze, erst noch im imperialen Stil, dann im verspielten Jugendstil und schließlich im klareren art déco. Biarritz ist ohne Zweifel eine schöne Stadt. Wenn nur nicht dieser Rummel und Lärm wären.

Strandvilla in Biarritz © Michael Kneffel

Strandvilla in Biarritz © Michael Kneffel

Auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen landen wir schließlich im Zentrum der Stadt im proppevollen Café La Coupole, einer traditionellen Brasserie an der Place Georges Clemenceau, wo gerade ein Kellner einen weiblichen Gast abkanzelt. Die junge Frau hatte sich in einem Gemisch aus Spanisch und Englisch darüber beschwert, dass sie nach ihrer Meinung zu lange auf ihr Getränk hatte warten müssen. Offensichtlich sind wir nicht die Einzigen, denen die spanische Oster-Invasion auf die Nerven geht. Als der Kellner grimmig auf uns zusteuert, rechnen wir mit dem Schlimmsten, werden aber angenehm überrascht. Nachdem wir unsere Bestellung in enem einigermaßen flüssigen Französisch aufgegeben haben, wandelt sich seine Miene, und wir werden sehr freundlich bedient. In den folgenden Tagen wird das La Coupole zu einer festen Anlaufstelle für uns, vor allem zur Frühstückszeit, aber auch zu anderen Tageszeiten immer wieder gerne.

Vielleicht wäre es aber gar nicht mehr dazu gekommen, hätten nicht die Massen von spanischen und Pariser Ostertouristen nahezu schlagartig die Stadt am Ostermontag verlassen. Plötzlich war alles anders, und für uns begann eine schöne Zeit in einer überaus angenehmen Stadt, in der es sehr entspannt zugeht. (Fortsetzung folgt.)

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Fondation Louis Vuitton – neue Aussichtsplattform für Paris

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Als der französische Multimilliadär Bernard Arnault, Herrscher über den Luxusartikelkonzern LVHM Moet Hennessy -Louis Vuitton, vor acht Jahren die Stiftung Louis Vuitton gründete und den Stararchitekten Frank O. Gehry beauftragte, ein Haus für seine private Kunstsammlung in den Bois de Boulogne zu bauen, war schon klar, dass Paris eine neue spektakuläre Attraktion bekommen würde. Seit Oktober letzten Jahres ist das Gebäude mit dem Namen „Fondation Louis Vuitton“ eröffnet und zieht seitdem Massen kunstsinniger Touristen in den Park im Westen der Stadt. Wie ein Schiff unter vollen Segeln scheint die Konstruktion aus Glas, Stahl und Beton mit ihrem treppenartigen Brunnen an der Nordspitze in die weite See zu stechen.

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Bei unserem letzten Parisbesuch im Dezember waren wir natürlich auch neugierig, buchten die Tickets vorab im Internet und nutzten den preiswerten Busshuttle (1 Euro pro Person) von der Haltestelle in der Avenue de Friedland, nur wenige Meter vom Arc de Triomphe entfernt. Wir hatten Glück und bekamen gleich im ersten Bus zwei Plätze. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Busse sind klein und der Andrang ist beachtlich. Auch die Schlange am Eingang der neuen Sehenswürdigkeit konnten wir dank unseres Onlinetickets links liegen lassen und sofort zuerst den Park und dann das spektakuläre Architekturobjekt entern. Kaum im Gebäude angekommen zog es uns – wie die meisten anderen Besucher – schnell wieder über eine der vielen Treppen nach draußen. Auf verschiedenen Ebenen bieten zahlreiche Plattformen interessante Perspektiven in die Außenhülle des Gebäudes – und natürlich auf Paris!

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Über den Nordteil des Bois de Boulogne hinweg geraten immer wieder die Hochhäuser von La Defense mit der Grand Arche in den Blick, in der Gegenrichtung ist der Eiffelturm zu sehen und animiert die Besucher zu unzähligen Fotos und Selfies.

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass die meisten Besucher weniger am Inhalt als vielmehr am Gebäude selbst und der Aussicht auf die Stadt interessiert waren. Uns ging es ähnlich, zumal die Ausstellungsräume zwar viel teure Kunst bargen, aber Wolfgang Tillmanns, Alberto Giacometti, Nam Jun Paik, Sigmar Polke und Thomas Schütte – um nur einige Künstler der aktuellen Ausstellung zu nennen -, wirkten schon etwas beliebig zusammengestellt und sind auch anderswo nicht gerade selten zu sehen.

Die Hauptattraktion ist zur Zeit noch das Gebäude, eine begehbare Großskulptur mit schöner Aussicht auf Paris.

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

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Paris noir

Paris im Dezember. Die Tage sind kurz, der Himmel ist wolkenverhangen, die Straßencafés sind leer. Es ist kalt und gelegentlich fällt Regen. Andere Städte verlieren unter diesen Bedingungen viel von ihrem Reiz. Paris nicht. Im Gegenteil. Ich fühle mich dann wie in einem „Film noir“ aus den 50er oder 60er Jahren mit Jean Gabin, Jeanne Moreau, Lino Ventura und stelle meine Kamera auf Schwarz-Weiss.

Häuser in der Rue de Passy © Michael Kneffel

Häuser in der Rue de Passy © Michael Kneffel

Hausboot auf der Seine © Michael Kneffel

Hausboot auf der Seine © Michael Kneffel

Rue Berthe auf dem Montmartre © Michael Kneffel

Rue Berthe auf dem Montmartre © Michael Kneffel

im Colibri © Michael Kneffel

im Colibri © Michael Kneffel

Mehr Schwarz-Weiss-Fotos aus Paris gibt es auf meiner Hompage unter http://www.michaelkneffel.de/reise/parisnoir/index.html.

 

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Mein Foto der Woche – die Residence de la Mer in St. Cast-le-Guildo 2001

Die Residence de la Mer in St. Cast-le-Guildo im Dezember 2001 © Michael Kneffel

Die Residence de la Mer in St. Cast-le-Guildo im Dezember 2001 © Michael Kneffel

Austern und Weißwein im warmen Sonnenschein auf der Mole von Cancale am 24. Dezember. An ungewöhnlich milde Dezembertage in der Nordbretagne im Jahr 2001 erinnert mich dieses Foto von der Résidence de la Mer in St. Cast-le-Guildo. Das damals baufällige Gebäude präsentiert sich übrigens heute in neuer, renovierter Pracht.

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Poilhes – Idylle am Canal du Midi

„Ob an der Küste oder im Hinterland, in der Ferienregion Languedoc-Roussillon herrscht ein heiteres Lebensgefühl, das Gäste auf Anhieb in den Bann zieht. Am Strand, in Bistros und Restaurants, auf Märkten und bei Festen, überall herrscht diese typische Art de vivre, die den Urlaub im Süden Frankreichs so bereichert.“ So hat die PR-Agentur Ducasse / Schetter, spezialisiert auf die Vermarktung von Reisezielen in Frankreich und der Schweiz, unlängst das Languedoc-Roussillon beschrieben. Schon vorher hatten wir diese Region im Süden Frankreichs für unseren diesjährigen Frühjahrsurlaub ausgesucht. Nach fünfzehn Jahren wollten wir noch einmal vor allem die Gegend am Canal du Midi durchstreifen – überwiegend mit dem Rad. Als Ausgangspunkt für unsere Streifzüge hatten wir das kleine Örtchen Poilhes ausgesucht. Und das war ein großer Glücksgriff.

der Canal du Midi in Poilhes © Michael Kneffel

der Canal du Midi in Poilhes © Michael Kneffel

Direkt am Canal gelegen wirkt das Weinbaudörfchen ein wenig wie aus der Zeit oder einem Bilderbuch gefallen. Große alte Wirtschaftsgebäude zeugen vom Reichtum ansässiger Weinbauern, die Wohnhäuser machen einen sehr gepflegten Eindruck. Es gibt ein kleines, altes Chateau im Dornröschenschlaf, dessen Dach gerade renoviert wurde, eine leicht zu übersehende, aber nicht zu überhörende Kirche, deren Glocke zu jeder Viertelstunde schlägt, und ein bemerkenswert gut sortiertes winziges Lebensmittelgeschäft, in dem sich alles findet, was man für die Grundversorgung benötigt. Souverän geführt wird der Laden von einer freundlichen alten Dame, weit im Rentenalter, aber mit einer so würdevollen Haltung und korrekten Sprache, dass es nicht verwundern würde, wenn sie früher einmal die benachbarte Grundschule geleitet hätte. Dort wird immer noch unterrichtet, und in den Pausen sind die Stimmen der Kinder auf dem Schulhof fast im ganzen Dorf zu hören.

gefiederte Einwohnerin von Poilhes © Michael Kneffel

gefiederte Einwohnerin von Poilhes © Michael Kneffel

Und während in vielen südfranzösichen Dörfern die alten Restaurants und Cafés längst für immer geschlossen haben, bietet Poilhes gleich drei Restaurants mit ambitionierter Küche. Die Lage am Kanal und das ständige Defilee von Hausbooten mit zahlungskräftigen Touristen sichern das Überleben. Hausbootfahrer, die von der Küste kommen und hier Station machen, sehen schon bei der Einfahrt ins Dorf die Terrasse des „Tour Sarrasine“ und müssen nach dem Anlegen nur noch – an der Dorfgans vorbei – eine schmale Straße überqueren, um dort Platz nehmen zu können. Die Speisekarte ist umfangreich, das Essen großartig, und die Preise sind mehr als fair. Drei Gänge in dieser Qualität muss man anderswo schon etwas länger suchen und bekommt sie garantiert nicht für dreißig Euro, sondern bestenfalls für das Doppelte. Drinnen ist das Restaurant elegant eingerichtet, Steifheit kommt trotzdem nicht auf, dafür sorgt die herzliche Besitzerfamilie, mit Mitgliedern aus drei Generationen. Clemence, die Jüngste, lernt gerade das Laufen. Der aus Liège stammende Kellner scheint in allen auf dem Canal vorkommenden Sprachen zu Hause zu sein und bringt die bunte, internationale Gästeschar mit Humor und Gelassenheit durch einen entspannten und genussreichen Abend.

das wunderbare kleine Restaurant Les Platanes in Poilhes © Michael Kneffel

das wunderbare kleine Restaurant Les Platanes in Poilhes © Michael Kneffel

Etwas versteckter im Ort, neben der Kirche, liegt ein völlig anderes, aber ebenso empfehlenswertes Restaurant, das „Les Plantanes“ von Amanda und Dave, zwei sympathischen Neuseeländern, die vor sieben Jahren nach Frankreich übersiedelt sind und sich vor einem Jahr in Poilhes niedergelassen haben. Ihre Speisekarte ist überschaubar, dafür wechseln die angebotenen Gerichte häufig. Mit frischen Zutaten aus der Region bietet „Les Platanes“ Klassiker der französischen Küche wie den gebackenen Camembert oder die Zwiebelsuppe in seltener Qualität und zu noch günstigeren Preise als die Konkurrenz im Ort. Aber auch das neuseeländische Dessert „Pavlova“ sollte man sich nicht entgehen lassen. Als Besitzer eines Chateaus am Atlantik, das gerade zum Verkauf steht, und eines Hauses in den Pyrenäen haben die beiden viel zu erzählen und lassen sich gern am Nachmittag auf einen kleinen Schwatz auf der Terrasse ihres Lokals ein. Angesichts des hohen Wohlfühlfaktors in beiden Restaurants haben wir es gar nicht mehr bis zum dritten gastronomischen Anbieter geschafft. Am Rand des Ortes gelegen bietet das „Vinauberge“ neben Speisen auch Gästezimmer und verkauft Weine aus der Region.

Capestang mit der Kirche Saint Etienne © Michael Kneffel

Capestang mit der Kirche Saint Etienne © Michael Kneffel

Erster Anziehungspunkt außerhalb von Poilhes war für uns das nur vier Kilometer entfernte, ungleich größere und ebenfalls am Canal gelegene Capestang. Am Sonntag zieht der große Wochenmarkt sehr viele Menschen an. Unter der Woche wirkt der Ort mit seiner weithin sichtbaren, immer wieder erweiterten, imposanten Kirche jedoch merkwürdig unbelebt, was er mit vielen anderen Dörfer und Städten gemein hatte, die wir noch besuchen sollten. Auf Naturliebhaber, insbesondere Vogelfreunde, müsste Capestang eigentlich eine starke Anziehungskraft ausüben. Südlich der Stadt liegt der sogenannte Etang de Capestang, ein versumpfter, von mehreren Kanälen und einigen Wegen durchzogener ehemaliger See mit großen Schilfgebieten. Als wir ihn auf einer unserer Fahrradtouren eher zufällig durchquerten, sahen wir schon mit bloßem Auge so viele Störche, Reiher und andere Wasser- und Watvögel, die wir nicht identifizieren konnten, dass wir mit Hobbyornithologen in großer Zahl und von überall her rechneten. Weit gefehlt! Im Tourismusbüro von Capestang sah uns die freundliche Mitarbeiterin ziemlich verständnislos an, als wir nach Wanderwegen und geführten Touren durch dieses Gebiet fragten. Und auch andere Menschen, die vor Ort leben, fanden unsere Berichte von den Tieren im Etang sehr interessant, gestanden aber, noch nie dort gewesen zu sein. Etwas weiter ist man am Etang de Vendres, der etwa 15 Kilometer weiter südöstlich und damit unmittelbar vor der Küste liegt. Hier gibt es immerhin schon einen großen Beobachtungsstand mit einigen Informationen zu den dort anzutreffenden Vögeln. Dass in den Weinfeldern der Gegend unzählige Bienenfresser leben und fliegen, sei nur am Rande erwähnt.

im Beobachtungsstand am Etang de Vendres © Michael Kneffel

im Beobachtungsstand am Etang de Vendres © Michael Kneffel

Nicht viel weiter als Capestang, aber in östliche Richtung, liegt der etwas kleinere Ort Colombiers am Canal du Midi. Auf dem Weg dorthin ist der Kanaltunnel von Malpas zu besichtigen, ebenso wie das Oppidum d´Ensérunes – berühmte gallische Siedlungsreste, auf einem Hügel gelegen. Das benachbarte Informationszentrum von Malpas bietet viele Modelle, Karten und Reliefs und ein großes Literaturangebot zum Weltkulturebe Canal du Midi und zur Region. Durch den Bau eines großen Hafens im Jahr 1989 hat sich Colombiers zu einem Zentrum des Hausboottourismus entwickelt. Schön ist was anderes. Als wir mit unseren Rädern etwas irritiert im Rummel des Hafens standen und die hässlichen Zweckbauten betrachteten, fragte uns eine ältere Dame – offensichtlich aus dem Ort – was wir suchten und ob sie uns helfen könne. Auf unsere etwas ironische Antwort, wir suchten den Ort, hob sie resignierend die Schultern und entgegnete, es sei halt praktisch und einen Arzt gebe es auch. Wie viele Planungs- und Bausünden sind wohl schon mit dem Satz: „Es ist halt praktisch“, begründet worden?

im Hafen von Colombieres © Michael Kneffel

im Hafen von Colombieres © Michael Kneffel

Von unserem ersten Besuch am Canal du Midi vor 15 Jahren hatten wir das kleine Le Somail, etwa zwanzig Kilometer weiter westlich, in bester Erinnerung. Und auch heute noch wird der Ort in jedem Führer als Schönheit am Kanal beschrieben. Uns hat das Wiedersehen eher enttäuscht. Zu der malerischen Ansiedlung weniger Häuser an der alten Brücke hat sich eine große Neubausiedlung gesellt, die sich scheinbar planlos in die Landschaft ausdehnt. Neu hinzugekommene Gastronomie und ein großer Parkplatz für Wohnmobile haben auch nicht gerade den Charme des Ortes erhöht. Da gefiel es uns schon wesentlich besser am benachbarten Canal de Jonction, der den Canal du Midi als Verbindungskanal mit der Küste bei Narbonne verbindet und von herrlichen Pinien gesäumt wird. Wer mit dem Hausboot auf dem Canal du Midi unterwegs ist, sollte sich den Abstecher nach Sallèles-d´Aude nicht entgehen lassen. Auch wenn der Ort selbst bei unserem Besuch nahezu ausgestorben wirkte, gehören die dortigen Liegeplätze zu den schönsten, die man weit und breit ansteuern kann.

Hausboot in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

Hausboot in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

umgebaute Lastkähne in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

umgebaute Lastkähne in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

Es stimmt also, dass sich immer noch wunderschöne Dörfer und Landschaften in diesem Teil des Südens finden lassen. Auf der anderen Seite ist aber auch hier nicht zu übersehen, dass sich Frankreich in einer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise befindet und dass vielen Menschen das „heitere Lebensgefühl“, von dem eingangs die Rede war, abhanden gekommen ist. In zwei Wochen haben wir Armut, Elend und die Verödung von Städten in einem Ausmaß erlebt, wie wir es bisher nicht für möglich gehalten hätten. Wir sahen erschreckend viele Menschen, die vor einer karitativen Einrichtung um Lebensmittel anstanden, eine Familie mit Kind, die in Narbonne auf der Straße lebt, Dutzende von Frauen, die sich an der Landstraße zwischen Bèziers und Narbonne prostituierten. Das und einiges mehr hat uns sehr nachdenklich gemacht und ließ uns ahnen, warum gerade hier der rechtsradikale Front National bei der jüngsten Europawahl in vielen Kommunen weit über dreißig Prozent der Wählerstimmen bekommen hat.

aufgegebene Boulangerie in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

aufgegebene Boulangerie in Sallèles-d´Aude © Michael Kneffel

 

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Nichts ist vergessen – der D-Day 1944 in der Normandie

Vor vierundzwanzig Jahren verbrachten wir unseren Sommerurlaub mit Zelt und Fahrrad in der Normandie. Von Jumièges an der Seine radelten wir entlang der Küste bis nach Barneville-Carteret auf der Halbinsel Cotentin und von dort durch das Landesinnere zurück zu unserem Ausgangspunkt. Wir hatten eine großartige Zeit in herrlichen Landschaften und an malerischen Orten. Immer wieder trafen wir allerdings auch auf Soldatenfriedhöfe, auf Gedenktafeln für von Deutschen erschossene Zivilisten und auf viele Hinterlassenschaften des 2. Weltkriegs. Besonders an den Küstenabschnitten, wo 1944 die Alliierten gelandet waren, um Europa von Nazi-Deutschland zu befreien, und wo viele regionale, oftmals improvisiert wirkende Kriegsmuseen große Scharen von Besuchern anzogen, fühlten wir uns als Deutsche manchmal fehl am Platze und vermieden es zuweilen sogar, deutsch zu reden. Zwischen all den Franzosen, Engländern, Niederländern und Touristen aus anderen Ländern, die ihre begeisterten Kinder auf alte Panzer und Geschütze klettern ließen, machten sich Gefühle von Scham und Schuld bemerkbar, die wir so kaum kannten.

Grab auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Grab auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Fast schon am Ende unseres Urlaubs betraten wir zum ersten Mal einen der vielen Soldatenfriedhöfe im Hinterland. Es war schon spät am Tag, und wir waren allein auf der überaus gepflegten Anlage mit den hunderten von weißen Grabsteinen. Bald hinter dem Eingang stand ein kleines Haus, in dem ein gebundenes Buch auslag, in das sich Besucher eintragen konnten. Es war fast bis zu den letzten Seiten vollgeschrieben. Angesichts des beachtlichen Umfangs des Buches waren wir sicher, dass es schon seit langer Zeit dort liegen musste. Als wir zurückblätterten, stellten wir jedoch fest, dass die ersten Eintragungen aus demselben Jahr stammten. Innerhalb eines halben Jahres hatten sich hier tausende von Besuchern eingetragen, von denen sehr viele aus Übersee stammten. Wir lasen die Namen von Menschen aus Kanada, Neuseeland, Australien und vielen anderen Nationen aus der ganzen Welt. Die Erkenntnis, dass fast fünfzig Jahre nach dem 2. Weltkrieg immer noch so viele Menschen enorme Entfernungen zurücklegten, um allein diesen Friedhof zu besuchen, traf uns unerwartet und heftig. Uns wurde schlagartig bewusst, wie lebendig die Erinnerung an die Opfer des von Deutschen entfesselten Krieges in weiten Teilen der Welt noch immer war, in wie vielen Familien noch immer an Angehörige gedacht wurde, die hier ihr Leben gelassen haben. Das war eine andere Erinnerungskultur als wir sie aus Deutschland kannten: pflichtgemäßes Gedenken nach Kalender in offiziellen Feierstunden, aber kaum irgendwo persönliches Erinnern oder Reden über die Kriegsjahre im Familienkreis. Jedenfalls nicht in unseren Familien.

In knapp einem Monat, am 6. Juni, dem sogenannten D-Day, wird sich die Landung der Alliierten in der Normandie zum 70. Mal jähren. An den zentralen Jubiläumsfeierlichkeiten in Ouistreham werden der amerikanische Präsident Obama, die englische Königin und zahlreiche andere Staatsoberhäupter teilnehmen. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel ist eingeladen. Seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. An der Küste und weit im Hinterland sind die Hotels, Ferienhäuser, Gästezimmer und Campingplätze für die ersten Juni-Tage ausgebucht.

Schon lange wollte ich noch einmal die Landungsküste der Normandie bereisen und den Soldatenfriedhof suchen, der mich 1990 mehr als viele Bücher und Filme hat verstehen lassen, welche Wunden ein Krieg reißt und wie langsam sie verheilen. Vor einigen Tagen habe ich mich aufgemacht.

verkümmerter Baum über dem Omaha Beach © Michael Kneffelaum über dem Omaha

verkümmerter Baum über dem Omaha Beach © Michael Kneffel

Meine Reise in die Vergangenheit beginnt wie der amerikanische Spielfilm „Der Soldat James Ryan“ auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof von Collevillle-sur-Mer. Ursprünglich wollte ich in Ouistreham beginnen und die gesamte Landungsküste bis Sainte-Mère-Église abfahren. Aber kurz vor der Abfahrt hatte ich das Gefühl, dass das Erinnern Ruhe und Stille benötigt und ich wenigstens am Anfang die größeren Orte meiden sollte. Als ich am frühen Abend Colleville-sur- Mer erreiche, ist der „Normandy American Cemetery“ bereits geschlossen. Ich lasse das Auto am Ortsrand stehen und laufe hinab zum Strand, dem berühmten Landungsabschnitt „Omaha Beach“. Außer dem Wind, dem Meer und einigen Singvögeln ist nichts zu hören. Weit in der Ferne sehe ich Menschen am Strand. Nach über acht Stunden Autofahrt ist die Ruhe wohltuend. Ich steige vom Strand an einem Ehrenmal vorbei zum Parkplatz des Friedhofs hinauf, auf dem nur noch einige Wohnmobile stehen, und laufe zurück zum Ort. Gegenüber dem vor einem Jahr eröffneten privaten „Overlord Museum“ hat ein kleines Hotel geöffnet. Der kleine Ort selbst mit seinen grauen Natursteinmauern wirkt nahezu ausgestorben. Großformatige Fotos zeigen die Zerstörungen im Jahr 1944. Bei Einbruch der Dunkelheit tritt eine Frau aus einem Haus auf die Straße und ruft ihre Kinder nach Hause. Ich beschließe, im etwa sieben Kilometer entfernten Port-en-Bessin-Huppain auf Quartier- und Nahrungssuche zu gehen.

die Kirche von Colleville-sur-Mer 2014 und 1944 © Michael Kneffel

die Kirche von Colleville-sur-Mer 2014 und 1944 © Michael Kneffel

Nach meinem Frühstück im Café du Port unternehme ich einen kurzen Rundgang durch den Fischerei-Hafen. Der ganze Ort ist bereits auf das anstehende Jubiläum eingestimmt. Kein Schaufenster ohne D-Day-Dekoration. Kurz nach neun Uhr erreiche ich wieder den Friedhof in Colleville-sur-Mer und nach dem Passieren einer Sicherheitsschleuse mit Gepäckkontrolle darf ich das moderne Besucherzentrum betreten. Auf zwei Etagen wird hier durch Exponate, Informationstafeln und Filme über die Kämpfe und Opfer im Sommer 1944 informiert. Das hat Stil und unterscheidet sich stark von vielen privaten Museen in der Region.

im Besucherzenttrum des Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

im Besucherzentrum des Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

Über einen Weg mit Blick auf den Strand erreiche ich die riesigen Gräberfelder für 9387 amerikanische Soldaten und das Mahnmal für 1557 Vermisste. Noch sind erst wenige Besucher auf dem Gelände, einige Paare und Familien. Manche werden anscheinend von persönlichen Führern begleitet. In der Nacht und am Morgen hatte es geregnet, aber jetzt reißen ab und zu die Wolken auf und Sonne fällt auf gepflegte Wiesen, akkurat geschnittene Bäume und makellose schneeweiße Kreuze aus einem marmorähnlichen Material.

Gräber auf dem Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

Gräber auf dem Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

Ich betrachte das Mahnmal und besuche die kleine Kapelle in der Mitte des Friedhofs, während immer mehr Besucher eintreffen, Menschen jeden Alters, große Gruppen, die mit Bussen angereist sind, Schulklassen, amerikanische und französische Soldaten in Uniform. Einige nehmen den Weg zum Omaha Beach hinunter, wo sich die Reste eines Landungsbootes in Rost auflösen. Als ich den Friedhof gegen Mittag verlasse, hat sich vor der Sicherheitsschleuse des Besucherzentrums eine Warteschlange gebildet, die Parkplätze für PKW und Busse sind komplett gefüllt. Nach meiner Schätzung haben allein an diesem Diensttagvormittag im Mai mehrere hundert Menschen den Friedhof besucht, mindestens die Hälfte von ihnen aus den USA.

Reste eine Landungsbootes am Omaha Beach © Michael Kneffel

Reste eines Landungsbootes am Omaha Beach unterhalb des Normandy American Cemetery © Michael Kneffel

Gefüllt mit amerikanischen Touristen haben sich auch die Restaurants in Port-en-Bessin-Huppain, wo ich am Hafen zu Mittag esse. Die Lokale haben sich auf ihre ausländischen Gäste eingestellt. Neben traditionellen französischen Gerichten finden sich auch Fish and Chips auf den Speisekarten. Es hat den Anschein, als würden die Besucher der Landungsstrände, Friedhöfe und Mahnmale der Region eine fast ganzjährige Saison bescheren. In diesem Jubiläumsjahr dürfte die Zahl der Besucher allerdings noch einmal gewaltig steigen.

Am Nachmittag fahre ich etwa elf Kilometer weiter nach Arromanches-les-Bains, das durch den künstlichen Hafen mit dem Namen „Mulberry B“ berühmt geworden ist, den das englische Militär unmittelbar nach dem D-Day angelegt hat. 220.000 Soldaten und riesige Mengen an Fahrzeugen und Material wurden hier bis Oktober 1944 an Land gebracht. Etliche Pontons der Hafenanlage sind noch am Strand und weiter draußen im Meer zu sehen. Ich erreiche den Ort bei strömendem Regen. Trotz des schlechten Wetters ist der Besucherandrang im Ort beachtlich.

ein englischer Lehrer mit seiner Klasse in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

ein englischer Lehrer mit seiner Klasse in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

Im Mittelpunkt stehen das Museum oberhalb des Strandes, etliche alte Geschütze und Panzer im Stadtgebiet, die Reste des künstlichen Hafens und nicht zuletzt mehrere Geschäfte mit allen möglichen Militaria, von der Gewehrkugel am Goldkettchen bis zur alten Thompson-Maschinenpistole für 270 Euro. Das Kinderkarussell vor dem Museum verstärkt den Eindruck eines Rummelplatzes. Wie viele Touristenhochburgen entwickelt auch Arromanches seinen Charme erst am Abend nach Abreise der Tagesgäste. Bei Ebbe und wieder trockenem Wetter unternehme ich noch einen langen Spaziergang am Strand und sehe mir einige der verfallenden Pontons an. Später komme ich in meiner Hotelbar mit älteren Engländern ins Gespräch, die auf den Spuren ihrer Väter die Küste bereisen. Dazu laufen im Hintergrund schöne alte Guinguette-Chansons.

Ponton des Hafens Mulberry B in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

Ponton 449 des Hafens Mulberry B in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

Von meinem Hotelfenster kann ich am nächsten Morgen beobachten, wie kleine Motorboote zwischen dem Strand und den weiter draußen liegenden Hafenelementen hin und her pendeln. Wahrscheinlich leeren Fischer ihre für Schalentiere ausgelegten Reusen. Es regnet gerade nicht, aber am Horizont ziehen bereits wieder tiefdunkle Wolken auf, und ich überlege lange, ob ich mir wirklich noch die gesamte Landungsküste bis Sainte-Mére-Èglise ansehen oder nur noch gezielt nach dem Soldatenfriedhof suchen soll, der mich vor vierundzwanzig Jahren so beeindruckt hat. Nach meinen Recherchen im Netz könnte es der kanadische Friedhof in Beny-sur Mer gewesen sein, der keine zwanzig Kilometer entfernt ist. Die Wettervorhersage ist alles andere als verlockend, und so entschließe ich mich, meine Reise in die Vergangenheit abzukürzen und direkt dorthin zu fahren. Noch vor neun Uhr erreiche ich den Parkplatz des Friedhofs, der etwa drei Kilometer außerhalb des Ortes liegt. 2013 Soldaten wurden hier bestattet. Die meisten von ihnen starben am ersten Tag der Invasion oder kurz darauf beim Vorstoß in Richtung Caen. Der Zugang zum Friedhof sieht anders aus, als ich ihn in Erinnerung behalten hatte. Gerade als ich aus dem Auto steigen will, öffnet der Himmel alle Schleusen und enorme Regenmengen prasseln herunter. Zwei Besucher lassen sich vom Wolkenbruch nicht abhalten und betreten den Friedhof. Wenig später folgen ihnen zwei weitere Personen. Ich ziehe alle Jacken an, die ich dabei habe, nehme meinen Schirm und mache mich ebenfalls auf den Weg. Hier gibt es keine Sicherheitsschleuse. Alles ist Tag und Nacht frei zugänglich.

der kanadische Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

der kanadische Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Die Torhäuser am Eingang kommen mir bekannt vor. Im rechten treffe ich auf die beiden zuletzt gesehenen Besucher. Der ältere von beiden stellt sich als Engländer vor. Er begleitet seinen kanadischen Verwandten, der nach Europa gekommen ist, um das Grab seines Großvaters zu besuchen, der im ersten Weltkrieg bei Passchendaele in Belgien gefallen ist. Gemeinsam haben beide anschließend noch weitere Friedhöfe besucht, unter anderem den deutschen Soldatenfriedhof in flandrischen Langemarck. Nun stehen wir zusammen auf einem kanadischen Friedhof in Frankreich, reden über den Wahnsinn zurückliegender Kriege und die aktuellen Vorgänge in der Ukraine. Als hätten die Menschen nichts dazugelernt, sagen beide, bevor sie sich verabschieden. Der Regen hört so schlagartig auf, wie er begonnen hat. Kaum bricht die Sonne zwischen den Wolken hervor setzten zwei Gärtner ihre Rasenmäher in Betrieb, und immer neue Besucher erscheinen. Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich den Friedhof von 1990 wiedergefunden habe.

Besucher auf dem Weg zum kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Besucher auf dem Weg zum kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Das dicke gebundene Besucherbuch von damals ist allerdings einem dünnen Ringbuch gewichen, dessen vollgeschriebene Blätter schon nach kurzer Zeit entnommen zu werden scheinen. Die ältesten Eintragungen sind noch keine zwei Wochen alt. Seitdem wurden etwa zwölf Blätter beschrieben, meist von Kanadiern und Franzosen. Eine Französin jenseits der Sechzig, die von einem Herrn in den Achtzigern begleitet wird, spricht mich an. Beide suchen das Grab eines Mannes aus dem kanadischen Zweig ihrer Familie und halten mich offensichtlich für einen Mitarbeiter der Common Wealth War Graves Commission, die für die Unterhaltung und Pflege der Anlage zuständig ist. Mit der Hilfe des ausliegenden Registers finden wir sehr schnell das Grab. Ich begleite die beiden dorthin, und unterwegs fällt mir auf, dass auf vielen Gräbern ganz unterschiedliche Blumen blühen. Außer rotem Mohn und Tulpen sehe ich vor allem Lilien neben den Kreuzen. Dieser Blumenschmuck geht deutlich über eine zentral organisierte Kriegsgräberpflege hinaus. Hier scheinen sich regelmäßig viele Menschen zusätzlich und individuell um die Gräber zu kümmern.

Besucherbuch auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Besucherbuch auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Als ich den Friedhof gegen Mittag verlasse und den Heimweg antrete, habe ich viele andere Besucher gesehen. In das Besucherbuch hat sich von ihnen niemand eingetragen. Das scheinen nur wenige zu machen. Landsleute habe ich in den zurückliegenden drei Tagen übrigens keine getroffen.

 

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Tanz die Sardine! – Karnevalsüberraschungen in Dünkirchen

Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

Wer bei „Karneval“ und „Strand“ nur an Rio denkt, kennt Dünkirchen nicht. Eine Stadt voller Überraschungen. Jedenfalls für uns, die wir nach einem interessanten Samstag im belgischen Ypern das Wochenende an der Küste Nordfrankreichs ausklingen lassen wollten. Erste Überraschung – für die Dünkirchen natürlich nicht verantwortlich war: 9. März und bei strahlendem Sonnenschein Temperaturen wie im Sommer. Über 20 Grad! Zweite Überraschung: Das neue Museum, das FRAC Nord-Pas de Calais, das uns angelockt hatte, öffnete am Sonntag erst am Nachmittag, um 14 Uhr.

das neue Museum FRAC Nord-Pas de Calais im Hafen von Dünkirchen Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

das neue Museum FRAC Nord-Pas de Calais im Hafen von Dünkirchen © Michael Kneffel

Als wir vormittags am Museum ankamen, war dort und in der gesamten Hafengegend kaum ein Mensch zu sehen. Obwohl das neue Museum für zeitgenössische Kunst schon im November letzten Jahres eröffnet worden war, wirkte es noch irgendwie unfertig, mitten in einem großen städtebaulichen Entwicklungsgebiet. Große und offensichtlich sehr interessante Dinge waren hier im Gange, keine Frage – nur nicht am Sonntagvormittag.

Bis 14 Uhr war noch reichlich Zeit, also machten wir uns auf, zurück in die Innenstadt. Dritte Überraschung: Auch die Innenstadt wirkte nahezu ausgestorben. Nur geglegentlich sahen wir irritierender Weise Menschen in Karnevalskostümen Richtung Strandpromenade laufen. Eine halbe Woche nach Aschermittwoch! Sehr katholisch wirkte Dünkirchen nicht auf uns. Oder stimmt es tatsächlich, dass die Ch´tis im Norden Frankreichs in allem etwas zurück hängen?

Museumsschiffe im Zentrum der Stadt © Michael Kneffel

Museumsschiffe im menschenleeren Zentrum der Stadt © Michael Kneffel

Nach einem kleinen Rundgang um den Innenhafen wurden wir doch neugierig und steuerten ebenfalls auf die Strandpromenade der Stadt im Stadtteil Malo zu. Vierte Überraschung unterwegs: In aller Ruhe schwamm ein Seehund vor einer Rampe im Hafen und wartete anscheinend darauf, dass sich die wenigen Schaulustigen wieder aus dem Staub machen.

Seehund im Innenhafen Dünkirchens  © Michael Kneffel

Seehund im Innenhafen Dünkirchens © Michael Kneffel

Gelegentlich vorbeiziehende Einheimische in ihren seltsamen Kostümen ignorierten das Tier völlig. Der Seehund schien hier nicht zum ersten Mal Siesta zu halten. Je näher wir dem Stadtteil Malo kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Jeder freie Quadratmeter war zugeparkt und immer mehr Menschen strebten dem Strand zu. Die allermeisten von ihnen äußerst gut gelaunt und ziemlich schräg kostümiert. Unrasierte, heftig geschminkte Männer in schrillen Frauenkleidern dominierten die Szene.

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

Verspäteter Karneval oder vorgezogener Christopher Street Day? Daneben viele schwarze Männer in Baströckchen mit langen Fasanenfedern am Kopf. Political correct sah das nicht aus. Schien aber niemanden zu stören. Der Geräuschpegel stieg rapide mit der Nähe zum Wasser. Eine Musik zwischen Samba, Balkan-Brass und niederländischen Fan-Gesängen beim Eisschnelllauf.

schwarze Männer beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

schwarze Männer beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

In den Brasserien und Bars an der Promenade war kein Stuhl mehr frei. Ausgelassene Stimmung und ohrenbetäubender Lärm drinnen.

gute Stimmung und Höllenlärm in den Brasserien © Michael Kneffel

gute Stimmung und Höllenlärm in den Brasserien © Michael Kneffel

Vor den Restaurants elaborierte Choreografien und eindrucksvolle Sprechgesänge. Einer Gruppe war es besonders wichtig, möglichst x-beinig mit dem Hintern zu wackeln. Danach das Kommando: Tanz die Sardine! Pogo-ähnlich sprang und tanzte die Gruppe auf möglichst engem Raum vor den Restaurantfenstern herum. Hier waren keine Anfänger am Werk!

erst mit dem Hintern wackeln, dann der Sardinen-Tanz © Michael Kneffel

erst mit dem Hintern wackeln, dann der Sardinen-Tanz © Michael Kneffel

So derb und wild viele Gestalten auch aussahen, so fröhlich und friedlich war die Veranstaltung. Alle schienen viel Spaß an sich und an den anderen zu haben. Wer eine Pause brauchte, ging an den Strand und machte es sich im Sand bequem.

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Wollten wir nicht ins Museum? Welches Museum? Vielleicht beim nächsten Mal. Denn das war garantiert nicht unser letzter Besuch in Dünkirchen.

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Als wir am Nachmittag aufbrachen, hatte der offizielle Festumzug noch nicht einmal begonnen. Was wir erlebt haben, war erst das Aufwärmen.

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

 

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Ein Hundeleben in Paris…

Dogwalker in Paris © Michael Kneffel

Dogwalker in Paris © Michael Kneffel

…kann sehr schön sein – vorausgesetzt man wird als Hund von einem ambitionierten Dogwalker auf den Wiesen zwischen dem Louvre und den Tuilerien bespaßt. Die Hundebande, die wir dort im Oktober bei strahlendem Sonnenschein beim Toben beobachten konnten, hatte jedenfalls eine sehr gute Zeit.

Besonders beeindruckt hat uns der clevere Schäferhund, der nicht nur unaufgefordert alles liegengebliebene Spielzeug der anderen zurück brachte, sondern auch immer wieder den möglicherweiser etwas tiefbegabten Terrier „Jacques“ einsammelte und an der Leine zum Rudelchef zurück brachte.

Dogwalker in Paris © Michael Kneffel

Dogwalker in Paris © Michael Kneffel

(Jacques ist auf den Fotos leicht daran zu erkennen, dass er nicht weiß, wo die Feier stattfindet.)